Rezensionen NORDAMERIKA/ KANADA


THE FRANKLIN ELECTRIC
This Is How I let You Down

(I tried/Indica Records, go! www.thefranklinelectric.com )
11 Tracks, 41:33, mit engl. Infos u. Texten

Die Band The Franklin Electric schafft es dem Genre Folk Music gerecht zu werden. Die kanadische Band kombiniert traditionelle Instrumente mit Rhythmen aus der Popmusik. Dabei wird in jedem Song eine neue Geschichte oder Fantasie erzählt. Mal verzaubern die fünf Musiker mit einer verträumten Ballade, wie sie es mit dem gleichnamigen Song zum Album „How I Let You Down“ tun, mal wird es wie im Track „Old Piano“ jazzig, und dann begegnen uns im Song „Unsatisfied“ eher rockige Sounds. In beinahe jedem Lied sind jedoch die Trompetenklänge hervorstechend und verleihen der Musik damit etwas Romantisch-Nostalgisches. Glücklicherweise gelingt es der Band die vielen verschiedenen Stimmungen perfekt für den Hörer zu gestalten. Was bei vielen Künstlern eher verwirrend ankommt, schaffen The Franklin Electric wunderbar: Sie kombinieren unterschiedliche Genres miteinander, ohne dass der Hörer sich fragt, welche Musik er gerade hört. Die Texte sind zum Teil sehr poetisch. Eine Übersetzung lohnt sich und regt zum Nachdenken an.

Claudia Niedermeier

 

THE FRANKLIN ELECTRIC  – This Is How I let You Down


RACHELLE GARNIEZ
Who’s Counting

(Jaro Medien JARO4327-2, go! www.rachellegarniez.com
13 Tracks, 34:13, mit engl. Beiheft

Rachelle Garniez ist eine geborene New Yorkerin, die einige Jahre ihres Lebens in Europa als Straßenmusikerin verbrachte. In ihren eigenen Songs verschmelzt sie, neben dem klassischen Musikkontext, den sie während der Klavierstunden mit ihrer Mutter eingeimpft bekam, Tango, Chanson, Folk und Jazz. Who’s Counting stellt eine Art Weltmusik New York’scher Prägung dar. Das Klavier ist zwar nach wie vor ihr Hauptinstrument, doch für ihre Straßenmusik stieg sie auf das Akkordeon um, das nun nach wie vor zu ihrem Musikset gehört. Garniez’ Stimme tanzt und swingt sich durch ihre Songs, geht mit graziöser Leichtigkeit rauf und runter, als gäbe es nichts Einfacheres. Ein gewisses Jazzgefühl bildet die Grundlage ihrer Songs. Neben ihrer Solokarriere ist Garniez schon seit langer Zeit im New Yorker Off-Theaterwesen unterwegs, unter anderem als musikalische Direktorin für Taylor Mac. Sogar White-Stripes-Gitarrist Jack White hat eine Single mit ihr produziert und auf seinem Third-Man-Label herausgebracht. Es ist diese ausgeprägt graziöse Leichtigkeit, mit der Garniez unterschiedliche Musikstile mit ihrem Können vermischt, die auf Who’s Counting besonders zu Buche schlägt. Neben dem trickreichen Bassisten Tom Lünzel bilden die Musiker von Hazmat Modine ihre Begleitband. Französisch singt die Professorentochter – ihr Vater war Professor für französische Literatur – natürlich auch noch. Aber das nur ganz nebenbei.

Michel Freerix

 

RACHELLE GARNIEZ  –  Who’s Counting


JP HOE
Hideaway

(Maple Music Recordings MRCD6577, go! www.jphoe.com )
10 Tracks, 36:52

Jp Hoe aus Winnipeg wurde in der Vergangenheit schon sechsmal für den Western Canadian Music Award nominiert, hat ihn aber noch nie gewonnen. Mit dem neuen Album Hideaway dürfte ihm eine weitere Nominierung sicher sein. Seit der letzten Veröffentlichung 2012 hat sich im Privaten einiges getan, insbesondere die schwierige Geburt seines Sohnes hat die Wertmaßstäbe geradegerückt, und einige der neuen Stücke gehören zum Intimsten was er bisher geschrieben hat. Der Singer/Songwriter mit prägnantem Bariton verträgt die bisweilen opulente Produktion von Dana Matyas sehr gut. Raumgreifende Streicherarrangements, Bläsersätze, Slidegitarren, Piano, ein kraftvolles Schlagzeug treiben die Stücke ins Hymnische und bilden den Gegenpol zu Hoes ruppig-rauem Gesang. Die Gewichtung stimmt, und etwas Popappeal steht dem Album gut zu Gesicht. Der Klang ist transparent, knackig und gleichzeitig analog warm. Was die Stücke betrifft, versteht der Mann sein Handwerk, aber es fehlt der große Moment, der Refrain, der wirklich hängen bleibt. In seiner Gesamtheit ist das Album aber wunderbar rund und intensiv und lässt sich gut am Stück hören, was bei vielen Produktionen nicht mehr der Normalfall ist.

Dirk Trageser

 

JP HOE  – Hideaway


CARRIE NEWCOMER
The Slender Thread

(Stockfisch SFR 357.4088.2/In-akustik, go! www.carrienewcomer.com )
13 Tracks, 49:47, mit engl. Texten u. Infos

Nein, zaubern können auch sie nicht, die Jungs von Stockfisch. Aber wenn es um eine Singer/Songwriterin mit Gitarre geht, dann wissen sie einfach was sie zu machen haben. Zumal wenn es sich um ein Juwel wie Carrie Newcomer handelt. Sie ist in den USA keine Unbekannte und hat eine warme, tiefe Stimme. Die Melodien ihrer Lieder stehen in einer sehr amerikanischen Tradition. Einfach und schön. Aber während ein Singer/Songwriter wie James Taylor, der nun auch kein Punk ist, doch ein gerüttelt Maß an textlichem Sarkasmus auffahren kann, so beschwört Carrie Newcomer die Liebe zwischen den Menschen, die Harmonie und die Inspiration aus der Natur. Nicht unsympathisch und mit schönen sprachlichen Bildern. Auch dies ist eine sehr amerikanische Tradition. Leider wurde ein wenig zu viel klanglicher Weichspüler über die Lieder gekippt. Die wunderbaren Musiker, die bei der Produktion beteiligt waren versinken so bisweilen im allgemeinen Soundflokati. Was den etwas kräftigeren Stücken wie „If Not Now“ und „The Gathering Of Spirits“ etwas seltsam Gebremstes verleiht. Aber trotz allem: Gute Musik für die nächste längere Autofahrt!

Jörg Ermisch

 

CARRIE NEWCOMER – The Slender Thread


BREEZY RODIO
So Close To It

(Windchill Records/CD Baby 1001, go! www.breezyrodio.com )
15 Tracks, 66:49

Aus Chicago direkt nach Europa. Der weiße Gitarrist, Komponist und Sänger Breezy Rodio klingt in seinem Spiel und mit seiner warmen Stimme tiefschwarz. Der Blues und Rhythm and Blues seiner Vorbilder B. B. King, Stevie Ray Vaughan und Albert King sind auf dieser Scheibe gemischt mit überzeugenden und swingenden Eigenkompositionen wie „So Close To It“ und „I Win Some More“. Die Band besteht aus „Ariyo“ Sumito Ariyoshi am Klavier, Light Palone am Bass, Lorenzo Francocci am Schlagzeug, Bill Overton am Saxofon und Chris Foreman an der Orgel. Als Gastmusiker sind unter anderen Billy Branch, Art Davis und Lurrie Bell dabei. Auch bei den Balladen überzeugt Rodio durch gefühlvolle Blue Notes.

Annie Sziegoleit

 

BREEZY RODIO  – So Close To It


TWIN BANDIT
For You

(Nettwerk/Soulfood, go! www.twinbandit.com )
Promo-CD, 9 Tracks, 31:50

Am Anfang stand gemeinsames Gemüseschnippeln in der kleinen Küche der gemeinnützigen St.-James-Musikakademie in Vancouver, um die bedürftigen Kinder der Nachbarschaft zu bekochen. Bei dieser Gelegenheit entdeckten Hannah Walker und Jamie Elliot beim Singen alter Traditionals, dass ihre Stimmen aus dem Stand perfekt harmonierten. Jetzt, nur knapp zwei Jahre später, wird ihr Debütalbum For You international veröffentlicht. Die Eckpfeiler des Werks bilden Singer/Songwriter, Americana und Country-Einsprengsel mit einer Prise Gram Parsons und Emmylou Harris. Die Produktion von Jon Anderson ist eine Verneigung vor Daniel Lanois und dessen Werk. Gitarre und Gesang bleiben im Vordergrund, dezent verstärken Bass, Schlagzeug, Gospelorgel oder Pedal Steel die Grundstimmung der einzelnen Stücke, bei denen die beiden Stimmen strahlen dürfen. Dunkler, melancholischer und weniger drängend als die seelenverwandten Geschwister von First Aid Kit singen sie, aber genau so traumwandlerisch sicher und ergreifend. „Musik ist ein Werkzeug, um sozialen Wandel zu schaffen. Wir glauben fest an die Kraft dieser Botschaft und wollen unseren Teil leisten“, sagt Hannah Walker. Schön, wenn es sich bewahrheiten sollte.

Dirk Trageser

 

TWIN BANDIT – For You

Update vom
05.01.2016
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