Rezensionen DVDs


GABI HELEEN BOLLINGER
Die Waldeck

(Eigenverlag, go! www.die-waldeck-der-film.de )
120:00

Nach Hein & Oss – Falado, dem 2008 erschienenen Porträt dieser beiden Waldeck-Veteranen, geht es Gabi Heleen Bollinger nun um den Mythos selbst: die Burg Waldeck im Hunsrück und ihre politische und kulturelle Bedeutung. Für viele steht die Waldeck vor allem für die Festivals der Sechzigerjahre, also Künstler wie Reinhard Mey, Dieter Süverkrüp, Hannes Wader oder Franz Josef Degenhardt. Mit der Mischung aus zeitkritischen Liedern und Chansons, demokratischen Volksliedern und internationaler Folklore entstand damals eine neue, deutschsprachige Liedbewegung in Westdeutschland. Die Ex-Musikerin (Espe) und Journalistin Bollinger geht in ihrer mit zwei Stunden etwas lang geratenen Dokumentation jedoch auch auf die wechselhafte Geschichte der Burg ein, die seit 1922 Heimat des Nerother Wandervogels ist. Sie erzählt von der Verfolgung der bündischen Vaganten und Sänger in der Nazizeit und den Verwicklungen nach dem Krieg, die zur Gründung der bis heute existierenden Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck führten. Neben ehemaligen Nerothern und Mitgliedern der heutigen bündischen Jugend kommen unter anderem Hannes Wader, Hein und Oss Kröher sowie das schwedische Folkduo Hai & Topsy zu Wort.

Michael Kleff

 


CHUMBAWAMBA
Going, Going – Live At Leeds City Varieties

(No Masters NMDVD01/Indigo, )
30 Tracks, 101:28, mit engl. Infos

Wie passend: Die erste Bildunterschrift des am Halloween-Abend 2012 in Leeds mitgeschnittenen Konzerts lautet „Going, going“. Am Ende heißt es „gone“. Die DVD dokumentiert das Abschlusskonzert einer Gruppe, die dreißig Jahre lang Musik und politische Agitation miteinander verband. Freunden dieses seltenen gewordenen Genres sei Going, Going wärmstens ans Herz gelegt. Vor allem, wenn sie nie ein Konzert von Chumbawamba erlebt haben. Die Briten präsentieren mit ihrem wunderbaren Harmoniegesang und Akustikbegleitung – zwei Gitarren, Akkorden, Keyboard und Trompete – selbst „harte“ Themen mit einer Leichtigkeit, die Freude bereitet, ohne dass der Ernst des Themas verloren geht. Mit dabei waren zum Abschluss auch einige Gäste, darunter alle ehemaligen Bandmitglieder. Chumbawamba hatten ihren ersten Erfolg 1993 mit „Enough Is Enough“ – einem Kommentar auf die Wahl eines Nazi-Lokalpolitikers. 1997 folgte mit „Tubthumping“ sogar ein weltweiter Hit. Diese beiden Titel gehörten ebenso zum Programm des Abschiedskonzerts wie „Homophobia“ über die Verfolgung Homosexueller oder „Pinochets Love Song“, der von einem freundschaftlichen Treffen des Diktators mit Maggie Thatcher berichtet.

Michael Kleff

 

CHUMBAWAMBA – Going, Going – Live At Leeds City Varieties


ULRIKE KOCH
Regilaul – Lieder aus der Luft

(Doc Productions/Columbus Film AG, go! www.regilaul-film.com )
104:00, Estnisch mit dt., franz. u. engl. Untertiteln

Schon in den beiden früheren preisgekrönten Filmen von Ulrike Koch – Die Salzmänner von Tibet (1997 ), Ässhäk – Geschichten aus der Sahara (2003) – spielte die mündliche Überlieferung von Epen, Legenden, Alltagstraditionen und Ritualen in Form des A-cappella-Gesangs eine wichtige Rolle. In Form des Regilaul (regi = „Schlitten“, laul = „Lied“) fand die Regisseurin ähnliches auch in Estland. Diese Urform des Gesangs gab es bei allen Völkern, wurde oft aber nicht überliefert und daher vergessen. In den Regi-Liedern hat die estnische Gesangskultur ihren Ursprung, sie sind – vor 1991 im Untergrund gesungen – aber auch eng mit der politischen Befreiung der Esten verbunden. Die Melodien sind einfache Folgen aus acht Tönen, die in kleinen Abwandlungen mit immer anderen achtsilbigen Textzeilen wiederholt werden, z. B. „Kui ma hakkan laulemaie” – „wenn ich anfange zu singen“. Mal sind es Balladen, mal kurze Beschreibungen, Rätsel, Weisheiten aus dem täglichen Leben. Oft sind sie so skurril, dass sie auch von den Esten nicht verstanden werden. Dieser spannende Dokumentarfilm öffnet einem die Türen zur uralten estnischen Gesangstradition, vergleichbar mit dem rituellen Gesang der Indianer und dem Joiken der Samen.

Bernd Künzer

 

ULRIKE KOCH    –  Regilaul – Lieder aus der Luft


Update vom
29.04.2013
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