„That Man to Man, the world o’er, Shall brothers be for a’ that“

Robert Burns

251 JAHRE EINES SCHOTTISCHEN GENIES

Robert Burns
Empfehlungen

The Scots Musical Museum 1787-1803, 2 Bd., 1991, Aldershot: Scolar Press, ISBN 0-85967-778-8
The Complete Songs Of Robert Burns
(12 CDs; Linn Records, 2003, go! www.linnrecords.com )

The Complete Songs Of Robert Burns

Robert Burns ist Schottlands Nationalpoet. Na und, könnte man sagen, so was haben andere Länder auch. Wir zum Beispiel haben unseren Goethe. Aber kann man Burns und Goethe tatsächlich gleichsetzen? Ein sicherlich interessantes Thema für eine separate und sorgfältige Untersuchung, doch im Zusammenhang mit diesem Artikel lautet die Antwort schlicht und pauschal: Nein, kann man nicht, denn Burns ist einzigartig. Was war er für einer, wie sieht sein Werk aus und welche Bedeutung hat er heute, speziell für die Folkszene?

Text: Mike Kamp

„Er war Jakobit und dann wiederum auch nicht, kein großer Freund der Kirche und dennoch religiös, er war Revolutionär und Steuereintreiber, Schreiber von Liebesgedichten und Ehebrecher und überhaupt; er war glühender schottischer Patriot und Bewunderer englischer Prosa.“

Am 25. Januar 2009 feierte man in Schottland verständlicherweise den 250. Burns-Geburtstag riesengroß. Richtiger müsste es heißen: Das ganze Jahr 2009 feierte man seinen runden Geburtstag. Clever hatten Marketingstrategen und die schottische Regionalregierung das enorme touristische Potenzial ihres größten Sohnes erkannt und strickten um sein Jubiläum das Riesenevent „Homecoming Scotland 2009“. Mit einer Serie von hunderten, ja tausenden Veranstaltungen sollten möglichst viele Menschen mit schottischen Wurzeln zurück in die alte Heimat gelockt werden, zu Besuch natürlich. Aufhänger, nicht jedoch Bestandteil einer jeden Veranstaltung war Burns. Am letzen Novemberwochenende endete „Homecoming Scotland 2009“ mit einer landesweiten Party anlässlich des St. Andrew’s Day. Eine genaue Bilanz der ganzen Aktion steht noch aus, aber die Idee hatte auch ihre Kritiker. So warf Brian Wilson, ehemaliger Labour-Minister, Regierungschef Alex Salmond vor, er würde Burns zum Retter der schottischen Wirtschaft erklären, was doch wirklich lachhaft sei.

Burns-Kitsch

Was war das für einer, der nicht erst seit heute als schottischer Dichterfürst gilt? Geboren wurde Robert Burns am 25. Januar 1759 im südschottischen Alloway. Trotz ärmlicher Verhältnisse sorgten die Eltern für eine gute Schulbildung und der Junge verschlang anspruchsvolle Bücher ohne Ende. Obwohl er als Bauer körperlich hart arbeiten musste, galt seine wirkliche Passion der Poesie, aber auch der Natur, dem Alkohol und den Frauen. Seine unzähligen Beziehungen, aus denen etliche eheliche und uneheliche Kinder entsprangen, waren nicht zuletzt auch Inspiration für viele seiner Gedichte. Bereits mit siebenundzwanzig war er in ganz Schottland als Poet bekannt. Er ging nach Edinburgh und hatte dort viele reiche Gönner, aber das Geld brachte er immer zügig wieder in Umlauf. Nach achtzehn Monaten kehrte er zurück in den Süden und musste sich dort als Steuereintreiber verdingen. Er schrieb weiterhin Gedichte, zunehmend auch Lieder. Sein exzessives Leben jedoch hatte seine Gesundheit ruiniert, und so starb er am Morgen des 21. Juli 1796 im Alter von nur siebenunddreißig Jahren an einer Kombination von Fieber und Herzschwäche. Ursprünglich wurde Burns in einer unscheinbaren Ecke des Friedhofs von Dumfries beigesetzt. 1815 jedoch bettete man ihn um und errichtete über seinem Grab ein Mausoleum.

Russische Burns-Briefmarke von 1956

Was aber macht Burns zu etwas Besonderem, etwas Einzigartigem? Abgesehen davon, dass anlässlich dieser Frage schon viele kluge, lange und wissenschaftliche Artikel geschrieben wurden, konzentrieren wir uns hier auf zwei Punkte. Zum einen sind da Burns und sein Werk und zum anderen seine schottischen Landsleute als ursprüngliche Rezipienten in Betracht zu ziehen.

Burns' Geburtshaus

Er drückt sich in Scots aus und die Fachleute streiten sich vortrefflich, ob das nun eine Sprache oder ein Dialekt sei. Bei manchen Gedichten ist das Scots auch abgeschwächt und kann von Englischsprechenden, also international, relativ gut verstanden werden. Burns wird daher oft und gerne als Internationalist bezeichnet, auch weil seine Themen so universell sind. Das muss man sich vor Augen halten: Burns, der Mann, der sein Land zeitlebens nicht verlassen hat (er plante mal eine Auswanderung nach Jamaika, aber daraus wurde nichts – passend wurde bei den Celtic Connections 2009 sein Geburtstag mit einer außergewöhnlichen „Jamaican Burns Night“ gefeiert, mit dabei neben Einheimischen wie Karine Polwart auch Reggaestars wie Sly & Robbie oder die Calypso Steel Band), ist dennoch in der Lage, die Menschen weltweit anzusprechen.

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Update vom
24.12.2009
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