Von der Randgruppe zum Headliner

Pagan Folk

Esoteriker der Mittelalterszene

Sie sind meist sehr jung, schön anzuschauen und extrem naturverbunden. Ihre langen Dreadlocks bändigen sie mit einem Tuch oder Hut, und dort, wo die bequeme Kleidung aufhört, zieren Tattoos die nackte Haut. Gegessen wird fair gehandelte Ware aus dem Biomarkt, und wer noch kein Veganer ist, steht ziemlich allein da. Der Schutz von Umwelt und Tieren gehört für sie so selbstverständlich zum Leben wie das Wissen um Elfen, Feen und Geister. Und wenn die Gruppe Omnia die Bühne betritt, sind sie kollektiv selig: Paganfolker fristen schon lange kein Randgruppendasein in der Mittelalterszene mehr. Zwar gibt es vereinzelt noch ein paar Kritiker, die das Genre als Modeerscheinung belächeln, Tatsache ist jedoch, dass Fans auf der ganzen Welt dem „pagan way of life“ in fast schon religiösem Eifer huldigen.
TEXT: DANIELA MÜHLBAUER

Elisabeth Pawelke
Entstanden ist der Begriff Pagan Folk wohl um das Jahr 2000, wobei nicht ganz klar ist, wer ihn „erfunden“ hat. Gleich mehrere Musiker erheben für sich den Anspruch, Pate dafür gestanden zu haben, darunter Steve Sic Evans van der Harten von der niederländischen Gruppe Omnia, aber auch Oliver sa Tyr von Faun. Die Band ist im Moment jedoch eher im Bereich der Popularmusik anzusiedeln, die neueren Faun-Lieder haben nicht viel mit Klassikern wie „Egil Saga“, „Rhiannon“ oder „Gaia“ gemein.

Omnia
Bis zum Labelwechsel zu Universal im Jahr 2013 standen Faun für anspruchsvolle Musik mit Tiefgang. Lange Instrumentalstrecken und zweistimmiger Frauengesang in verschiedenen alten Sprachen zeichneten die Lieder aus.
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AUSWAHLDISKOGRAFIE:

Faun:
Licht (Heart of Berlin/Universal, 2003)
Renaissance (Heart of Berlin/Universal, 2005)
Totem (Heart of Berlin/Universal, 2007)
Eden (Heart of Berlin/Universal, 2011)
Luna (We Love Music/Universal, 2014)


Omnia:
Crone Of War (Banshee Records, 2004)
Pagan Folk (Banshee Records, 2006)
World Of Omnia (Banshee Records, 2009)
Earth Warrior (Banshee Records, 2014)


Weitere:
Asynje, Genkaldt (Gateway, 2011)
Leaf, Leaf (Screaming Banshee, 2011)
Valravn, Valravn (Westpark, 2007)
Valravn, Koder På Snor (Westpark, 2009)

Cover Luna

Bandchef, Sänger und Multiinstrumentalist Oliver sa Tyr erinnert sich: „Faun haben akustisch angefangen, dann kam Niel dazu [Niel Mitra, Computer, Sampler und Synthesizer; Anm. d. Verf.], der ganz fantastische Sachen mit seinem Laptop machen konnte, und von da an mussten wir irgendwie die Stile unterscheiden. In einem Buch von Vivianne Crowley bin ich ein paar Mal über den Begriff ,pagan‘ gestolpert, und Faun habe ich immer als Folk empfunden, also habe ich für unsere Musik den Begriff ‚Pagan Folk? eingeführt. Erst später haben wir bemerkt, dass es ja auch Pagan Metal gibt. Das war uns zu dieser Zeit gar nicht bewusst.“ Der Musiker kann sich sogar an die Geburtsstunde des Genres erinnern. „Zum ersten Mal haben wir bei den ersten Konzerten mit Niel in Rosenheim und München 2002 von Pagan Folk gesprochen. Andere haben das dann aufgegriffen. Es ist schön, wenn man merkt, dass man den Nerv der Zeit getroffen hat.“ Tatsächlich ist auf dem Cover des dritten Faun-Albums Renaissance aus dem Jahr 2005 der Begriff „Pagan“ zu lesen.

» Es ist schön, wenn man merkt, dass man den Nerv der Zeit getroffen hat. «
Oliver sa Tyr
Doch wodurch wurde eine Abgrenzung zur „normalen“ Mittelaltermusik überhaupt notwendig? „Schon lange vor Faun war ich in der Szene mit einer Gauklertruppe unterwegs, viel auf Märkten“, blickt der Faun-Chef zurück. „Doch dann kam das derbe Mittelalter auf, die Musik und die Bühne wurden nur noch zum Trinken und zur Animation degradiert, da hat mir etwas gefehlt. Auf Inhalte einzugehen, war gerade die Intention unseres ersten Albums. Daraus hat sich eine sehr spirituelle Szene entwickelt, und irgendwann hat sich das Ganze verselbstständigt. Ich würde sagen, Paganfolker sind die Esoteriker der Mittelalterszene, die, die auf Inhalte achten und die Trance in der Musik suchen.“

Ganz ähnlich sieht das Elisabeth Pawelke, die von 2001 bis 2008 bei Faun als Sängerin und an der Drehleier mitgewirkt hat und nun mit Almara, einem internationalen Ensemble für Alte Musik, auftritt. „Der Begriff Pagan Folk ist für mich musikalisch eigentlich recht offen und besagt lediglich, dass Folkinstrumente oder traditionelle Lieder mit ideellem, naturreligiös inspiriertem Gedankengut verknüpft werden. Was daraus entsteht, liegt an der individuellen Umsetzung einer Band. Ich selbst bin kein großer Freund von Genrebezeichnungen. Gedanklich verknüpfe ich mit diesem Begriff aber eine Einstellung, die den Menschen nicht allein als Krone der Schöpfung sieht, sondern als einen Teil davon, der sich seiner besonderen Rolle als denkendes Wesen bewusst ist und es gerade deshalb bestenfalls als Aufgabe begreift, die Welt um sich herum zu schützen. ,Pagan‘ bedeutet im heutigen Sinne ‚heidnisch? und meint damit wohl vieles außerhalb christlichen Gedankenguts. Ich persönlich möchte jedoch keine Religion werten oder ausschließen, solange sie sich letztlich auf dieselbe Sache bezieht. Diese Sache, wie auch immer man sie nennen möchte, ist meiner Empfindung nach zu groß und zu universell, um sich in eine von Menschen geformte Schublade stecken zu lassen.“

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Update vom
26.12.2014
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