Online-Rezensionen


FABIAN ANDERHUB
Make The Change

Rock The Earth 471132-2/Big Lake Music/India Media/Rough Trade, go! www.anderhub-music.com )
10 Tracks, 35:09

Im August 2012 gewann er die Swiss Blues Challenge, doch von dem Blues, der ihn einst auszeichnete, ist bei dem 32-jährigen Schweizer, der in Kanada aufwuchs, nun nicht mehr viel zu hören. Zwar gibt es mit „Waiting For Me“ noch einen langsamen Zwölftakter, der Rest der Albums spielt jedoch im Pop und Mainstreamrock, wenn nicht gar -Hardrock.

 

FABIAN ANDERHUB  – Make The Change


THE DONALD ANDERSON BAND
In Passing ...

(Making Waves MWCD001, go! www.thedonaldandersonband.com )
10 Tracks, 44:25

Solide Rockbesetzung – zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug –, aber die Veteranen von den Shetlands produzieren neben Dire-Straits-Referenzen auch ein dezentes Inselgefühl. Bandchef und Sänger Donald Anderson schreibt clevere Songs, die trotz der klassischen Rockriffs kraftvoll, frisch und überzeugend rüberkommen. Erwachsener Rock mit Folkwurzeln.

 

THE DONALD ANDERSON BAND – In Passing ...


BAZILIAN & WESTER
What Shall Become Of The Baby?

(Membran 233699/ NEO/Sony Music, go! www.bazilianwester.com )
12 Tracks, 48:04

Wenn Mats Wester von der schwedischen Folkrockband Nordman die skandinavische Nyckelharpa spielt, klingt das folkloristisch besonders. Warum er sich dann von E-Gitarrist Eric Bazilian von den US-Mainstream-Folkrockern The Hooters zukleistern lässt, bleibt zumindest Folkfans ein Rätsel, das nur Kopfschütteln hinterlässt.

 

BAZILIAN & WESTER – What Shall Become Of The Baby?


THE BEAN PICKERS UNION
Better The Devil

(Inseam Records, go! www.myspace.com/beanpickersunion )
Promo-CD, 11 Tracks, 41:40

Better The Devil heißt das Album dieser amerikanischen Acoustic Music Band, aber ausgerechnet der Teufel fehlt hier und hätte den etwas zu einfach geratenen Songs gewiss gut getan. Die instrumentale Vielfalt, die ab und zu aufblitzt, gleicht das leider nicht unbedingt aus. Wer nur wenige Akkorde benutzt, muss umso mehr Gefühl erzeugen.

 

THE BEAN PICKERS UNION  –  Better The Devil


CAFÉ 612
Café 612

(Omaha Records, go!  www.omaha-records.de , go! www.cafe612.de )
13 Tracks, 33:43

Matthias Rother und Timo Schaffert sind die beiden Sänger, Gitarristen, Texter und Komponisten des Quartetts aus Ludwigsburg. Hinzu kommen Andreas Kusche am Bass und Bruno Danzeglocke am Schlagzeug. Angenehme, recht eingängige Klänge zu Texten voller Sehnsucht und Melancholie. Wer Element of Crime mag, liegt bei Café 612 genau richtig.

 

CAFÉ 612  –  Café 612


THE CAVE SINGERS
Naomi

(Jagjaguwar jag 223, go! www.thecavesingers.com )
Promo-CD, 12 Tracks, 48:43

Der Grat zwischen Indie-Rock und Indie-Folk wird immer schmaler. Bands wie die Cave Singers aus Seattle komponieren Songs, die unter Starkstrom gleichermaßen vorstellbar sind wie auf akustischer Gitarre. Der Gesang auf Naomi hat hohen Wiedererkennungswert und die Arrangements sind so verschroben, wie es bei Indie-Künstlern heute nun mal üblich ist.

 

THE CAVE SINGERS –   Naomi


NATALY DAWN
How I Knew Her

(Nonesuch 7559-79605-0/ Warner, go! natalydawn.tumblr.com )
12 Tracks, 39:20

Die Kalifornierin Nataly Dawn ist ein archetypisches Beispiel für die aktuelle Klangästhetik des Singer/Songwriter-Genres. Hier gibt es keine klaren Grenzen zwischen akustischem Folk und elektrischem Indiepop, zwischen Tradition und Moderne mehr. Dawns Gesang ist abgehackt, streng am 4/4-Takt orientiert, wodurch er gleichmäßig, fast emotionslos, im Timbre aber auch verletzlich wirkt. Dieser Gesangsstil bricht genauso radikal mit dem der vorherigen Generationen wie es einst die Coolness der New-Wave-Sänger gegenüber den Bluesrockern tat. Wo früher grazile Songs waren, ist dagegen heute ein „Wall of Sound“ – zum Teil ein Einfluss des Grunge. Hier sind es aber sinfonische Ausbrüche mit Cellisten. Derartige Kontraste und der Gegensatz etwa eines leise klimpernden Banjos und eines polterndem Schlagzeugs zeigen: Bei der Suche nach unverbrauchten Ausdrucksformen gibt es keine Geschmacksvorschriften mehr! Die typische Eigenwilligkeit und das Spröde dieses Indie-Folk schließt nicht aus, dass jede Menge traditioneller Stile Eingang finden, vor allem Ragtime oder Blues. Dies ist das Folkverständnis der Smartphone-Generation, die sich um eine orthodoxe Auffassung einen Dreck schert.

Hans-Jürgen Lenhart

 

NATALY DAWN   –  How I Knew Her


THE DESOTO CAUCUS
Offramp Rodeo

(Glitterhouse Records GRCD 754/Indigo, go! www.desotocaucus.com )
10 Tracks, 37:35

Wenn sie nicht Howe Gelb, Isobel Campbell und Mark Lanegan, Kurt Wagner, Scout Niblett oder sonstwen begleiten, schwelgen die vier Dänen als DeSoto Caucus in „Cosmic American Music“, wie sie es nennen: schwebenden Songmeditationen auf Folk- und Countrybasis, teils kurz vor dem Stillstand; mit gelegentlichen Temperamentsausbrüchen zum Aufwachen.

 

THE DESOTO CAUCUS – Offramp Rodeo


DIVERSE
Classic Celtic Music From Smithsonian Folkways

(Smithsonian Folkways SFW40560/Galileo MC, go! www.folkways.si.edu )
23 Tracks, 60:23, mit engl. Infos

Das amerikanische Label Smithsonian Folkways hat sich seit seiner Gründung 1948 der Sichtung und Sicherung traditioneller Musikstile aller Kulturen der Menschheit gewidmet, wobei auch deren keltischen Ausformungen ein besonderes Augenmerk gilt. So sind die musikethnologischen Feldaufnahmen dieser Sammlung aus Irland, Großbritannien und den USA der Jahre 1945-2001 schon auf diversen früheren Platten des Labels zu finden. In dieser Zusammenstellung von Liedern, als würden sie in der Küche beim Kartoffelschälen gesungen, und Tunes, als würden sie des Abends auf der Bank vor dem Häuschen nur zur Freude des Musikers selbst gespielt, machen sie einen geradezu romantischen Eindruck von ursprünglicher Rootsmusik – das Wort „ursprünglich“ wird in Bezug auf traditionelle Musik gerne verwendet. Auch wenn selbst diese Musik bereits ein historisch gewachsenes Produkt ihrer Zeit war, so hat doch die heutige keltische Folkmusik mit ihren modernen Studioaufnahmen ihre Wurzeln auch in solchen Feldaufnahmen, die seit dem Folkrevival die Musiker inspirierten – und dies dank solcher Veröffentlichungen auch weiterhin tun können, wenn in dem sehr informativen Beiheft auch leider die Liedtexte fehlen.

Michael A. Schmiedel

 

DIVERSE   –  Classic Celtic Music From Smithsonian Folkways


DIVERSE
Nuevos Medios 30 Aniversario 1982-2012

(Nuevos Medios NM15924/Galileo MC, go! www.galileo-mc.de )
3 CDs, 60 Tracks, 238:00

Das Madrider Pionierlabel in Sachen Nuevo Flamenco navigiert ohne Website und mittlerweile leider auch ohne Chef durch den Musikorbit. Dass der 2010 verstorbene Mario Pacheco neben den neuesten Flamencotrends auch andere, seinerzeit visionäre Klänge des spanischen Pop und Rock ans Licht brachte, zeigt eine der drei CDs dieses Geburtstagssamplers.

 

DIVERSE  – Nuevos Medios 30 Aniversario 1982-2012


DIVERSE
The Rough Guide To African Disco

(Rough Guides RGNET1296CD/World Music Network/Harmonia Mundi, go! www.worldmusic.net )
13 Tracks, 63:30, plus Bonus-CD VINCENT NGUINI & MALOKO, 8 Tracks, 33:37

Die durch Grease und Saturday Night Fever beförderte Diskowelle der Siebziger schwappte auch in afrikanische Clubs und Bars, inspirierte Bands wie Osibisa oder Mango Groove und Stars wie Manu Dibango. Der Sampler bietet einen bunten, panafrikanischen Dancefloor-Mix – nix für sensible Ohren. Als Bonus Soul-Coverversionen von Vincent Nguini & Maloko.

 

DIVERSE   – The Rough Guide To African Disco


UMBERTO ECHO
Elevator Dubs

(19industries NIN-1910-2/19_records/ENJA Records/Galileo MC, go! www.myspace.com/umbertoecho )
11 Tracks, 57:19

Auf Elevator Dubs groovt sich der Münchner Produzent Phillip Winter mit der Echo/Dub-Vorliebe mit einer Riege erstklassiger Musiker und Sängerinnen erneut so gekonnt wie kühl und poliert durch die halbe Musikwelt – von Afrobeat über Bossa und Dancehall-Anklänge bis zu moderner Jazzmeditation. Kein ganzer Schelm, wer den Albumtitel beim Wort nimmt …

 

UMBERTO ECHO  – Elevator Dubs


ESPERANSKA
Palhaçada

(Valve Records VALVE # 4587/New Music Distribution, go! www.esperanska.com )
14 Tracks, 50:12

Nach sieben Jahren Anlauf und Umbesetzungen hat das Latin-Ska-Septett aus Remscheid um die beiden Portugiesen Dom und Macaquinho nun sein Debütalbum im Kasten. Gesungen in beider Heimatsprache ist es ein kompaktes Bündel strikt vorwärtsdrückenden Partyskas geworden, Bläser und alles – mit Tendenz eher zu mehr Surfrock-Fuzz als zu mehr Folklore.

 

ESPERANSKA  – Palhaçada


CESÁRIA ÉVORA
Mãe Carinhosa

(Lusafrica 662502/Rough Trade, go! www.cesaria-evora.com )
13 Tracks, 53:21

Die Königin der Morna verstarb im Dezember 2011. Mãe Carinhosa präsentiert Outtakes aus den Jahren 1997 bis 2005, darunter auch einige Juwelen wie „Emigue Ingrote“, eine Coladeira aus dem Jahr 2005. Wer die barfüßige Diva liebt, wird auch dieses Album mögen, auch wenn bei ein paar Stücken die schwülstige Orchesterbegleitung stört.

 

CESÁRIA ÉVORA  – Mãe Carinhosa


VERONIKA FABER
Auf und davo

(Transformer Records, go! www.veronika-faber.de )
15 Tracks, 47:17

Alle Texte und Kompositionen stammen von Veronika Faber. Begleitet wird die Sängerin von einer versiert musizierenden Band an Klavier, Schlagzeug, Kontrabass, Gitarre. Auf Bayrisch geht es meist um die Tücken zwischenmenschlicher Beziehungen, inklusive „Cyber Sex“. „Leg deinen Arm um mich, und alles ist gut.“ Nett, glatt und letztlich unverbindlich.

 

VERONIKA FABER  – Auf und davo


LISA-MARIE FISCHER
Sugar & Salt

(Stevja Records 002/Soulfood Music, go! www.lisamariefischer.com )
13 Tracks, 44:28

Sie klingt ziemlich authentisch nach US-amerikanischer Songschreiber-Lady, Lisa-Marie Fischer aus Marburg. Ihre Vorbilder scheint sie produktiv eingesogen zu haben, und die in Nashville aufgenommenen Songs zwischen Country, Pop und Folk zeigen Substanz und präsentieren eine potente Stimme. Ja, liegt denn die Music City jetzt an der Lahn?

 

LISA-MARIE FISCHER –  Sugar & Salt


CAROLA FÜRBASS
Majela

(Little Lake Records, go! www.tongala.de )
13 Tracks, 64:29

Die Solistin aus Süddeutschland singt, was und wie es ihr Spaß macht – ob sie indische, indianische, afrikanische Klangfarben oder Traditionen vom Balkan beziehungsweise nur ihre jeweils gängigen Klischees streift, zwischendurch naturpoetische Texte spricht oder immer wieder zu braven Singer/Songwriter-Liedern zu Klavier- und Gitarre zurückkehrt.

 

CAROLA FÜRBASS –  Majela


HERR BÖSEL
Willkommen im Gehirnfasching

(Plattenmonster Schallwaren/Broken Silence 06332, go! www.herrboesel.de )
12 Tracks, 43:38

Neuner um Claudius Carsten und seinen stilsicheren, sympathischen Sprechgesang von der Kieler Förde – tendenziell vor allem am Oppositionsende der Haltung zur Gesellschaft verortet, an der er sich abarbeitet. Ausgesprochen gut bekommen den souverän entspannten Grooves die gelegentlichen Musikzitate von Swing bis Balkan Brass, vor allem letztere.

 

HERR BÖSEL  –  Willkommen im Gehirnfasching


ISBELLS
Stoalin

ISBELLS Stoalin (Zeal Records/Cargo Records, go! www.isbells.be )
10 Tracks, 40:20

Eigentlich sind die Isbells auch nur eine belgische Indie-Folk/Pop-Band, wie sie den internationalen Markt derzeit geradezu überschwemmen. Stoalin könnte aber auch noch übrig bleiben, wenn der Hype wieder vorbei ist. Weil das Album sich auf das Einfache reduziert. Die Band spielt unprätentiös ihre Songs und schmeichelt sich so in die Gehörgänge.

 

ISBELLS   –  Stoalin


ELLA JENKINS
Get Moving With Ella Jenkins

Smithsonian Folkways SFW 45073/Galileo MC, go! www.ellajenkins.com )
15 Tracks, 47:01

Was dieses Album für gestresste Eltern attraktiv machen mag, dürfte seinen Gebrauchswert für die meisten anderen deutlich verringern: Ella Jenkins, die bereits 88-jährige „First Lady of Children’s Music“ führt durch 15 Folksongs, die zum Bewegen, Zuhören und Improvisieren anregen – komplett mit Ansprachen zum Mitmachen, und natürlich in Englisch.

 

ELLA JENKINS  – Get Moving With Ella Jenkins


MICHAEL JOHNSON
Moonlit Déjà Vu

Red House Records RHR-CD 259/In-akustik, go! www.mjblue.com )
11 Tracks, 42:12

Der amerikanische Singer/Songwriter hat einen warmen, angenehmen Klang, den er mit ein paar Barjazznummern oder einem Duett mit seiner Tochter würzt. Etliche seiner Balladen hätten vom Charakter her vor dreißig Jahren gut ins Repertoire der Softrockband Bread gepasst. Heute ist das Kuschelfolk der besseren Sorte.

 

MICHAEL JOHNSON    –  Moonlit Déjà Vu


FELA KUTI
The Best Of The Black President 2

(Knitting Factory Records KFR 1029-2/Rough Trade, Promo-CD, go! www.fela.net )
Do-CD, 12 Tracks, 157:20

Knitting Factory hat sich die Neuauflage des Gesamtwerkes der Afrobeat-Ikone zur Aufgabe gemacht, als Appetitanreger gibt es diesen neuen zweiten Teil zu The Best Of The Black President von 2000. Die Aufnahmen – darunter eine bisher unveröffentlichte Version von „Sorrow Tears And Blood“ – stammen aus den Jahren 1971 bis 1992 und wurden neu gemastert.

 

FELA KUTI  – The Best Of The Black President 2


CHUCK LEAVELL
Back To The Woods

(Evergreen Arts/CrossCut Records CCD 1107/In-akustik, go! www.chuckleavell.com )
15 Tracks, 56:01

Der ehemalige Keyboarder der Allman Brothers Band, seit über dreißig Jahren ein zusätzlicher Rolling Stone und dergleichen, erinnert sich – mit Gast Keith Richards – an die prägenden Blues- und Southern-Blues-Nummern seiner Jugend. Das kann mächtig muskulös shuffeln – bleibt wegen mangelnder Präsenz des Chefs beim Singen aber meist eher etwas blässlich.

 

CHUCK LEAVELL  –  Back To The Woods


LIAISONG XL
Liaisong XL

(Eigenproduktion, go! www.liaisong.com )
13 Tracks, 51:57

Folkjazz der allerfeinsten Sorte. Die drei Musiker können auf Erfahrungen in unterschiedlichsten Projekten zurückblicken: Gitarrist und Komponist Joerg Nassler arbeitete lange mit Gerhard Schöne zusammen, Schlagzeuger Christoph Keck trommelte in Musicals, Sängerin Dunja Averdung beteiligte sich an diversen Theaterprojekten. Herrlich entspannt, locker und leicht.

 

LIAISONG XL   – Liaisong XL


JAN MAS
Erdendrinks

(Eigenproduktion, go! www.jan-mas.de )
12 Tracks 50.06

Aufgenommen wurde Erdendrinks mit Freunden im sächsischen Jugendklub, mit dem Jan Mas aufwuchs; ohne Budget, Produzent, Studio und Label. Das Ergebnis lässt sich größtenteils sehr gut hören. Ruhige, sparsam arrangierte Stücke mit überwiegend deutschen Texten und eine überzeugende Stimme, mit nur manchmal etwas unnötigem Pathos.

 

JAN MAS   –  Erdendrinks


MASTER’S MONKEYS
Movie Theater

(Roxon Records ROXCD756/MCDP International Distribution & Publishing, go! www.mastersmonkeys.net )
13 Tracks, 44:24

Paul A. Kessler überrascht mit Rock, Swing, Blues und Reggae. Das Quartett aus Bonn präsentiert einen gelungenen Querschnitt seines Liverepertoires. Gute Grooves und Spielfreude zeichnen dieses auch Balladen umfassende Album aus. Nur ein Grafiker fehlte bei der sonst guten Produktion.

 

MASTER’S MONKEYS  – Movie Theater


MUTABOR
Her mit dem schönen Leben! 1997 - 2013

(MakanaBeatRecords MKN 007/Soulfood Music, go! www.mutabornet.de )
19 Tracks, 70:03

Nach vier Studioalben und 800 Konzerten seit 1997 lädt die Berliner Band nun zu einer Gesamtschau über die Jahre ein und fügt dem drei neue Songs hinzu. Da erklingen Akkordeon und Blockflöten zu Polka, Ska und Folkpunk. Und die deutschen Texte umkreisen Romantik und Alltag, den Zustand der Gesellschaft und die Liebe. Ach, spielt’s doch noch mal.

 

MUTABOR  – Her mit dem schönen Leben! 1997 - 2013


CARLOS NUÑEZ
Discover

(RCA Victor Red Seal RCA CD 96051/Sony Music, go! www.carlosnunez.com )
Do-CD, 39 Tracks, 144:08, mit span., engl. u. franz. Infos

Die elfte Veröffentlichung des sogenannten „Neuen Königs der Kelten“. Der Titel soll auf die musikalische Weltreise verweisen, auf die sich Carlos Nuñez nun schon seit einiger Zeit begeben hat. Discover versammelt bis auf vier bisher unveröffentlichte Aufnahmen Stücke seiner bisherigen Veröffentlichungen von 1996 bis 2009, wobei bei den frühen Einspielungen sicher noch Nuñez der Eingeladene war und nicht umgekehrt. Dass aus der Rückschau bei der Fülle der Kollaborationen ein Doppelalbum wurde, überrascht nicht. Dass Nuñez zu den besten Gaitaspielern gehört, dürfte sich herumgesprochen haben, ebenso dass er auch noch andere Instrumente nicht weniger meisterhaft beherrscht. Die Frequenz des Namedroppings bei Discover aber nervt: Ist ja schön, wenn Carlos Nuñez mit den Chieftains, Dan Ar Braz, Ry Cooder, Jackson Browne und nicht zuletzt auch mit Andreas Vollenweider aufgetreten ist – sich selbst mit den klangvollen Namen anderer aufzuwerten, hat er aber eigentlich nicht nötig, zumal auch die Erwartung eines entsprechend heterogenen Albums enttäuscht wird. Alle Tracks sind aber auf sehr hohem Niveau, wer Carlos Nuñez noch nicht kennen sollte, dem sei Discover nachhaltig empfohlen.

Andel Bollé

 

CARLOS NUÑEZ   – Discover


PHOSPHORESCENT
Muchacho

Dead Oceans DOC050/Cargo Records, go! www.phosphorescentmusic.com )
Promo-CD, 10 Tracks, 46:28

Erschöpft von der Arbeit kommen, Beziehung futsch, Bude gekündigt – so hart kann es für jeden werden. Künstler können immerhin noch etwas daraus machen – wie Matthew Houck mit diesem sechsten Phosporescent-Album: Ohne zu jammern, goss der New Yorker aus Alabama den Schmerz in zurückhaltend kraftvolle Gesänge zu Americana-Begleitung – die nahe gehen!

 

PHOSPHORESCENT  – Muchacho


PROVINZTHEATER
Tonträger

(Eigenverlag, go! www.provinztheater.de )
16 Tracks, 39:48, mit dt. Texten

Krefeld, Musikmetropole am Niederrhein? Jawohl: Andrea Berg kommt von dort, Kraftwerk-Mann Ralf Hütter und – falls sich jemand noch an sie erinnert – die inzwischen wieder aktiven M. Walking on the Water. Jetzt bricht eine neue Formation in die Riege ein. Provinztheater liefern auf ihrem Debütalbum eine sonderliche Mischung aus Polka, Punk, Shanty, Tango, Country und wer weiß was noch. Klingt unernst? Könnte auch so gemeint sein. Sie bewegen sich irgendwo zwischen Polkaholix und Element of Crime, nur anarchischer in der Grundhaltung. So wie Posaunen und Trompeten sich mit Akkordeon und Banjo abwechseln, so kommen die Texte in parodistischer Manier voller Schlagerseligkeit oder angereichert mit lyrischem Kitsch daher. Und dazwischen finden sich hochphilosophische Zeilen, wie in „Klage eines Totengräbers“: „Er schaufelt ums Leben, begräbt damit einen Teil von sich selbst“. Dazu rumpelt es in Tom-Waits-Manier. Oder der hier: „Ich lerne nur aus Büchern, die noch nicht geschrieben sind.“ Als ob das noch nicht genug der ernsten Unernsthaftigkeit wäre, streuen Provinztheater zwischen ihre Songs surreale Werbespots und Minihörspiele ein. Krefeld, wie es singt und lacht!

Volker Dick

 

PROVINZTHEATER   – Tonträger


THE RED RIPPERS

(Paradise of Bachelors PoB-05/Cargo Records, go! www.cargo-records.de )
9 Tracks

Etwas für Sammler: die Wiederveröffentlichung eines 1983 als Privatpressung des Ex-Marinefliegers Edwin Bankston erschienenen Albums. Die Songs handeln von den Lügen der US-Regierung und einer Gesellschaft, in der die zurückkehrenden Vietnamveteranen gemieden wurden. Anklage gegen den Krieg mit Boogie, Outlaw-Countryrock und Blues.

 

THE RED RIPPERS    –   Over There ... And Over Here


WALTER ROOTSIE AND HIS BLUE CONNECTION
Dark Water

(WRAF Records WR0125, go! www.wrafmusic.com )
Promo-CD, 14 Tracks, 66:22

Die holländische Band spielt gestandenen, countrybeeinflussten Wüstenrock, der manchmal sehr atmosphärisch wirkt, aber ruhig noch etwas staubiger und kratziger klingen könnte. Fans von Slide- und Tremologitarre liegen hier aber richtig.

 

WALTER ROOTSIE AND HIS BLUE CONNECTION  – Dark Water


SLAGR & CAMILLA GRANLIEN
Songs By Geirr Tveitt

(Ozella OZ048CD/Galileo MC, go! www.slagr.com , go! www.camillagranlien.no )
10 Tracks, 44:24

Auf ihrem dritten Album setzen die drei Norweger ihre meditativen „Kammerfolk“-Klangmalereien zwischen Klassik, Jazz und Folk fort. Während die Instrumentalstücke mit ihren glasklaren Tonfolgen davonzuschweben scheinen, werden die Gesangsstücke, auch wenn sich ihre klare Stimme sehr gut einpasst, von Camilla Granlien ein wenig geerdet.

 

SLAGR & CAMILLA GRANLIEN  –  Songs By Geirr Tveitt


CHRIS STAMEY
Lovesick Blues

(Yep Roc Records CD-YEP-2284/Cargo Records, go! www.chrisstamey.com )
Promo-CD, 11 Tracks, 49:19

Auch der ehemalige Ko-Chef der New Yorker dB’s kehrt auf ältere Tage vom Powerpop seiner frühen Jahre zu wesentlich sanfteren Singer/Songwriter-Geschichten zurück, wenn auch in verhaltenem Rockgewand. Geblieben ist ein Hang zum Jingle-Jangle-Klangbild der Sechziger, dazu geben Streicher ein Element gefühligen Kammerpops, das ausgesprochen gut passt.

 

CHRIS STAMEY  – Lovesick Blues


STEVIE TOMBSTONE
Greenwood

(Cloverdale Music CM005/H’Art, go! www.stevietombstone.net )
11 Tracks, 32:59

Wenn jemand „Grabstein“ heißt – was sollte der wohl für Musik machen? Doch der Name führt auf die falsche Spur, denn der im US-Bundesstaat Georgia geborene Stevie Tombstone gehört gar nicht zu den finsteren Nihilisten. Er liefert zwar kein Tralala ab, aber seine von Blues, Gospel und Country beeinflussten Songs durchzieht immer wieder auch das Zuversichtliche. Dass autobiografische Geschichten vom Leben eines Musikers auf der Straße normalerweise nicht vor Frohsinn strotzen, ist keine Überraschung. Aber es gibt ja auch hübsche Liebeslieder im Countrygewand wie „I’d Lose It All“ oder das mit federndem Rhythmus daherkommende Titelstück, das von einer Reise Tombstones zum Grab der Blueslegende Robert Johnson handelt, der er seine Ehre erweist. Dann kommen Name und Ort also doch zusammen. Sein Vortrag aber pendelt mal in Richtung Johnny Cash, mal in Richtung des Bruce Springsteen der Nebraska-Phase. Mal begleitet eine solide Band, mal stehen nur die verhallte Stimme und eine Gitarre im Raum. Auf jeden Fall liefert der mittlerweile mit Familie im Staat New York lebende Tombstone auf seinem dritten Album eine unaufgeregte, reife Leistung ab. Sie gehört gewürdigt.

Volker Dick

 

STEVIE TOMBSTONE    –  Greenwood


LE TRIO JOUBRAN
The First 10 Years

(World Village WVF 479072.77, Harmonia Mundi, go! www.letriojoubran.com )
5 CDs, 55 Tracks, 255:11, plus Bonus-DVD, 21:04 und 11 Fotokarten

Die ebenso preisgünstige wie prachtvolle Box zum Jubiläum versammelt alle fünf Alben der drei palästinensischen Brüder, die das Spiel auf der Kurzhalslaute Ud mit kunstvollen Improvisationen, melodischem Reichtum und eindrucksvollen Arrangements aus dem engen Kontext der arabischen Tradition auch in die Konzertsäle der westlichen Welt führten.

 

LE TRIO JOUBRAN  – The First 10 Years


MARCOS VALLE
Marcos Valle

(Light in the Attic LITA 090/Cargo Records, go! myspace.com/marcosvallebrazil )
10 Tracks, 35:24

Garra

(Light in the Attic LITA 0901/Cargo Records, go! myspace.com/marcosvallebrazil )
11 Tracks, 33:24

Vento Sul

(Light in the Attic LITA 0902/Cargo Records, go! myspace.com/marcosvallebrazil )
12 Tracks, 34:54

Previsão Do Tempo

(Light in the Attic LITA 0903/Cargo Records, go! myspace.com/marcosvallebrazil )
12 Tracks, 36:54

Siebzig Lenze und fünfzig Jahre Plattenveröffentlichungen sind Anlass zum Feiern des formidablen Singer/Songwriters und Produzenten aus Rio. Zum Beispiel mit der Wiederveröffentlichung dieser vier Alben von 1970 bis 1974, die Valles Entwicklung ebenso dokumentieren wie den damaligen Zeitgeist, das Ausloten der Wege zwischen Samba, Bossa Nova und anderen Heimatklängen, psychedelischem und sinfonischem Rock.

 

MARCOS VALLE  – Marcos Valle
MARCOS VALLE  – Garra
MARCOS VALLE  – Vento Sul
MARCOS VALLE  – Previsão Do Tempo


RIK VAN DEN BOSCH & THE DANDIES
Rik Van Den Bosch & The Dandies

(ArtfullSounds/Cargo Records 60839, go! www.myspace.com/rikvandenbosch )
11 Tracks, 33:42

Der in Barcelona lebende Niederländer hegt eine deutliche Sympathie fürs US-amerikanische Musikschaffen, geteilt von seiner spanischen Band. Auf ihrem zweiten Album in dieser Konstellation klingen sie nach einem Calexico-ähnlichen Mix aus Rock ’n’ Roll und traditionellen Elementen – mal mit Jacques-Brel-Pathos, mal als Tom-Waits-Rumpeln.

 

RIK VAN DEN BOSCH & THE DANDIES  – Rik Van Den Bosch & The Dandies


VIOLET STEAM
The Violet Steam Experience

(Equinoxe Records eq041/Nova Media, go! www.violet-net.de )
11 Tracks, 42:53

Deutsche Alternative-Musik, die sich um eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Apocalyptic City – ein dystopisches Märchen“ rankt. Sie stammt von Bianca Stücker, deren Stimme diese Mischung aus Balladen, Up-Tempo-Nummern und flotten Stücken prägt, alle in Englisch gesungen. Ihr Genre bezeichnen Violet Steam als „Medieval Steampunk Cabaret“.

 

VIOLET STEAM – The Violet Steam Experience

Update vom
30.04.2013
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