Besondere CDs


DIE BESONDERE – EUROPA

BELLEVUE RENDEZVOUS
Salamander

(Journeyman Records JYM002, go! www.bvrz.co.uk )
10 Tracks, 55:45, mit kurzen Infos

BELLEVUE RENDEZVOUS 2007

Schon Tangents, das erste Album der schottischen Band, nahm den Rezensenten mit spürbarer Liebe am Ton, subtilen, gekonnten und stimmigen Arrangements gefangen. Virtuosität, Dynamik und hörbares Herzblut bestimmen das Klangbild auch der vorliegenden Produktion, und das, dargereicht als feine audiophile Produktion, sorgt für Gänsehaut und ein tief berührendes Klangerlebnis. Cameron Robsons treibender Groove auf der Cittern unterstützt die virtuose, nuancierte Fiddle von Gavin Marwick, Ruth Morris’ zauberhafte Nyckelharpa rundet den Stringsound nach unten ab. Wunderbare, präzise gespielte mehrstimmige Linien sorgen für Luft und Entfaltungsmöglichkeiten der einzelnen Instrumente und werden so dem Trioformat in idealer Weise gerecht. Von den musikalischen Regionen, die bereist werden, stehen Skandinavien und Frankreich ganz oben, aber es finden sich auch Ausflüge in die schottische Heimat, auf die Shetlandinseln, sogar eine Klezmerweise hat sich ins Programm verirrt. Diese Vielfalt könnte fast irritierend sein, versuchte man sich in bloßer Nachahmung der Stilistiken dieser einzelnen Länder und Genres. Das vermeidet die Band aber ausgesprochen geschickt, und so klingen etwa die schwedische Polska und der bretonische Hanter Dro gleichzeitig stilecht und trotzdem genau nach Bellevue Rendezvous. Für Freunde von Bal Folk, skandinavischer und nordeuropäischer Musik oder einfach schönster instrumentaler Folkmusik auch über diese Genres hinaus sei dieses Album ganz, ganz wärmstens empfohlen. Salamander rockt!

Johannes Schiefner

 

BELLEVUE RENDEZVOUS – Salamander


DIE BESONDERE – EUROPA

ELISEO PARRA
Contradición

(Karonte KAR 725/Galileo MC, go! www.myspace.com/eliseoparra )
13 Tracks, 57:14, mit Texten und Infos

ELISEO PARRA 2008

Eine Großmutter in kastilischer Tracht spielt elektrische Gitarre. Ist das nun ein Widerspruch, eine Contradición, oder ist die Dame eine Bewahrerin der Tradition – „con tradición“? Jedenfalls scheint sie auf dem Albumcover ein wenig skeptisch auf ihr Instrument zu schauen. Ungleich selbstverständlicher verbindet der aus der Provinz Valladolid stammende Eliseo Parra die Tradition mit der Moderne. Doch trotzdem: Contradición ist mehr Tradition als Widerspruch. In den Sechzigerjahren verdiente sich Parra als Schlagzeuger und Sänger in Rockbands seine Sporen, danach wechselte er zum Jazz, um später mit María del Mar Bonet und der Gruppe Al Tall aus Valencia zusammenzuarbeiten. Mitte der Neunzigerjahre zog er nach Madrid und widmete sich der traditionellen Musik Zentralspaniens. Frucht dieser Rückkehr war das 1997 erschienene Album Tribus Hispanas – ein archaisches, fast magisches Werk mit fernöstlichen Anklängen, auf dem er eine Vielzahl alter Saiten- und Percussioninstrumente spielte. Mit Contradición macht Eliseo Parra nun das, was die Volksmusik seiner Heimat schon immer tat: Er spielt zum Tanz auf – und wie! Mit einer kompakten Band verbindet er Tradition mit Jazz, etwas Rock und karibischen Anklängen. Contradición ist ein fröhliches Album mit herausragenden Musikern, die alle eine Vielzahl meist akustischer Instrumente beherrschen. Die Elektrogitarre des Covers ist jedoch keine reine Dekoration: Auf „La Juliana“ etwa zeigt die Band eindrücklich, wie man eine Stromgitarre zum Jaulen bringt. Jedes der Stücke erhält dank unterschiedlicher Instrumentierung seine eigene Prägung. Überraschende Einschübe sorgen für Abwechslung. Die ausschließlich traditionellen Lieder stammen vorwiegend aus der zentralen Hochebene Spaniens und aus Asturien, je eines von den Kanaren und Mallorca. Im Anhang erwähnt Eliseo Parra die Quellen der Musik. Contradición, eine der wenigen Aufnahmen aus Zentralspanien, die uns überhaupt erreichen, ist Feldforschung, die Spaß macht.

Martin Steiner

 

ELISEO PARRA – Contradición


DIE BESONDERE – NORDAMERIKA

DIVERSE
Listen, Whitey! The Sounds of Black Power 1967-1974

(Light in the Attic LITA081/Cargo Records, go! www.lightintheattic.net )
16 Tracks, 76:18, mit ausführlichen Infos

PAT THOMAS 2011 * Foto: Joe Mabel

Der Begriff „Sounds“ im Titel wurde mit Bedacht gewählt, die Zusammenstellung versammelt sehr verschiedene Tondokumente, die einen Rückblick auf eine Ära eröffnen, in der Revolution ein Pop-Phänomen war. Es geht um die Black-Power-Bewegung in den USA Ende der Sechziger-, Anfang der Siebzigerjahre: viel Musik, aber auch Reden (Stokely Carmichael, Elridge Cleaver), Spoken Poetry (Last Poets, Watts Prophets) und Stand-up-Comedy (Dick Gregory). Zusammengestellt wurde das Ganze von Pat Thomas, selbst ein „Whitey“ und Poparchivar, der manchem auch als Singer/Songwriter und Plattenlabelchef ein Begriff sein dürfte: Auf Heyday Records veröffentlichte er vor zweieinhalb Jahrzehnten unter anderem die New-Folk-Debüts von Barbara Manning und Sonya Hunter. Listen, Whitey! wurde nicht auf die Schnelle zusammengezimmert, Thomas hat sich jahrelang mit dem Thema beschäftigt und zahlreiche Protagonisten der Bewegung besucht. Herausgekommen ist dabei auch ein zeitgleich erscheinender opulenter Bildband – bei Fantagraphics, deutschsprachige Ausgabe nicht in Sicht. Musikalisch bietet der Sampler wie zu erwarten radikale Soul- und Funktracks, darunter Bekanntes von Gil Scott-Heron, aber auch fast Vergessenes wie einen Song von Gene McDaniels, der sarkastisch den von Richard Nixon geprägten Begriff „Schweigende Mehrheit“ auseinandernimmt: „Silent majority / gathering around the hanging tree … stuffing their faces with pastry … not so silent far as I can see”. Daneben gibt es auch mehr (Amiri Baraka) und weniger (Shahid Quintet) experimentellen Jazz und Popsongs, die sich thematisch mit Black Power befassen: „Angela“ von John Lennon und „George Jackson“, Bob Dylans Protestsong, in dem er den gewaltsamen Tod des Black-Panther-Aktivisten betrauert. Dylans Management soll der CD-Erstveröffentlichung in diesem Rahmen blitzschnell zugestimmt haben. Das Konzept von „Listen, Whitey“ erinnert vielleicht ein wenig an Schulfunk. Aber der war manchmal auch besser als alles drum herum.

Gunnar Geller

 

DIVERSE – Listen, Whitey!

Update vom
30.04.2012
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