Genies oder Scharlatane?
RED HOT CHILLI PIPERS
Schottlands Antwort auf Riverdance
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„Live ist das
in etwa
Windstärke 10!“
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Wenn es darum geht, große Rockhallen zu füllen, um zu Ruhm, Ehre und Anerkennung
(plus Erfolg bei den Frauen!) zu kommen, dann rangiert der schottische Dudelsack
ziemlich am Ende der Tauglichkeitsskala, irgendwo kurz vor Triangel und
Blockflöte. So war es zumindest bis zum Jahre 2004, als ein junger Dudler aus
Glasgow eine simple, aber knackige Idee hatte:
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Die Red Hot Chilli Pipers schicken sich mittlerweile an, das für die Great
Highland Bagpipes zu leisten, was Riverdance für den irischen Tanz getan hat. Im
Frühjahr setzen die Chillis zur Eroberung Deutschlands an.
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www.redhotchillipipers.co.uk
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AUSWAHLDISKOGRAFIE:
Bagrock To The Masses (REL Records, 2009)
Blast Live (CD + DVD; REL Records, 2009)
RED HOT CHILLI PIPERS UNTERWEGS:
www.magnetic-music.com
13.04.10: Leverkusen, Scala
14.04.10: Hamburg, Fabrik
15.04.10: Berlin, Columbia
16.04.10: Rostock, Moya
17.04.10: Neubrandenburg, Konzertkirche
18.04.10: Eisleben, Landesbühne Sachsen-Anhalt
20.04.10: Aschaffenburg, Colos-Saal
21.04.10: Mainz, Frankfurter Hof
22.04.10: Pforzheim, Kulturhaus Osterfeld
23.04.10: Roth, Kulturfabrik Roth
24.04.10: Augsburg-Göggingen, Parktheater
25.04.10: München, Circus Krone
27.04.10: Ulm, Roxy
28.04.10: Illingen, Illipse
29.04.10: Essen, Zeche Carl
30.04.10: Meißen, Albrechtsburg (Mittelalterfestival)
01.05.10: Bremerhaven, Stadthalle (Open Air)
02.05.10: Buchholz, Empore
04.05.10: Waiblingen, Kulturhaus Schwanen
06.05.10: Nordhorn, Alte Weberei
07.05.10: Paderborn, Frühlingsfest
08.05.10: Hannover, Masala Weltbeat Festival
09.05.10: Hiddenhausen, Gut Bustedt
11.05.10: Unna, Lindenbrauerei
12.05.10: Dudelange (L), Centre Culturel Opderschmelz
15.05.10: Xanten, Siegfriedspektakel
16.05.10: Bad Essen, Waldbühne (Landesgartenschau)
18.05.10: Wolfhagen, Zelt
19.05.10: Gotha, Stadthalle
20.05.10: Siegen, Giller (Pur Festival)
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Text: Mike Kamp
Die Freundin war’s! Stuart Cassells, einer der drei Piper und Chef der Band,
gibt es zu. Bei einer der regelmäßigen Reinigungsaktionen in seiner Wohnung bat
er eben jene Dame, ihn doch bitte zu unterstützen und seine herumliegenden CDs
zu sortieren, irgendwie, alphabetisch oder nach Genre. Sie entschied sich
offensichtlich für Letzteres, und als Stuart irgendwann später die
Dudelsacksektion durchsuchte, fand er dort einen Tonträger der Red Hot Chilli
Peppers. Auf die Frage, was sie sich denn dabei gedacht hätte, meinte die
Freundin ganz unschuldig: „Heißen die denn nicht Red Hot Chilli Pipers?“
Cassells schüttelte ungläubig seinen Kopf – es ist nicht überliefert, ob
ihm die Dame immer noch nahesteht –, aber nicht allzu lange, denn dann ging ihm
ein ganz gewaltiger Kronleuchter auf. Sofort griff er zum Telefon, rief,
ungeachtet der Tatsache, dass es die Zeit war, die die Schotten „the wee small
hours“ nennen, seinen Freund und Pipekollegen Willie Armstrong an und weihte ihn
ein. Dies war die Geburtsstunde der Red Hot Chilli Pipers.
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Was Stuart Cassells, der ein Jahr später die Auszeichnung zum BBC Radio Scotland
Young Traditional Musician of the Year erhielt, damals in den Sinn kam, war ein
denkbar einfaches Konzept: Bringe scheinbare Gegensätze zusammen, die als
rückständig empfundenen Pipes mit populären Rock- und Popmelodien der letzten
Jahrzehnte. Nimm zum Beispiel den immer wieder gern gegrölten Queen-Klassiker
„We Will Rock You“, lasse die Melodie von drei Pipes intonieren, füge drei
Rhythmusleute hinzu, dabei unbedingt einen, der die für die schottische Musik so
wichtige, trockene Snaredrum spielt. Dann ist ein E-Gitarrist unerlässlich,
damit es so richtig kracht. Nenne ihn griffig „G-Man“ (nicht nur, weil er
„Gitarre“ spielt, sondern auch noch „Gregor“ James heißt). Und zur Verbreiterung
des Sounds wären Keyboards noch ganz hilfreich. Fertig ist die Kiste! Und da Mr.
Cassells auch schon mal was von dem betriebswirtschaftlichen Begriff der
„Corporate Identity“ gehört hatte, steckte er seine sieben Jungs in einheitlich
schwarzes Outfit mit roten Farbtupfern, Kilt inklusive, und suchte ein paar
griffige Schubladen wie „Bagrock“ oder „Jock ’n’ Roll“. Die Presse braucht so
was. Das ganze ist nämlich ein Produkt, ganz klar, und zwar ein überaus
interessantes.
„Wie kann man die
Pipes so in den
Schmutz ziehen,
in solch vulgären
Zusammenhängen
benutzen?“
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Die Frage ist nur: Funktioniert das? Kann man das verkaufen? Kommt das an? Aber
hallo! Hier ein paar Reaktionen: „Das sind meine Jungs! Das hat gerockt!“ Sir
Paul McCartney. „Absolut genial!“ Ewan McGregor. „Bei Stuart klingt der
Dudelsack wie Pete Townsends Leersaiten-Rickenbacker, das erinnert an die frühen
Who!“ Phil Collins.
Und das ist nur ein kleiner Auszug aus der Liste illustrer Kommentare, die die
geschäftstüchtigen Chillis natürlich prompt im Booklet der aktuellen CD
abgedruckt haben. Apropos geschäftstüchtig, manchmal muss man auch einfach nur
Dusel haben. Auf gut Glück schickte Cassells eine Bewerbung an „When Will I Be
Famous“, eine populäre Samstagabend-Talentshow der BBC.
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FOLKER auf Papier
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Dieser Artikel ist nur ein Auszug des Original-Artikel der Print-Ausgabe!
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