„Brakka“ – Ehrwürdige Tradition oder clevere Erfindung?
Ein Gespräch mit
So Kalmery
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www.myspace.com/... ...sokalmery
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AUSWAHLDISKOGRAFIE:
Brakka (CBS, 1990)
Rasmi (Buda Musique, 1996)
Bendera (Pygmalion, 2001)
Brakka System (World Village, 2009)
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Ein wenig misstrauisch kann man ruhig sein. Aber wenn das alles frei erfunden
wäre, müsste man So Kalmery zu Gute halten, dass er nicht nur formidablen
Afro-Folk-Pop fabrizieren kann, sondern auch ein raffinierter Legendenerfinder
und geschickter Selbstvermarkter ist. „Brakka“ heißt die Musik, seinen Angaben
zufolge ein traditioneller Stil aus seiner Heimat, der Region der großen
afrikanischen Seen. Brakka
hieß auch schon sein erstes, unter eigenem Namen 1990 in Paris aufgenommenes
Album. In seinem neuesten, eben erst frisch erschienen und Brakka System
betitelt, singt er auch schon mal „Brakkabrakkabrakka“ endlos hintereinander,
sodass man dann doch wirklich langsam wissen will, was es mit dieser ominösen
Musikrichtung auf sich hat.
Text und Fotos: Gunnar Geller
„Brakka war eine Art von urbaner Musik, die vom täglichen Leben erzählt hat, wie
Street Poetry, wie Hip-Hop. Aber Brakka hat eine jahrtausendealte Tradition.“
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Ein ganz spezieller, sonst nie gehörter Sound, lässt sich auf dem
luftig-leichtem Album auf Anhieb nicht entdecken. Da trägt So Kalmery mit einer
wunderbar souligen, leicht rauen, aber sehr geschmeidigen Stimme eigene Songs
vor, getragen von einem locker swingenden Gerüst, dessen wichtigster Bestandteil
die akustische Gitarre ist und in das die unterschiedlichsten Einflüsse wie
selbstverständlich und ganz unaufdringlich eingegangen sind.
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Beim Googeln gibt es jede Menge „Brakka“-Treffer, aber kaum einen, der nicht in
Verbindung mit So Kalmery steht. Hat er sich das also einfach ausgedacht? „Nein,
nein, nein, viele denken das; aber Sie finden nur deshalb keine Informationen,
weil Brakka, wie so viel andere afrikanische Kultur fast verschwunden ist nach
dem Ende der Kolonisierung. Es sind wenige Leute, die noch Bescheid wissen. Ich
gehöre dazu, ich kenne Brakka. Afrikanische Diktatoren wollten nicht, dass die
traditionelle Musik gespielt wird, sie wollten nicht, dass die Menschen
zusammenkommen, dass sie Musik hören, die ihnen etwas über das Leben beibringt.
Trinklieder waren eher gern gesehen, ‚Come Back Baby, I Love You‘, ordentlich
Bier dazu, fertig.“ Ganz freundlich und geduldig erklärt er das dem ignoranten
Fragesteller.
„Brakka war eine Art von urbaner Musik, die vom täglichen Leben erzählt hat, wie
Street Poetry, wie Hip-Hop. Aber Brakka hat eine jahrtausendealte Tradition, ist
heute so gut wie vergessen und darum sind Sie überrascht. Ich habe Brakka als
Kind in den frühen Sechzigern kennengelernt, da war es weitverbreitet, die beste
Musik im Kongo, bevor Rumba populär wurde. Hier denken alle bei Musik aus dem
Kongo immer nur an Rumba, aber die spielt eher in Kinshasa eine große Rolle. Man
darf nicht vergessen, der Kongo ist riesig, da gibt es völlig unterschiedliche
kulturelle Ausprägungen.“
... mehr im Heft
Brakka System
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SO KALMERY
Brakka System
(Pygmalion Records WV 479023/World Village, )
Promo-CD, 10 Tracks, 40:18
Der Sänger und Gitarrist So Kalmery aus dem Kongo öffnet seinen wohlsortierten
musikalischen Gemischtwarenladen, in dem sich traditionelle afrikanische und
karibische Rhythmen sowie Instrumente wie der Oud aufs Schönste mit westlichen
Songstrukturen verbinden. Der Mittfünfziger, der bislang nur mit großen
Abständen Gelegenheit hatte, eigene Alben einzuspielen, überrascht mit souverän
komponiertem und ebenso vorgetragenem Songmaterial. Es überwiegt ein frischer,
optimistischer Grundton, selbst wenn bei „Waria“ minutenlang tote
Musikerlegenden von Celia Cruz bis James Brown aufgezählt werden. Knackiger
Afro-Folk-Pop statt Weltmusikbrei.
Gunnar Geller
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FOLKER auf Papier
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