Besondere CDs


DIE BESONDERE – DEUTSCHLAND

TINY SCHMAUCH
Schmauchspuren

(Fluxx Records 291 293, go! www.tiny-schmauch.de )
17 Tacks, 58:31, mit dt. Texten und Infos

Tiny Schmauch 2008

Der Kontrabassist und Jazzmusiker Martin “Tiny” Schmauch hat Tiefgründiges, Poetisches zu vermelden. Und das tut er, indem er Gedichte seines Onkels Jochen Schmauch (1924-1984) vertonte und nun ein Album mit – im Wortsinne – wirklich eigenartigen Jazz-Liedern vorlegt. Dr. Jochen Schmauch war katholischer Priester in Wien und später Ehemann und als solcher Vater dreier Kinder in Mainz. Seine große Leidenschaft war das Schreiben. Er muss ein sprachverliebter Wortjongleur gewesen sein. Der Hörer spürt den immensen Respekt, den der Neffe angesichts der literarischen Hinterlassenschaften seines Onkels wohl empfindet. Barbara Ehlich (Altsaxofon), Andreas Kopeinig (Klavier), Laszlo Demeter (Schlagzeug), Pit Decker (Gitarre) und Tiny Schmauch (Kontrabass, Posaune) erzeugen herrlich entspannte, völlig unaufgeregte Jazzklänge, so wie man sie sich morgens um zwei Uhr in einer fast menschenleeren Bar vorstellen könnte, in der noch ein letztes verliebtes Paar sich selbstvergessen auf der Tanzfläche dreht. Über allem schwebt die relativ hohe Stimme von Tiny Schmauch, dessen Gesangsstil ein wenig an Chet Baker erinnert. Der akustische Bass führt warm durch die Songs. Manches klingt volksliedhaft („Die Wahrheit der Gazellen“), anderes eher sakral („Nach alter Manier“). Inhaltlich sicherlich keine leichte Kost, doch wer sich die Mühe macht, genau hinzuhören, wird belohnt. Die einzelnen Strophen werden immer wieder unterbrochen durch wunderschöne, ausdrucksstarke Instrumentalphasen. Insgesamt wirkt Schmauchspuren wie ein ernsthaftes, vertrauensvolles Gespräch unter Freunden über die letzten Wahrheiten des Daseins. Eine in vielerlei Hinsicht herausragende Produktion.

Kai Engelke

 

TINY SCHMAUCH – Schmauchspuren


DIE BESONDERE – EUROPA

MATTHEWS’ SOUTHERN COMFORT
Kind Of New

(Brilliant BMCD1010/CRS Continental Record Service/In-akustik, go! www.iainmatthews.com )
13 Tracks, 62:06, mit engl. Texten und Infos

Iain Matthews 2007

Kaum zu glauben: Nach geschlagenen 40 Jahren lässt Iain Matthews seine Band Southern Comfort wieder aufleben, wenngleich auch als einziges Originalmitglied. Und der ehemalige Folkrocker, der inzwischen sogar mal Technopop spielte, tat gut daran, damit auch zur Idee eines entspannten Folkpops zurückzukehren. Mit welcher Leichtigkeit die Songs einen hier auf Wolke Sieben tragen, ist wirklich gekonnt. Typisch sind zum Fingerschnippen einladende, sanfte Rhythmen, äußerst sparsam eingesetzte und sanft gezupfte Gitarrenriffs, Klangtupfer des Klaviers, schwebende Klänge der Keyboards, lange ausklingende Gitarren-Slides und vor allem ein Satzgesang, der so perfekt, wie er ist, nicht nur an die besten Momente von Crosby, Stills & Nash erinnert. Neben Iain Matthews singt die im Country verwurzelte Terri Binion Lead. Beide spielen auch akustische Gitarre. Das Repertoire reicht von leisen Gänsehautballaden bis zu Songs mit Jazzeinschlag, die wie ein Steely-Dan-Stück swingen, von leichtfüßigem Folk-Pop, der an Fleetwood Mac in der Rumours-Phase erinnert, bis zu irisch anmutenden Stücken, die schon fast a cappella klingen. Alles wirkt unheimlich leicht aus der Hand geschüttelt. Die Stücke atmen, weil die Instrumente lange ausklingen und so immer wieder ein Innehalten vermitteln. Und dann ist da noch „Woodstock“. Ja, jener Joni-Mitchell-Song, vor 40 Jahren Matthews’ Southern Comforts größter Hit – in ihrer Fassung einer der wohligsten Top-Ten-Hits aller Zeiten. Sich erneut an dieses Juwel zu wagen ist schon mutig. Und Matthews’ Southern Comfort schaffen es erneut, eine umwerfende Fassung abzuliefern. Sie ist im Tempo halbiert und völlig von den Stimmen dominiert. Die Band singt mit einer sich wiederholenden Zeile ihren eigenen Rhythmus ein, legt mehrere genial verwobene Satzgesänge darüber, dazu eine lang ausklingende akustische Gitarre, einige Keyboardklänge und ein uhrwerkartiges Klacken der Drumsticks. Plötzlich sind fünf Minuten vorbei und wir sagen: Spiel’s bitte noch mal, Iain!

Hans-Jürgen Lenhart

 

MATTHEWS’ SOUTHERN COMFORT – Kind Of New


DIE BESONDERE – EUROPA

MARIA FARANTOURI
Maria Farantouri Sings Taner Akyol

(Enja Enj 95612)
11 Tracks, 52:47, mit 28-seitiger engl. Textbeilage mit allen Liedtexten

Maria Farantouri 2006

In der griechisch-türkischen Gemengelage erscheint es noch immer sinnvoll, konstruktive Zeichen zu setzen. Vor 30 Jahren nahmen Maria Farantouri und Zülfü Livaneli, die beide ihr Land jeweils nach einem Militärputsch verlassen mussten, gemeinsam ein Album auf, das wie ein Paukenschlag in den Ohren türkischer und griechischer Nationalisten widerhallte. Nun folgt eine unerwartete Fortsetzung: Maria Farantouri singt Kompositionen des türkischen Komponisten und Baglama-Virtuosen Taner Akyol, der 30 Jahre jünger ist als die griechische Gesangsikone. Zülfü Livaneli nennt diese Produktion eine „Oase in der Wüste“.

Maria Farantouri singt Taner Akyols Vertonungen anatolischer Dichter wie Pir Sultan Abdal und Karacaoglan sowie dessen eigene Werke bis auf eine Ausnahme in griechischen Übersetzungen. Die Texte handeln zwischen spiritueller Mystik und Politik von einem zentralen Thema anatolischer Dichtung: von Suchenden, Entwurzelten und Verfolgten. Farantouris präsente Stimme strahlt mit ihren 64 Jahren noch immer Kraft aus, die Kompositionen klingen, als seien sie eigens für sie geschrieben worden.

Der Alevite Taner Akyol wuchs in Bursa mit dem Klang der türkischen Langhalslaute auf. Mit 19 Jahren ging er zum Kompositionsstudium an die Hans-Eisler-Musikhochschule in Berlin. Seine profunde Kenntnis beider Musikwelten immunisierte ihn gegen den Versuch, sie zu verschmelzen. Stattdessen schafft er kreative Dialoge zwischen Baglama und Gesang sowie den Streichern und Bläsern des Berlin Concerto Chamber Orchesters unter der Leitung des griechischen Dirigenten Symeon Ioannidis, von dem die Initiative dieser Zusammenarbeit ausging. Das Kammerorchester kommt fein ziseliert daher; es stützt, ergänzt, erweitert mit neoklassischen Farbtupfern – statt mit theatraler Wucht das feine musikalische Gewebe zu erdrücken, in dessen Zentrum Stimme und Langhalslaute stehen. Eine subtile Kraft geht vom Rhythmus aus, wobei der renommierte Percussionist Jarrod Cagwin feine Akzente setzt.

Birger Gesthuisen

 

MARIA FARANTOURI – Maria Farantouri Sings Taner Akyol

Update vom
18.05.2011
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