Zeitsprung

Pifferari ca. 1870 * Foto: Giovanni Crupi
Mit einer neuen Serie möchte der Folker den Blick auf die musikalischen Wurzeln von Folk, Lied und Weltmusik lenken. Ab sofort wird Ralf Gehler in loser Folge über Musikantengruppen und historische Persönlichkeiten berichten, die das musikalische Leben in früheren Zeiten prägten. In dieser Ausgabe schreibt er über

Italienische Wandermusikanten

Pifferari

Mit Dudelsack und Schalmei auf Europas Straßen

„Mutter – mach die Tür zu. Der Dudelsack ist da!“ Überlieferte Sprüche wie dieser kennzeichnen die eine Seite des Verhältnisses der ortsansässigen Bevölkerung in Deutschland zu den italienischen Wandermusikanten, die seit dem achtzehnten Jahrhundert bis in die Zwanzigerjahre des zwanzigsten stetig die Lande durchstreiften und sich als Exoten präsentierten. Die andere Seite war staunende Bewunderung. Fremd sahen sie aus – mit langen Haaren, oft dunkler Haut, merkwürdiger Kleidung und noch merkwürdigerer Musik auf Dudelsack, Schalmei, Tamburin oder Akkordeon. Für viele mag es zu den eindrucksvollsten Kindheitserinnerungen gehört haben, der fremden Musik zu lauschen und dabei den Tanzbären zu erleben, den die Musikanten mit sich führten.

Text: Ralf Gehler

Giovanni Borraro (Sackpfeife) & Mario Spolidoro (Schalmei)
Neben Wandermusikanten aus Tirol, Böhmen, dem Erzgebirge oder dem Savoyen waren Italiener die wohl größte Gruppe der sich auf der Straße Geld verdienenden Fahrenden der Neuzeit.
» Fremde, die ungewöhnliche Instrumente bey sich führten «
Das achtzehnte und frühe neunzehnte Jahrhundert sind durch große Umwandlungen, unter anderem die Entstehung eines Proletariats gekennzeichnet. Mechanisierung führte zur Ablösung vieler Gewerke aus dem Kanon der Handwerke, Erzlagerstätten gingen zugrunde, Kriege mit stehenden Heeren hinterließen Invaliden und Witwen. Die mit diesen Prozessen einhergehende Verelendung verschiedenster Bevölkerungsschichten beförderte die Anzahl der wandernden Musikanten. Sie verkauften sich als Exoten, die ihr Erscheinungsbild bewusst regional heimatlich – dem anderswo Einheimischen also fremdartig – zur Schau stellten. Die Tiroler hatten den Tirolerhut, die Böhmen ihre Bergmannstracht, und die Italiener zogen häufig in der Kleidung der Hirten der Abruzzen umher. Die sesshafte Bevölkerung konnte ihre Herkunft oft nicht eindeutig herleiten. Für sie waren es „Fremde, die ungewöhnliche Instrumente bey sich führten“.
Dabei begann die Faszination, die diese Musikanten auslösten, gar nicht nördlich der Alpen, sondern in Italien selbst.

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Gebildete, Kunstkenner, Dichter und Philosophen zog es seit dem achtzehnten Jahrhundert ins sonnige und geschichtsbeladene Italien. Dort trafen sie die Pifferari – meist in Rom oder Neapel und zur Weihnachtszeit. Traditionell stellten sich die Hirten der umliegenden Berge vor den Marienbildern der Städte auf und musizierten ihre Hirtenweisen – eine Musik, die die Herzen der Hörenden an die Krippe in Bethlehem erinnerte.

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Update vom
23.06.2015
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