Rezensionen NORDAMERIKA/ KANADA


JAMES COTTON
Cotton Mouth Man

(Alligator Records ALCD 4954/In-akustik, go! www.jamescottonsuperharp.com )
13 Tracks, 48:54

Momentaufnahmen aus seinem fast achtzigjährigen Musikerleben sollten die 13 Songs sein, die der Bluesharpspieler James Cotton für Cotton Mouth Man einspielte. So war er langjähriges Mitglied in den Bands von Muddy Waters und Howlin Wolf, tourte mit Janis Joplin, B. B. King oder Carlos Santana. Viel zu erzählen gibt es da zweifellos, und wenn seine Gesangsstimme auf Grund einer Kehlkopferkrankung auch schon seit Längerem verstummt ist, so hat James Cottons Harmonikaspiel an Ausdruck und Intensität doch immer noch dazugewonnen. Neben Darrell Nulisch, dem Sänger der James Cotton Band, übernahmen Keb’ Mo’, Gregg Allman, Ruthie Foster oder Warren Haynes die Gesangparts. Stilistisch dominiert der Chicago Blues, und neben schnellen Boogie und der schönen Ballade „Wrapped Around My Heart“ ist auch der Weg nach Mississippi mit dem fantastischen, im Takt verschleppten „Mississippi Mud“ nicht weit. Bei allem ist James Cottons Harmonikaspiel der dominante Faktor, steckt den Rahmen, treibt an, peitscht auf. Großes „Alterswerk“ – ein Ausdruck, der sich bei so viel kraftstrotzender Vitalität für dieses rundum perfekte Album aber eigentlich sogleich wieder verbietet.

Achim Hennes

 

JAMES COTTON – Cotton Mouth Man


ALELA DIANE
About Farewell

(Rusted Blue Records 846 A022 020/Believe Recordings/Soulfood, go! www.aleladiane.com )
10 Songs, 33:06, mit engl. Texten u. Infos

Der Albumtitel ist Konzept: Alela Diane Menig schrieb viele Texte des Albums auf der letzten gemeinsamen Tour mit ihrem Ehemann Tom Bevitori, von dem sie sich später wegen seines Alkoholproblems scheiden ließ. Bevitori war wie ihr Vater Tom Menig Teil ihrer Begleitband. Mit den vorliegenden Aufnahmen hat auch diese aufgehört zu existieren. Alela Diane sucht nun gänzlich neue Wege. So ist bereits About Farewell ein Album der Neupositionierung geworden. Seine recht einfachen, atmosphärischen Balladen sind vom Klang her stark durch die Streicherarangements Holcombe Wallers geprägt. Waller hat Ballett- und Filmmusiken geschrieben, ist aber auch durch seine Zusammenarbeit mit The National bekannt. Durch seine Arrangements klingt Dianes Musik kammermusikalischer und elegischer, aber auch komplexer. Ihrer nicht sehr nuancenreichen Stimme kommt dies zu Gute. Durch die sehr durchdachte Produktion geht jedoch auch die ein oder andere Feinheit ihrer Musik unter – die selbst gemachte Spontaneität ihrer früheren Alben ist verschwunden. Doch für Alela Diane hat sich mit der Arbeit an diesem Album offenbar alles zum Guten gewendet: Frisch verlobt erwartet sie im November ihr erstes Kind …

Michael Freerix

 

ALELA DIANE   – About Farewell


YVES LAMBERT TRIO
Trio

(La Prûche Libre PRU2-4197, go! www.yveslambert.com )
11 Tracks, 40:21, mit franz. Texten

Er ist so etwas wie der Pate des Folkrevivals in Quebec. Yves Lambert war dabei, als 1977 mit La Bottine Souriante das weltweit bekannteste folkloristische Aushängeschild der Provinz gegründet wurde. 2003 verließ der Akkordeonist die Band, um mit seinem Bébert Orchestra jungen Talenten neue Herangehensweisen an die Tradition zu ermöglichen. In der Version von 2007 spielte beispielsweise ein gewisser Nicolas Pellerin die Fiddle. Das Yvers Lambert Trio ist die abgespeckte Version des Orchesters, denn Tommy Gauthier an Fiddle, Mandoline, Bass et cetera und Olivier Rondeau an Gitarre und Banjo sind ebenfalls Teil des ursprünglichen Projekts. Geblieben ist auch der Appetit auf dezente Innovationen. Das Anfangsstück weist die generelle Richtung: „La Chanson Du Capitaine Bernard“ aus der Sammlung der Legende Marius Barbeau hat zwar Elemente der Musik Quebecs wie die Fußpercussion, kommt aber fast schon aufreizend langsam rüber und schließt einen eigenen, lässig gespielten Reel ein. Drei starke Stimmen, Yves Lambert meist als Leadsänger, und instrumentelle und stilistische Vielfalt addieren sich zu einem großartigen Album, das für die Kultur der Provinz wirbt.

Mike Kamp

 

YVES LAMBERT TRIO    – Trio


CARA LUFT
Darlingford

(Blue Case Tunes BCTCD349/In-akustik, go! www.caraluft.com )
13 Tracks, 52:05, mit engl. Texten

Das sechste Album der Sängerin und Songschreiberin aus Kanada, neben zwei weiteren Veröffentlichungen mit The Wailin’ Jennys. Darlingford wurde in diversen Kirchen, Kapellen, Wohnzimmern, Hotels und Studios in Kanada, England und den USA aufgenommen. Dieser Umstand hat wohl dazu beigetragen, dass es Cara Luft gelungen ist, bei den Aufnahmen eine intensive Livespannung einzufangen, obwohl es sich um eine Studioproduktion handelt. Die Stücke stehen in bester Singer/Songwriter-Tradition und werden von Lufts Gesang zur Akustikgitarre getragen. Dezente Percussion, hier und da eine Geige oder eine Hammondorgel umrahmen die Stücke kongenial. Das alles auf Augenhöhe etwa mit der in ähnlichem Fahrwasser spielenden Gillian Welch – was zum einzigen Wermutstropfen führt: Alles an dieser Produktion – angefangen von der Covergestaltung über die Produktionsumstände, die Instrumentierung und Arrangements bis zur Gesangsphrasierung und der im Begleittext extra erwähnten Trennung vom Partner – deckt so ziemlich jedes Klischee ab, das man sich von diesem Genre macht. Abgesehen davon, bleibt es allemal ein packendes Album.

Dirk Trageser

 

CARA LUFT   – Darlingford


CLAIRE LYNCH
Dear Sister

(Compass Records COM 4610/Naxos, go! www.clairelynch.com )
Promo-CD, 10 Tracks, 38:19

Lorbeeren trägt sie bereits reichlich – aufgesetzt von Kritikern und Kolleginnen wie Emmylou Harris und Linda Ronstadt gleichermaßen. Tatsächlich verfügt Claire Lynch über eine der ausdrucksstärksten Stimmen im Bluegrass. Mal, etwa in „How Many Moons“, klingt sie niedlich wie ein Teenie, mal wie eine erfahrene Countrysängerin, so in „Once The Teardrops Start To Fall“. Dazu stehen ihr auf diesem Album erstklassige Musiker zur Seite: Mark Schatz (b), Matt Wingate (g, mand) und Bryan McDowell (v, mand, g), ergänzt um Gäste wie beispielsweise Tim O’Brien (bouz, voc). Gemeinsam bieten sie virtuosen Bluegrass, der auch Elemente aus Jazz und Country einbezieht und auf „Buttermilk Road“ gar archaisch old-timey wirkt. Mehrere schöne Balladen, so das gefühlvoll gesungene und mit grandiosen Soloideen bereicherte „That Kind Of Love“, künden von Herzensdingen. Andererseits sind viele Songs auch nicht frei von Klischees, textlich wie musikalisch. Und der Schmerz des Titeltracks, der auf Briefe zwischen Geschwistern im US-Bürgerkrieg zurückgreift, wirkt für europäische Ohren doch ziemlich süßlich. Ein Album hart am Mainstream, aber nicht ohne Kanten.

Volker Dick

 

CLAIRE LYNCH  – Dear Sister


LA MANDRAGORE
Convivencia

(Fidelio Musique FACD031, go! www.mandragore.ca )
12 Tracks, 55:08, mit engl. u. frz. Infos

Es war vor etwa tausend Jahren, als in Andalusien der Beweis erbracht wurde, dass die friedliche Koexistenz verschiedener Religionen nicht nur möglich, sondern für die Kunst höchst förderlich ist. Juden, Christen und Muslime schufen gemeinsam grandiose Architektur, Literatur und Musik. Auf letztere bezieht sich das Montrealer Quintett La Mandragore mit seinem vierten Album. Allerdings scheint ihnen Nachspielen weder möglich noch sinnvoll. Die Künstler sehen die Internationalität ihrer Heimatstadt als Parallele und mischen nicht nur eigene kulturelle Befindlichkeiten und Melodien bei, sondern auch Instrumente wie die Bouzouki oder das Cajon, die vor tausend Jahren noch der Erfindung harrten und aus völlig anderen Kulturkreisen stammen. Höhepunkte des akustisch brillant produzierten Albums sind zum einen Kattams fantasievolle und variationsreiche Percussion, und zum anderen der glasklare Gesang der künstlerischen Leiterin Ingried Boussaroque. Convivencia atmet den Geist Alter Musik, ohne darüber die Leichtigkeit der Folklore zu verlieren. Sehr hörenswert!

Mike Kamp

 

LA MANDRAGORE   – Convivencia


DAVID MUNYON
Purple Cadillacs

(Stockfisch SFR 357.6083.2/In-akustik, go! www.davidmunyon.com )
13 Tracks, 68:21, mit Texten

Für Audiophile ist das Label Stockfisch eine sichere Bank. Glückliche Besitzer einer High-End-Anlage können unbesorgt jede Veröffentlichung einwerfen, sich zurücklehnen und die Gänsehaut genießen. Nutznießer der hochwertigen Produktionen sind aber auch die Künstler selbst. Wie David Munyon mit Purple Cadillacs beweist. Seine charismatische tiefe Stimme wirkt auch schon auf einem Ghettoblaster, hat man jedoch die Möglichkeit, Munyon im vollen Klangrausch zu erleben, fühlt man sich wie in einen Konzertsaal gezogen. Der Gesang bildet sich im Kopf, als würde er direkt dort erzeugt – sorgfältiges Mastering lohnt sich also auch, vielleicht ganz besonders bei Künstlern, die nur ihre Stimme und eine Gitarre zu bieten haben. Musikalisch und textlich bleibt Munyon sich weiter treu. Der überzeugte Pazifist singt über Krishna, Elvis, die Musiklegende The Band und über alles, was einen Amerikaner sonst so bewegt: Autos, Fernweh, Liebe. Purple Cadillacs scheint ein Album zu sein, wie es von amerikanischen Songwritern jährlich zu Hunderten veröffentlicht wird. Aber dann greift man immer wieder genau zu diesem. Und hält unwillkürlich den Atem an, wenn die ersten Akkorde erklingen …

Chris Elstrodt

 

DAVID MUNYON  – Purple Cadillacs


AOIFE O’DONOVAN
Fossils

(Yep Roc Records 2321/Cargo Records, go! www.aoifeodonovan.com )
Promo-CD, 10 Tracks, 39:33

An Aoife O’Donovan kommt man auch in der Crooked-Still-Pause nicht vorbei. Ohne die dominierende Klangbreite ihrer virtuosen String-Band-Kollegen im Rücken ist sie nach zehn Jahren mit ihrem Debütalbum Fossils vollends in ihrer Komfortzone angekommen. In zehn Eigenkompositionen sucht die Singer/Songwriterin aus Massachussetts Distanz zum Überschwang des progressiven Crooked-Still-Klangs, der ihre bisherige Karriere definiert hat, legt den Fokus auf ihr größtes Kapital, ihre Stimme – gepaart mit gewohnt intelligentem Songwriting. Die Arrangements sind feinfühlig und geben der Melodie im Hintergrund Stütze, lassen aber ihrer Stimme immer die ihr eigene Intimität. Die scheinbar mühelose Agilität, mit der O’Donovan zwischen Genres und Farben changiert, gibt Aufschluss woran sie geschult ist: Diese Sängerin kann einem Rockarrangement mit Steelgitarre ebenso glaubhaft Tiefe verleihen wie vor Nostalgie triefenden Americana-Songs. Trotz der Abwendung vom Bluegrass, verharrt Aoife O’Donovan in ihrer Interpretation doch in dem rootsig-nahbaren Duktus, der ihr ihre bisherige Aufmerksamkeit und Anerkennung beschert hat. Besonders ans Herz gelegt sei der Track „Glowing Heart“.

Judith Wiemers

 

AOIFE O’DONOVAN   – Fossils

Update vom
30.08.2013
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