FOLKER
präsentiert:
Liederfest 2009

Der Mann, der eine Idee
mit Folgen hatte

THOMAS VOGEL

Die Liederbestenliste als Spürnase und verlässlicher Garant für Qualität

Thomas Vogel
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Er ist studierter Theologe, Romanist und Philosoph. Zu seinen Hobbys gehört, neben dem Theaterspielen im Tübinger Zimmertheater, Lieder und Bücher schreiben – in diesem Frühjahr erschien sein vierter Roman Der Park, in dem sich Wege kreuzen. Das Interesse am Lied war es auch, das Thomas Vogel, der in Heidelberg zusätzlich Kunstgeschichte studierte, mit einer Arbeit über das Französische Chanson der Gegenwart promovieren ließ. Von 1980 bis 2008 war er Redakteur beim SWR, zuerst in Baden-Baden, dann in Tübingen als Leiter der Kulturredaktion und Stellvertretender Studioleiter. 1983 hatte Vogel dann eine Idee: Er wollte eine Hitparade für das deutschsprachige Lied ins Leben rufen – abseits der Zwänge des Marktes. Das war die Geburtsstunde der Liederbestenliste, der Thomas Vogel bis Ende 2003 als Juror angehörte. Vor 25 Jahren wurde dann der erste Liederpreis an Wolf Biermann vergeben. „Der Deserteur“ bekam 1984 die meisten Stimmen der Jury. Anlässlich des Jubiläums äußerte sich Thomas Vogel gegenüber dem Folker zur Situation des deutschsprachigen Liedes und zur Rolle der Liederbestenliste.

Thomas Vogel

Was war der Anlass für die Gründung der Liederbestenliste vor 25 Jahren?

Es gab Anfang der Achtzigerjahre eine wunderbare, vielversprechende deutsche Liedermacherszene, allein: Sie hatte in den öffentlich-rechtlichen Medien keine Fürsprecher, fand dort kein Gehör, fiel bei den vorgestrigen „Kästchendenkern“ zwischen E und U zwischendurch. Also wollte ich – als frischgebackener Redakteur mit Liedermachervergangenheit – dieser Gattung, die es ja in Deutschland durchaus schon einmal gegeben hat, dann aber durch die Nazizeit fast gänzlich zerstört wurde, einen eigenen Programmplatz geben.

Wie würden Sie rückblickend den Zustand der deutschsprachigen Musikszene beschreiben – in Bezug auf Texte, Musik und Kreativität?

„Auch das deutsche Besserwessi-Feuilleton
mit seiner näselnden Arroganz hatte
Probleme mit der Einordnung.“

Da war plötzlich eine wunderbar kreative Musikszene entstanden, die sich aus verschiedenen Quellen bediente. Eine Liederwelt, die sich aus ehemaligen Burg-Waldeck-Barden, Deutschrockern, Literaten und Neue-deutsche-Welle-Adepten zusammensetzte. Von preußisch-Brecht’scher Strenge über französische Eleganz bis hin zu kölscher oder schwäbischer Mundart und Wiener Schmäh war alles vertreten.

Die Fragen stellte Michael Kleff.

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Update vom
05.01.2010
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