GASTSPIEL

„We’re only in it for the money“*

Was verdient heute eigentlich ein Musiker an einem Album, und warum müssen wir darüber reden?

VON PETER JAMES

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Peter James ist stellvertretender Vorsitzender des Verbandes unabhängiger Musikunternehmen (VUT e. V.), dessen Gründer er 1993 war. Nach einem Jura- und BWL-Studium stieg er 1990 in die Musikbranche ein. U. a. war er 1992-1998 Geschäftsführer von Rockcity Hamburg, von 1994 bis 1998 Mitinhaber der Firma Buback Tonträger und als Initiator von 2004 bis 2008 Vorstandsmitglied von German Sounds, dem deutschen Musikexportbüro.

Einer ahnte, dass es so kommen würde. Siggi Loch – heute mit dem Jazzlabel Act unabhängig und erfolgreich – hatte als Chef einer deutschen Niederlassung der Tonträgerindustrie (Warner Deutschland) schon bei der Einführung der CD gewarnt: Neben der „großen Chance, die in dieser Innovation steckt, ist auch die Gefahr einer späteren, überspielbaren CD“ erkennbar. Er forderte deshalb Garantien der Gerätehersteller zum Schutz der Rechte von Künstlern, Autoren und Produzenten. Natürlich glaubten die Industriekollegen dem Siggi nicht und belächelten seine beschworene Gefahr einer bespielbaren CD als „typisch deutschen Technikglauben“. Mit der CD-Brennerei fing es an und mit MP3 und den wunderbaren, kleinen MP3-Playern ging es weiter: Musik wird auf CDs gebrannt oder kostenlos aus dem Netz geladen, weil es billig und bequem ist.

Peter James

Glaubten wir früher gemeinsam mit der GEMA noch, dass Musik ihren Wert hat, erklären uns heute Tausende Hobby-BWLer und Web-Zweinuller milde lächelnd, was Sache ist: Musik gibt’s genug, Musik kommt aus der Steckdose. Freie Musik für freie Bürger. Stars verdienen bekanntlich genug – bei allen anderen Künstlern kommen Erlöse aus CD-Verkäufen angeblich sowieso nicht an. Spätestens seit der Evolution des Filesharings zu einem gesellschaftlich relevanten Thema interessieren sich Musiknutzer und Journalisten gleichermaßen „brennend“ für die komplizierte Ausgaben-/Einnahmeverteilung: In zahllosen Foren und Panels wird intensiv diskutiert: Wer will was von wem warum? Wer genau verdient wie viel? Was treiben die Verwertungsgesellschaften?

Musik zu produzieren und zu verkaufen, ist teuer und höchst riskant. Die komplexen, verwirrenden Handlungsabläufe und Geldflüsse darzustellen, ist mühsam, und wenn es interessant wird, beginnen Datenschutz und/oder Betriebsgeheimnis. Dazu kommen zig Nadelöhre, die es Musikschaffenden schwer machen: Das Radio spielt nur Hits, ob alt oder neu, Hauptsache Hits. Die Handelsketten wollen nur Musik, die sich schnell verkaufen lässt. Der Rest fliegt raus, weil sich Computer und Spiele schneller umsetzen lassen. Die kleinen Fachhändler würden gern weitermachen, können aber die teuren Mieten in den guten Lagen nicht mehr erwirtschaften. Und Musikfernsehen gibt es auch nicht mehr.

„Glaubten wir früher gemeinsam
mit der GEMA noch, dass Musik
ihren Wert hat, erklären uns
heute Tausende Hobby-BWLer
und Web Zweinuller milde
lächelnd, was Sache ist:
Musik gibt´s genug, Musik
kommt aus der Steckdose.“

Mit anderen Worten: Der Weg zum Kunden wird immer dorniger und in jedem Fall teurer. „Gatekeeper“ nennen Wirtschaftswissenschaftler Unternehmungen, die sich zwischen Musikschaffende und Verbraucher schieben und darüber befinden, welche Musik gehört und gekauft wird. Solche Gatekeeper weisen auch zu Recht darauf hin, dass zu viel Musik angeboten wird. Nicht zuletzt, weil auch das gesamte Ausland seine Musik nach Deutschland schafft, und das nicht selten im Ursprungsland stattlich subventioniert.

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Update vom
24.10.2009
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