LABELPORTRÄT 43

Arhoolie Records

Amerikas klingende Vielfalt

TEXT: CHRISTOPH WAGNER

Chris Strachwitz noch im Vinylzeitalter, Anfang der Achtzigerjahre

go! www.arhoolie.com

Manchmal ist die Wirklichkeit sonderbarer als die Fiktion: Ein sechzehnjähriger Deutscher kommt nach dem Zweiten Weltkrieg als Emigrant nach Amerika, wo er ein Schallplattenlabel gründet, das zu einem bedeutenden Klangarchiv der amerikanischen Regionalstile wird. Das klingt wie ein Märchen, ist aber wahr. Der Einwanderer heißt Chris Strachwitz, sein Label Arhoolie Records. 1960 gegründet, hat sich die Firma in den fünfzig Jahren ihres Bestehens zu einem der einflussreichsten Roots-music-Anbieter der USA entwickelt.

„Ich fing an,
Detektiv zu
spielen, um
Bluessänger
ausfindig zu
machen.“

Was für ein Schock muss es gewesen sein, aber auch was für eine Befreiung, als der Teenager 1947 in Amerika an Land ging, geflohen aus Schlesien mit Mutter und Geschwistern vor den russischen Soldaten. Glücklicherweise hatte die Familie eine Großmutter in den USA, die nur zu gerne half. Sie wurde zur ersten Anlaufstelle. Bald fanden sie bei einer der Tanten in Nevada Unterkunft.

„Kann ein kleines
Label wie wir in
einer Zeit überleben,
die durch eine totale
Überflutung mit Musik
aus der ganzen Welt
gekennzeichnet ist?“
Chris Strachwitz mit Big Joe Williams, Crawford, Mississippi, 1971
Chris Strachwitz mit dem 'King of Zydeco' Clifton Chenier

In den Vereinigten Staaten war alles anders. Verwirrend und überwältigend empfand Christian „Chris“ Strachwitz die neue Umgebung. Neue Eindrücke strömten von überall auf ihn ein. Wenn man das Radio einschaltete, ertönte eine Musik, wie sie der Teenager noch nie gehört hatte, Klänge, die ihm seltsam fremd vorkamen und so unübersichtlich in ihrer Vielfalt. Trotzdem besaßen sie eine ungeheure Faszination.

Rasch lernte Strachwitz zu unterscheiden: Blues, Hillbilly, Gospel, mexikanische Musik. „Ich habe Hillbilly-Platten gekauft, auch Boogie Woogie und Rhythm and Blues“, erinnert er sich. „Die ‚Schellacks‘ waren richtig teuer, und ich habe mein ganzes bisschen Taschengeld dafür ausgegeben.“ Im Kino hörte er zum ersten Mal Jazz und war wie benommen.

Chris Strachwitz im Arhoolie-Archiv

Nach Schule, College und Wehrdienst trat Strachwitz eine Lehrerstelle in Kalifornien an. In der Freizeit klapperte er Flohmärkte ab auf der Suche nach Schellackplatten. Sie wurden Ende der Fünfzigerjahre billig verramscht, als Läden und kleine Schallplattenfirmen für die neuen Vinylsingles ihre Lager räumten. Manchmal standen ganze Lastwagenladungen zum Verkauf. Strachwitz nutzte die Gelegenheit. Seine Sammlung wuchs rapide. Viel verkaufte er an Sammler nach Europa. „Auf diese Weise habe ich im Plattengeschäft angefangen. Ich erstand alles, wo ‚Bluessänger mit Gitarre‘ draufstand“, erzählt er.

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Update vom
24.12.2009
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