Das Land, das singt

Vaira Vīķe-Freiberga

Die ehemalige lettische Staatspräsidentin
als Folkloristin

FOLKER
präsentiert:
Folk Baltica 2010
Eindrücke Lettisches Lieder- und Volkstanzfest
Eindrücke Lettisches Lieder- und Volkstanzfest
CD-TIPP

Vairas Dziesmas
(Lauska, 2008)
Bezug: go! www.lauska.lv

Nirgendwo wird mehr gesungen als in Lettland. Besonders deutlich wird die Singfreude bei den großen Sängerfesten in Riga. Tausende kommen, um den Interpreten auf der Bühne zuzuhören oder selbst mitzusingen. Das gemeinsame
Eindrücke Lettisches Lieder- und Volkstanzfest
Singen reicht tief in die Folklore zurück. Die von Generation zu Generation überlieferten Lieder und Tänze folgen einfachen volkstümlichen Choreografien und gehören auch heute in jedes Festivalprogramm. Gemeinsam die alten Lieder zu singen, gilt als Inbegriff lettischer Identität; mit Volksliedern als trotzigem Bekenntnis hat das kleine Land – wie seine Nachbarstaaten Estland und Litauen – sogar die Unabhängigkeit von den sowjetischen Besatzern erstritten. 1990 setzte man Lieder gegen Panzer: Die baltische „Singende Revolution“ ging in die Geschichte ein.

TEXT: ANDREAS GUBALLA

Vaira Vike-Freiberga in Flensburg
Zur Person

Prof. Dr. Vaira Vīķe-Freiberga wurde am 1. Dezember 1937 in Riga geboren. Sie besuchte die lettische Schule des Lübecker Flüchtlingslagers sowie eine französische Schule in Marokko und studierte unter anderem an der kanadischen Universität Toronto Psychologie. Als Psychologieprofessorin arbeitete sie auch an der Universität Montreal, von der sie zur Ehrendoktorin ernannt wurde. 1999 wählte man sie zur Präsidentin der Republik Lettland, und sie bemühte sich bis zum Ende ihrer zweiten Amtsperiode 2007 für eine klare Westorientierung des Landes und um den EU-Beitritt. Im Dezember 2007 wurde sie als stellvertretende Vorsitzende in die neu geschaffene „Reflexionsgruppe“ der Europäischen Union (auch „Rat der Weisen“ genannt) berufen. Der Rat befasst sich mit Fragen der zukünftigen Entwicklung der EU. Sie ist bis heute wegen ihres unabhängigen und sicheren Auftretens in der lettischen Bevölkerung außerordentlich beliebt. Vaira Vīķe-Freiberga ist mit dem Informatikprofessor Imants Freibergs verheiratet, mit dem sie zwei Kinder hat.

In ihren wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema lettische Volkslieder beschäftigt sich Vaira Vīķe-Freiberga mit Semiotik, Poesie und Struktur des traditionellen Liedgutes. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Fachzeitschriften und Büchern in deutscher, englischer, französischer und lettischer Sprache veröffentlicht.

Ein Ereignis von nationaler Bedeutung ist das alle fünf Jahre stattfindende lettische Lieder- und Volkstanzfest. Mehr als fünfunddreißigtausend Menschen – darunter dreihundert Chöre, über fünfhu

Eine führende Wissenschaftlerin auf dem Gebiet des lettischen Volksliedes ist die ehemalige Präsidentin des Landes, Vaira Vīķe-Freiberga. Für sie ist das Lied „der gemeinsame Atem unseres Volkes. Unser gemein

Frau Vīķe-Freiberga, was bedeuten die Volkslieder für das lettische Volk?

Für die Letten bedeuten sie mehr als nur eine literarische Tradition. Sie sind für uns die Verkörperung des von Vorvätern überlieferten kulturellen Erbes, denen die Geschichte greifbarere Ausdrucksformen verwei

Ist das heute noch im Alltag der jungen Leute so?

Es gibt in Lettland noch immer viele Tanz- und Trachtengruppen, die jede Woche zusammenkommen, um zu singen und zu tanzen. Insgesamt gibt es derzeit etwa zweihundert verschiedene Folkloreensembles mit rund dreitausend Mitgliedern. Dies zeigt, dass sich au

Warum sind Tradition und Kultur so tief verankert bei den Letten?

Weil sie lange Zeit ein unterdrücktes Volk waren. Die Tradition gibt ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das es zu bewahren galt. Das war vor allem während der sowjetischen Besatzung so, als es in Riga mehr Russen als Lette

Zu Sowjetzeiten gab es so etwas wie staatlich organisierte Folkloreveranstaltungen. Haben sich die Sängerfeste seit der Singenden Revolution verändert?

„Wir singen,
um in den Winden
der Welt nicht
verlorenzugehen.“
Eindrücke Lettisches Lieder- und Volkstanzfest

Es gibt eine ständige Diskussion darüber, wie weit man diese Veranstaltungen verändern und modernisieren sollte. Wie viel elektronische Musik zugelassen wird und wie das Repertoire aussieht. Aber das letzte Sängerfest in Riga im Jahr 2009 war so wunderbar, und niemand wollte beim Abschlusskonzert nach Hause gehen. Alle haben bis vier Uhr morgens gemeinsam gesungen und getanzt. Dennoch glaube ich, dass die moderne Welt eine Bedrohung für die alten Traditionen ist. Heute verändert sich alles sehr schnell. Da überrascht es mich oft selbst, dass so viele Letten etwas in der Volksmusik finden, was sie woanders nicht bekommen.

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Update vom
28.06.2010
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