Rezensionen ASIEN/ OZEANIEN


DIVERSE
Memoirs Of An Arabian Princess – Sounds Of Zanzibar

(Music Edition Winter & Winter 910 215-2, go! www.winterandwinter.com )
9 Tracks, 77:03, mit dt. u. engl. Infos

Die abenteuelriche Geschichte, wie aus Sayyida Salme, Prinzessin von Sansibar und Oman, die Hamburger Kaufmannsgattin Emily Ruete wurde, kann man in ihrer 1866 veröffentlichten, Autobiografie Memoiren einer arabischen Prinzessin nachlesen (eine Neuauflage erschien 2006 unter dem Titel Leben im Sultanspalast. Memoiren aus dem 19. Jahrhundert). Produzent und Labeleigner Stefan Winter spürt dem Leben dieser ungewöhnlichen Frau nun mithilfe aktueller Sänger, Sängerinnen und Ensembles, die im traditionellen Taarab-Stil musizieren, nach. Abgerundet werden die Musikstücke von Rajab Sulejman & Kithara, Saada Nassor, Makame Faki, Tarbiyya Islamiyya, Sina Chuki Kidumbaki und dem Mtendeni Maulid Ensemble von O-Tönen aus Natur (Meer, Sand, Regen, Wind) und Zivilisation (unter anderem Märkte, Festivitäten, Umzüge, Muezzinrufe). So entsteht ein faszinierendes Klangpanorama, das gleichsam musikalische Zeitreise wie Bestandsaufnahme zeitgenössischer sansibarischer Musikkultur ist. Und so ganz nebenbei sind Ruetes Buch und Winters Album auch noch ein hochinteressantes Stück afrikanisch-deutscher Zeitgeschichte.

Walter Bast

 

DIVERSE – Memoirs Of An Arabian Princess – Sounds Of Zanzibar


DIVERSE
The Rough Guide To The Music Of Palestine

(World Music Network RGNET131CD/Harmonia Mundi, go! www.worldmusic.net )
15 Tracks, 63:43 mit engl. Infos, plus Bonus-CD RAMZI ABUREDWAN: 10 Tracks, 58:37

Kann Musik versöhnen? Zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Rezension schlagen sich der militärische Teil der Hamas und die israelische Armee im Gazastreifen mal wieder die Köpfe ein. Zimperlich ist keiner der beiden Kontrahenten, auch dann nicht, wenn militärische Operationen fast ausschließlich zivile Opfer fordern. Gemäßigte Politiker beider Seiten finden kein Gehör, die internationale Diplomatie ist rat- und machtlos, die Scharfmacher haben Konjunktur. – In diesen unseligen Zeiten erscheint dieser, von Nili Belkind und Nadeem Karkabi mit großem Engagement und Sachverstand zusammengestellte Sampler. Die musikalische Bandbreite reicht von eher traditionellen Werken (sehr schön: Ramzi Aburedwan auf der Bonus-CD) bis hin zu den Klang-Parametern, die zum Besteck von Jazzern, Liedermachern, Rappern, Elektronikern oder Hardrockern gehören, wobei die zeitgenössischen und zeitgeistigen Spielformen dominieren. – Und um die Eingangsfrage zu beantworten: Ja, vorausgesetzt, Konzerte werden nicht durch Sirenenalarm abgebrochen und das Haus, in dem der CD-Player steht, hat vier Wände, ein Dach, fließendes Wasser und Strom. Für alle weiteren Fragen: siehe Lennon, John – „Imagine“.

Walter Bast

 

DIVERSE – The Rough Guide To The Music Of Palestine


JEWISH MONKEYS
Mania Regressia

(Greedy for Best Music 001/Indigo, go! www.facebook.com/jewish-monkeys )
11 Tracks, 45:17, mit engl. Texten u. Infos

Die Jewish Monkeys aus Tel Aviv untergraben auf Mania Regressia sämtliche geschichtlich bedingten Berührungsängste mit dem Judentum und seinem Heimatstaat Israel. Die Mitglieder der illustren Klezmer-Combo aus Tel Aviv treten nicht nur als Musiker, sondern ebenso als beißend scharfe Zyniker und Humoristen in Erscheinung und streuen mit großem Vergnügen Salz in die sprichwörtliche Wunde. Immer wieder verbalisiert die Band in neu aufgearbeiteten Traditionals, Fünfzigerjahre-Schlagern und einigen Eigenkompositionen schmerzhaft direkt die Klischees der Vergangenheit. Da ist die jüdische Schöne, die lieber mit dem blonden, blauäugigen Jüngling schläft als mit dem mickrigen Juden – „All day you count and pray, you promise the moon and come too soon“. Da sind die Hebräer, die im Gespräch mit einem Araber ihre Besitztümer legitimieren – „They killed us in Europe, we need real estate“. Die politisch so offenherzig inkorrekten Texte gründen trotz allem jiddischen Kitsch, Zirkusklamauk und Verwirrungsspiel augenscheinlich auf der gesammelten Intelligenz der belesenen drei Gründungsmitglieder, die bestens wissen, wo es dem europäischen Hörer wehtut. Ballastreich, aufgedreht, krude, cool.

Judith Wiemers

 

JEWISH MONKEYS – Mania Regressia

Update vom
26.08.2014
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