Multikulturelle schwangere Auster

DAS BERLINER HAUS DER KULTUREN DER WELT FEIERT ZWANZIGSTEN GEBURTSTAG

Künstlerische Reflektionen über die eigene Position in dieser Welt

Baustelle Berliner Kongresshalle 1957
Das Haus der Kulturen der Welt heute
„Es geht nicht darum, Randbereiche der Welt oder der Gesellschaft zu thematisieren, sondern darum, dass das, was wir tun, wirklich mit uns selbst zentral zu tun hat.“
Dr. Bernd M. Scherer
go! www.hkw.de

Als das Haus der Kulturen der Welt (HKW) vor zwei Jahrzehnten in der (West-)Berliner Kongresshalle – vielen ist das Gebäude wegen seiner Architektur vor allem unter dem Namen „Schwangere Auster“ ein Begriff – seine Arbeit aufnahm, war die heutige Bundeshauptstadt noch geteilt und der Begriff Multikulti in aller Munde. Das HKW sollte Programme mit Künstlern aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Ozeanien entwickeln und so eine Lücke füllen, da die meisten außereuropäischen Länder nicht über ausreichende finanzielle Mittel verfügten, um in Deutschland ein Kulturinstitut zu unterhalten. Präsentiert wird bis heute zeitgenössische Kultur in den drei Programmbereichen Literatur/Gesellschaft/Wissenschaft, Bildende Kunst/Film/Medien und Musik/Tanz/Theater. Obwohl das HKW vom Publikum gut angenommen wurde, hätte nicht viel gefehlt und das zwanzigjährige Bestehen dieser international anerkannten Einrichtung könnte heute nicht gefeiert werden. Bereits ab Ende 1990 erhoben andere Institutionen des Bundes, unter anderem der Besucher- und Informationsdienst des Deutschen Bundestages, Anspruch auf die Räumlichkeiten der nun nicht mehr in Mauernähe, sondern in der Mitte Berlins gelegenen Kongresshalle. Ende 1992 sperrte der Haushaltsausschuss dem Haus der Kulturen dann für 1993 Zuschüsse von zwei Millionen D-Mark. Die Mitarbeiter, die eine starke Einschränkung ihrer Arbeit befürchteten, wehrten sich und sollten mit der Sperrung von zwei Dritteln der Projektmittel zur Räson gebracht werden. Im Frühjahr 1993 kam dann ein Kompromiss zustande, der dem HKW die Weiterarbeit ermöglichte. Unterstützt von der Öffentlichkeit, ging die Einrichtung gestärkt aus dieser Krise hervor. Seit 2001 gehört sie jetzt der Gesellschaft der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin an, einem gemeinsamen Verbund mit den Berliner Festspielen und den Internationalen Filmfestspielen Berlin. Der Bestand scheint also gesichert, und im September wurde mit dem Festival „The Spirit of the Haus“ und Gästen wie Oumou Sangare, Anri Sala oder Kwame Anthony Appiah der zwanzigste Geburtstag gefeiert.

„Die baulichen Vorgaben verlangen groß dimensionierte Projekte. Auf der anderen Seite ist dieses Haus ein Gebäude, in das Menschen jederzeit hineingehen können ...“

Im Folker-Gespräch mit Bernd Scherer, dem Intendanten des HKW, geht es um den Wandel von Selbstverständnis und programmatischem Ansatz sowie um seine persönlichen Gestaltungsvorstellungen. Scherer steht dem Haus seit drei Jahren vor, nachdem er dort bereits von 1994 bis 1996 den Bereich Literatur/Gesellschaft/Wissenschaft leitete und von 1996 bis 1999 stellvertretender Generalsekretär war.

Was bedeutet der runde Geburtstag für Sie persönlich?

Das Erste ist, dass auch ich älter geworden bin (lacht). Die Tatsache, dass wir zwanzig geworden sind, führt dazu, dass in der Arbeit plötzlich eine ganz andere Dimension auch wichtig wird, nämlich die der Geschichte. Das Haus war lange Zeit dadurch gekennzeichnet, dass wir bei unserer Projektarbeit immer in die Zukunft gedacht haben: Was machen wir als Nächstes? Dass sich daraus jetzt im Rückblick auch eine Linie nachzeichnen lässt und eine geschichtliche Dimension entsteht, ist, glaube ich, ein ganz zentraler Punkt, der sich dann auch immer mehr in der Arbeit selbst reflektiert.

Die Fragen stellte Sabine Froese.

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Update vom
28.10.2009
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