Rezensionen DEUTSCHLAND


BARTH/ROEMER
Groove Chanson

(Hey!blau Records 0014, go! www.gesangundgitarre.de )
12 Tracks, 41:27, mit dt. Texten u. Infos

Eine der Spezialitäten des Kölner Duos scheint die Vielfalt zu sein, das augenzwinkernde Spiel mit den unterschiedlichsten Stilrichtungen: Ist es Blues? Oder doch eher Jazz? Auf alle Fälle Rock ’n’ Roll. Klar, ein bisschen Pop ist natürlich auch dabei. Sogar Ragtime („Begrüßungslied“) und Bossa Nova („Nie im Leben“) klingen an. Und all das präsentieren sie ausschließlich mit Stimme und akustischer Gitarre. Astrid Barth, die alle Songs komponiert und getextet hat, verfügt über eine riesenhafte, äußerst ausdrucksstarke Stimme, die stellenweise an Inga Rumpf oder auch Jutta Weinhold erinnert. Sie ist das, was man landläufig eine Rockröhre nennt. Philipp Roemer, der lange mit dem neuseeländischen Singer/Songwriter und Bluesmann Mike Brosnan tourte, ist ein versierter Gitarrist, dessen filigranes, luftiges Spiel durch Präzision und Nuancenreichtum besticht. Für diejenigen, die partout nicht auf Schubladen verzichten können: Mais c’est si bon – es ist Groove Chanson.

Kai Engelke

 

BARTH/ROEMER     – Groove Chanson


DIE FEUERSTEINS
Lieblingslieder

(Ruhrfolk 4010, go! www.family-feuerstein.de )
11 Tracks, 41:19

Das Repertoire dieser frischen, sympathischen Familienproduktion besteht aus drei Teilen: US-amerikanische Songs, deutsche Volkslieder sowie Eigenkompositionen. Kurioserweise wirken die Interpretationen der amerikanischen Songs weitaus professioneller und glaubwürdiger als diejenigen der Lieder aus dem eigenen Sprachraum. Absolut überzeugend der mehrstimmige Gesang bei „Shady Grove“, das frech interpretierte „In The Highways“ scheint geradewegs aus dem wunderbaren Film O Brother, Where Art Thou? herüberzuwehen, und auch „Hard Times“ klingt durchaus authentisch. Übrigens: der Autor von „Hard Times“, Stephen Foster, ist vor mehr als siebzig Jahren verstorben, daher bestehen keine Urheberrechtsansprüche mehr; er hätte also durchaus Erwähnung finden können. Berührend ist Guntmar Feuersteins kleine Hymne an seinen Vater „Viel mehr geht nicht“. Nur das Neuarrangement der „Königskinder“ fällt im Vergleich zur Vielzahl vergleichbarer – und besserer – Versionen etwas ab. Aber wie auch immer: Guntmar Feuerstein und seine Töchter Carla und Emily legen unterstützt von Thomas Hecking ein Album vor, bei dem sich die Spielfreude der Musikanten schnell auf den Hörer überträgt.

Kai Engelke

 

DIE FEUERSTEINS  – Lieblingslieder


ALMUT KLOTZ & REVEREND DABELER
Lass die Lady rein

(Staatsakt. AKT 745/Rough Trade, go! www.myspace.com/klotzdabeler )
Promo-CD, 10 Tracks, 45:13

„Ooooooooooo-o-oh, wann kommst du?“ Mit der Ironie ist es so eine Sache. Einerseits fahren Ex-Lassie-Singer Almut Klotz und ihr Komplize Christian Dabeler ziemlich gut damit. Daliah Lavis zunächst bis fast auf Null gebremster Hit von 1970 ist nur das Aushängeschild ihres durch und durch stimmigen Crossovers aus Kitsch und blutigem Ernst; die eigenen Stücke machen’s lediglich etwas subtiler. Altmodisch geschrammelt ist das Neue modern. Punk ist der neue Schlager. Und dieser ganze kindische Reverend-Quatsch altersmäßig erwachsener Menschen, der am Ende auch Johnny Cash noch einmal aufs für sensible Nasen enorm müffelnde Podest der Heldenverehrung gehievt hat, ist der neue Bravo-Starschnitt. Das ist die andere Seite der Ironie – wenn sie zu ernst genommen wird und entsprechend nach hinten losgeht. Lass die Lady rein, das zweite Duoalbum der Berlinerin und des Hamburgers, hat große Momente, wenn es letztlich fast ausschließlich von den allerletzten Dingen, also der Liebe redet, das aber alles andere als bierernst. Und wenn seine Schöpfer die Posen der Großstadtcoolness oder gar des einsamen Cowboys selbst zu ernst nehmen, kann die ganze eitle Klugscheißerei auch mal etwas nerven.

Christian Beck

 

ALMUT KLOTZ & REVEREND DABELER  – Lass die Lady rein


NUA
Head Full of Dreams

(Liekedeler, go! www.nuamusic.de )
11 Tracks, 53:40, mit engl. Infos u. Texten

In Telgte im Münsterland ist dieses Irish-&-Scottish-Folk-&-Trad-Quartett zu Hause. Trotz singender Frontfrau Michaela Grüß, deren Stimme einerseits sehr hoch ist, andererseits bei den wirklich hohen Tönen doch an ihre Grenzen kommt, überzeugt den Rezensenten vor allem das Instrumentenspiel der Combo. Das neue Bandmitglied Catriona Price aus Schottland bringt erdige schottische Fiddletöne in den Bandsound ein, der ansonsten schon sehr gekonnt durch Steffen Gabriels Flute- und Whistlespiel und die Bouzoukiklänge keines Geringeren als Tobias Kurig – Déirin Dé, Blue, Emily Spears & Band – sowie die Bodhrán der Sängerin in bester Rhythm’-n’-Reel-Spielweise zu Gehör gebracht wird. Außerdem ist noch Andrew Lakin (Gráda) mit seinem Kontrabass als Gastmusiker dabei. Schnelle Tunes wie Jigs, Reels und Strathspeys sind die Stärke von Nua. Irisches und Schottisches verschmelzen miteinander, deutsche Eigenarten sind nicht herauszuhören. „The Tights Of Orange“ aus Catriona Prices Feder hat zudem einen richtig jazzigen Swing, bei dem es fast schade ist, dass er durch einen „normalen“ Reel abgelöst wird. Nur der Gesang wirkt teilweise etwas sehr elegisch – da könnte etwas mehr Groove drin sein …

Michael A. Schmiedel

 

NUA  – Head Full of Dreams


RINGSGWANDL
Mehr Glanz!

(Capriola 88883725772/Blankomusik/Sony, go! www.ringsgwandl.com )
13 Tracks, 51:17, mit dt. Texten und Infos

„Wasser ohne Nässe, Hunde ohne Biss, / Feuer ohne Hitze, Scherze ohne Witz“ – so zeichnet sich der Gang der Dinge am Horizont des Liedermachers und Kabarettisten aus Bad Reichenhall ab, zu erwartendes Ergebnis: „Keiner mehr zu reich und keiner mehr in Not, / die Zukunft ist der emotionale Wärmetod“. Außer vielleicht, am Ende gewinnen doch noch die „Ratzn“, in denen sich die Ratte mundartlich mit einem gewissen Geätze trifft: „Poor Ratzn gibt’s auf jed’n Hof, / poor Ratzn gibt’s owei, / aa wenn du no so scharf aufpasst und streng.“ Gestalten irgendwie wie Georg Ringsgwandl selbst, dessen ewige Rock-’n’-Roll-Dissidenz bekanntlich so tief saß, dass er eines Tages dafür sogar seinen bürgerlichen Beruf des Kardiologen an den Nagel hängte. Ausgesprochen warmem und mitfühlendem Geätze, wohlgemerkt, wenn auch gegen alles und jeden, Politik wie Privatissimi, dargebracht in einem ebenso meisterhaften wie schön altmodischen Rhythm and Blues. In den besten Momenten kann einem glatt der Mund offen stehen bleiben: „Wenn’s klappt, ist es der Himmel, das reine Paradies, / wenn’s schief geht, die Hölle, die schlimmste Art Verlies. / Ewig oft besungen und noch immer nicht vorbei, / das grausam schöne Lied von der Liebe.“

Christian Beck

 

RINGSGWANDL   – Mehr Glanz!


LOTHAR THEISSMANN
Le Voyage

(Eigenverlag, go! www.lotheis.de )
15 Tracks, 77:28, mit engl. u. dt. Texten u. Infos

Das Geräusch fließenden Wassers nahe Saint Féréol im Département Gard in Frankreich, versehen mit präzisen geografischen Koordinaten: So beginnt eine außergewöhnliche Reise. Im aufwendigen Booklet Bilder idyllischer abgelegener Orte in Marokko, Spanien und Frankreich; mit jedem Ort ist ein Gedicht verbunden; alle Sinne sollen angesprochen werden – Auge, Ohr, Geist. Der klassisch ausgebildete Gitarrist Lothar Theissmann aus Oberursel will uns Hören lehren. So gehen Klanglandschaften und Feldaufnahmen von Orten, Menschen und lokalen Musikveranstaltungen, immer wieder fast unmerklich über in improvisiert wirkende Kompositionen. Mediterrane Stimmungen, mal tänzerisch, ausgelassen und heiter, dann wieder meditativ und in sich gekehrt. Einzig in „Moonboats“, einem andalusischen Fischerdörfchen gewidmet, lässt sich Theissman kurz von Kontrabass und Akkordeon unterstützen. Ein Umherreisen ohne Ziel, besonders spürbar im beinahe viertelstündigen „This Is The Sea“, einem anfangs merkwürdig dissonanten Duo zweier Gitarren, die nach und nach zueinander finden. Die letzte „Bridge“, so nennt Theissmann die Klanggemälde, mündet dann wieder ins Geräusch fließenden Wassers. Die Reise geht weiter …

Rolf Beydemüller

 

LOTHAR THEISSMANN   – Le Voyage

Update vom
30.08.2013
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