GASTSPIEL
Es geht ums Tun!
Wir leben in stürmischen Zeiten. Aber sind auch die Menschen stürmisch?
Ein Plädoyer für utopische Tendenzkunst.
VON KONSTANTIN WECKER
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Mit Albert Einstein ist, um sich in einer Schafsherde wohlzufühlen, vor allen
Dingen erforderlich, dass man Schaf ist. Auch als Ochse ungeeignet, ist meine
beharrliche Weigerung, mich vor irgendeinen parteipolitischen oder
institutionellen Karren spannen zu lassen, bekannt.
Es gab zwei Ausnahmen hiervor. Die Grünen in den Achtzigerjahren und die
Gründung der Linkspartei. Beide Fälle waren letztlich punktueller Natur, eine
konkrete Intervention an einem als kritisch für die Zukunft empfundenen Punkt
der politischen Entwicklung. Beide Male war mein Einsatz stark motiviert durch
meine Vertrauensbasis zu Leuten, die ich gut kannte und gut fand.
Trotzdem folgte auf mein öffentliches Eintreten jedes Mal auch recht schnell der
Abgang von dieser parteipolitischen Bühne. Ich habe meine eigenen Bühnen, da
fühle ich mich wohl und da gehöre ich hin. Als Parteibarde bin ich schon
aufgrund meiner Unfähigkeit, irgendeiner anderen als meiner eigenen Linie zu
folgen, völlig ungeeignet. Ich bin Romantiker. Linksromantiker, sicherlich, aber
Romantiker. Das Gerade und Geordnete in allen Ehren, aber ich will nicht
marschieren, sondern schlendern, lustwandeln, wandern und schwärmen.
„Die Ausreden für unsere
ewige Passivität, für ein
treudummes und feiges
Verharren inmitten einer
verfallenden Welt gleichen
Leuten, die vor lauter Angst,
obdachlos zu werden, bis
zum bitteren Ende in ihrem
lichterloh brennenden
Haus verweilen.“
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Außerdem bin ich ein freier Mensch und lege wirklich großen Wert darauf, das
auch zu bleiben. Mir reicht es vollkommen, für mich und meine Kinder die
Verantwortung zu tragen. Aber diese Verantwortung behalte ich eben auch bei mir.
Die wird nicht geteilt und schon gar nicht abgegeben an Gremien und Ausschüsse.
Trotzdem jetzt dieses Plädoyer für Tendenzkunst. Während nämlich die Gefahr
einer Vereinahmung durch Dritte für den politischen Künstler immer virulent sein
wird, ist unser aktuelles Problem ein ganz anderes: der eklatante Mangel an
politisch engagierter Kunst nämlich!
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