NEY MATOGROSSO – DER SEHER

SÄNGER, SCHAUSPIELER, SCHWULENAKTIVIST, NATURSCHÜTZER, LEPRABEKÄMPFER, RADIKALER REALIST

Ney Matogrosso
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CD-TIPP:
Camaleão
(17 CDs, darauf viele Raritäten; Universal, 2008)

Camaleão

Der Mann lebt in einer Stadt namens Rio de Janeiro, in der seit Jahren beinahe täglich Menschen auf Scheiterhaufen lebendig verbrannt werden, wie der Berlinale-Sieger 2008, Tropa de Elite, plastisch zeigt. Und in der ausgerechnet Lepra, diese eigentlich überwunden geglaubte, insbesondere mittelalterliche Seuche, immer noch grassiert. Der Mann agiert zudem in einem Land, in dem schlimmste Folter alltäglich ist. Doch merkwürdig – in Brasiliens Heer von Musikern und Komponisten scheint sich gerade mal ein winziges Häuflein darüber zu empören. Nur einer schreit seinen Protest Woche für Woche vor großem Publikum heraus: Ney Matogrosso.

Text: Klaus Hart

Ney Matogrosso

„Ich sehe, wie die Zukunft lediglich Vergangenheit wiederholt – aus unserem Land machen sie eine Hurenabsteige, einen Puff, nur weil das mehr Kohle bringt. Deine Ideen und Vorstellungen sind fern der Realität!“, ruft er den Tausenden gleich im ersten Song des Abends zu. Der Sänger, Schauspieler, Schwulenaktivist und Naturschützer zählt zu den markantesten Künstlerpersönlichkeiten Brasiliens – mit einer der schönsten, sensibelsten Stimmen der Populärmusik. Nicht nur wegen seiner erfolgreichen Konzerte, sondern auch wegen scharfer, treffender Kritik an der politischen, sozialen und kulturellen Situation des Tropenlandes ist Ney Matogrosso derzeit häufiger als jeder andere Künstlerkollege in den Medien. In Lateinamerikas Megacity São Paulo dreht er jetzt einen weiteren sozialkritischen, apokalyptischen Spielfilm, verkörpert in der Hauptrolle einen hochintelligenten Schwerkriminellen, der in einem brasilianischen Horrorknast Kant und Nietzsche liest. Vielleicht hat der Streifen mehr Glück als jener allen Brasilienklischees zuwiderlaufende Berlinale-Knaller Tropa de Elite und wird, anders als dieser, dem deutschen Kinopublikum nicht vorenthalten.

„Manchmal hätte ich Lust,
Bomben zu werfen –
aber das bringt
ja nichts.“

2009 läuft für den Ex-Hippie, der zu den Symbolfiguren der sexuellen Befreiung Brasiliens zählt, so erfolgreich wie 2008. Trotz einschneidender Finanz- und Musikmarktkrise, in der vielen Kollegen die Plattenverträge gekündigt werden, kommen letztes Jahr 17 seiner besten CDs erstmals in einer attraktiven Box heraus. In zwei Dokumentarstreifen macht er auf dem nationalen Filmfestival in Brasilia Furore. In dem einen spielt er mit einem Freund ein homosexuelles Liebespaar – denn Matogrosso ist auch eine Ikone der brasilianischen Gay-Kultur.

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Update vom
25.08.2009
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