FOLKER
präsentiert:
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20. TFF Rudolstadt
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DER TRIUMPH DER GEMÄCHLICHKEIT
Céu
IDENTITÄTSFINDUNG FERN DER HEIMAT
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„Der Mensch braucht nicht diese
Kontinuität, diese sekündliche
Information. Auf diese Weise
ist er nie wirklich präsent ...“
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www.ceumusic.com
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DISKOGRAFIE:
Solo
Céu (Six Degrees, 2005; Indigo, 2007)
Vagarosa (Six Degrees/Exil Musik, 2009)

Mit Sonantes
Sonantes (Six Degrees/Exil Musik, 2008)
CÉU UNTERWEGS:
www.f-cat.de
02.07.10: Salzau, Jazz Baltica
03.07.-04.07.10: Rudolstadt, TFF
16.07.10: München, Tollwood
19.07.10: Stuttgart, Jazzopen
20.07.10: Darmstadt, Centralstation
21.07.10: St. Moritz (CH), Festival da Jazz
22.07.10: Karlsruhe, Tollhaus
25.07.10: Kassel, Kulturzelt
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Schon mit der Bossa Nova entdeckte Brasilien überaus erfolgreich und nachhaltig
die Langsamkeit. Die lebenslustigen Bewohner des riesigen Landes taumeln nicht
nur in treibenden, flotten Rhythmen, sondern wissen auch die musikalische
Entschleunigung durchaus zu schätzen. Wie die Sängerin Céu aus São Paulo. Sie
zelebriert – schon der Name ihres gefeierten zweiten Albums
Vagarosa tut es kund – die Gemächlichkeit und zieht damit Menschen
in aller Welt in ihren Bann.
Text: Katrin Wilke
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„Ein wenig Bedächtigkeit und Faulheit schadet niemanden. Dorival Caymmi
lag damit ganz richtig.“ Diesen Hinweis auf eins von Céus großen Idolen
gibt ein brasilianischer Kollege auf ihrer Myspaceseite. „Ich bin nicht
faul, ich bin kontemplativ“, soll der 2008 im Alter von 94 Jahren
verstorbene Barde aus Salvador einmal fast trotzig auf die wiederholte Frage
nach seiner musikalisch meisterhaft kultivierten tranqüilidade
gesagt haben. Vielleicht geht es der schönen Frau mit dem buchstäblich
himmlischen Namen und der himmlisch schwebenden und doch geerdeten, glasklaren
Stimme ähnlich. Schon auf ihrem gefeierten Debütalbum hatte es die damals
25-Jährige musikalisch nicht allzu eilig. Nun, vier, fünf Jahre später, hat
sich die Künstlerin und junge Mutter gänzlich auf eine tropikalisch-stoisch
anmutende Gangart verlegt. Ihre Songs wiegen sich in lässigen, unaufgeregten
und doch so aufregend klingenden Rhythmen. Auf wundersame Art lässt sich Céu
herausfallen – aus brasilianischen Klischees, aus Zeit und Raum und ganz
konkret aus dem sie umgebenden Großstadtgetriebe. „Ich lebe in São Paulo,
dieser wirklich sehr beschleunigten Stadt voller Informationen, voller Krach.
Wohl genau deshalb fühlte ich das starke Bedürfnis nach Stille, nach der
Langsamkeit bestimmter Dinge. All dem, was dem Menschen gut tut. Der braucht
nicht diese Kontinuität, diese sekündliche Information. Auf diese Weise ist er
nie wirklich präsent, in seinem konkreten Moment, seiner Gegenwart. São Paulo
reißt einen ständig mit sich fort. Man kann gerade noch die jeweils nächsten
Aufgaben begreifen. Das Leben in dieser Stadt, die mir das abverlangt und
antut, versetzte mich in eine innere Unruhe. Und die ließ mich einen Klang
suchen. Dabei ist Vagarosa entstanden.“
„Ich bewahre meine Intimität
und bin doch sehr verbunden
mit der Welt, mit dem
Alltagsleben, den ganz
simplen Dingen.“
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Doch die 1980 als Maria do Céu Whitaker Poças in São Paulo geborene
Singer/Songwriterin weiß ihre Heimatstadt auch zu schätzen: Als einen Ort, der
in seiner Härte und Ambivalenz viel Kreativität und Arbeitslust heraufbeschwört
und heutzutage die meisten Künstler anzieht – weg von Rio, wo man aus
ihrer Sicht immer noch der Bossa Nova nachhängt. Nicht dass Céu etwas gegen die
das Land einst revolutionierende Musik hätte. Auch nicht gegen den von der Bossa
Nova aufgegriffen und entschleunigten Samba. Vagarosa
beginnt sogar mit einem – ganz naturbelassen mit Stimme und Cavaquinho.
Doch schleicht der sich nach nur einer Minute unter dem Knacksen einer alten
Platte davon. Und schon treidelt die Sängerin in dem Stück
„Cangote“ durch dubbig-jazzige Fahrwasser, gebettet auf betörend
bizarren, altmodisch wie futuristisch wirkenden Orgel- und Mellotromklängen.
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FOLKER auf Papier
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