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Great Big Sea (Warner, 1995) |
Great Big Sea unterwegs:
Im Sommer diesen Jahres planen |
Neufundland der Name der östlichsten Provinz Kanadas lässt
Bilder vor dem inneren Auge entstehen: Eisberge, Wikinger, Fischerboote,
Kevin Spacey im Film Schiffsmeldungen. Aber Musik? Dabei ist
Neufundland seit nunmehr fast zehn Jahren auch Great Big Sea.
Die Band aus der Hauptstadt St. John's gehört inzwischen zu den Top-Gruppen
in Kanada; und in ihrer Heimatprovinz hat ihre Version des traditionellen
Liedes Rant & Roar bereits den Status einer inoffiziellen
Hymne erreicht. Die Wertschätzung, die Bob Hallett, Séan McCann,
Darrell Power und Alan Doyle in ihrer Heimat entgegengebracht wird, geht
jedoch weit über das rein Musikalische hinaus: Man ist stolz darauf,
dass es die vier sympathischen, intelligenten, bodenständigen,
hart arbeitenden Burschen mit ihrem Auftreten geschafft haben
in Kanada und darüber hinaus mit dem stereotypen Zerrbild des
hinterwäldlerischen Newfies aufzuräumen. Ob in kleinen
Theatern oder in ausverkauften Eishockey-Hallen mit 7.000 Zuschauern: Konzerte
von Great Big Sea verwandeln sich meist vom ersten Ton an in eine Kitchen
Party: So bezeichnet man in Neufundland das abendliche Treffen von
Nachbarn und Freunden in der Küche früher der einzig warme
Raum im Haus , bei dem gemeinsam musiziert, gesungen und getanzt wird.
Die Musik von Great Big Sea ist unverwechselbar und nur schwer einer
musikalischen Stilrichtung zuzuordnen. Bei der Wahl ihrer Lieder greift die
Band auf das vielfältige, scheinbar unbegrenzte Repertoire traditioneller
Musik ihrer Heimat zurück, schöpft aus der Kreativität von
McCann, Hallett und Doyle als Songschreiber und streut mit viel Gespür
für das, was zu ihnen passt, Rock-Titel von Slate, der Oysterband oder
REM ein. Geprägt wird der typische Stil der Band aber vor allem durch
die Persönlichkeiten der einzelnen Musiker: die verschmitzt-trockene
Art von Darrell Power am Bass, mit der er dem Sound präzis-pointierte
Tiefe gibt oder
gab*; die
charakteristische Stimme und die ansteckende, schier unerschöpfliche
Energie von
Alan
Doyle, der als Zeremonien-Meister den Chor des Publikums leitet; den mal
bissigen, mal spitzbübischen, mal koketten Witz von Séan McCann,
dem erotischsten Bodhran-Spieler der Welt (Alan Doyle), der mit
rhythmischen Akzentuierungen in Richtung Reggae oder Rap stets für
musikalische Überraschungsmomente sorgt, sowie die Intensität des
Spiels an Geige, Akkordeon, Flöte, Banjo, Mandoline, Bouzouki oder Gitarre,
mit der Bob Hallett immer wieder die anderen Mitglieder der Band auf seine
Seite der Bühne zieht.
Von Jutta Bauer
Ein eisiger Wind weht durch die schmalen Straßen der Altstadt von St.John's mit ihren bunten Holzhäusern. Überpünktlich, gut gelaunt und von der Kälte wenig beeindruckt erscheint Bob Hallett, der Multi-Instrumentalist der Band, im Kult-Musiklokal Ship Inn zum Interview.
Vor fünf Jahren hat Roland Schmitt mit Alan Doyle ein Interview für
den Folker! geführt
( s. Folker! 1/1998); was waren seit damals die
wichtigsten oder schönsten
Erlebnisse für Great Big Sea?
Es waren fünf turbulente, überaus erfolgreiche Jahre für uns. Als ganz besondere Ereignisse würde ich jedoch die große Tournee durch Kanada im Jahre 1999 hervorheben, bei der unsere Live-CD Road Rage aufgenommen wurde, die Auftritte in England, in Dänemark und in Deutschland mit der Oysterband und Runrig, die Zusammenarbeit mit den Chieftains und die Tatsache, dass wir in fünf aufeinander folgenden Jahren bei den East Coast Music Awards (ECMA) als Entertainer Of The Year ausgezeichnet wurden. Ein unglaubliches Erlebnis war auch das Konzert im Hafen von St. John's zur Jahrtausendwende vor 90.000 Leuten. Und gerade erst haben wir die erfolgreichste Tour, die wir jemals gespielt haben, beendet: 41 Konzerte in Kanada von Küste zu Küste, von Britisch Kolumbien bis Neufundland, viele davon ausverkauft.
Die Zusammensetzung des Publikums bei eurem Konzert hier in St. John's
hat mich sehr beeindruckt: Da waren viele ältere Paare, Familien mit
großen und kleinen Kindern, Girlies in bauchfreien Shirts, Jungs in
Unterhemd und mit Stachelhalsband, außerdem eine große Gruppe
behinderter Jugendlicher mit ihren Betreuern.
Und
alle haben von der ersten bis zu letzten Note mitgesungen, mitgeklatscht
oder getanzt!
Ja, das ist genau das, was wir immer erreichen wollten; dieser Generationen- und Stil-Mix ist dabei generell typisch für die Musikszene in Neufundland. Das erstaunlichste ist aber, dass die Reaktionen des Publikums in Vancouver, Winnipeg oder Thunder Bay auf unsere Musik inzwischen genau die gleichen sind.
Wenn man die einzelnen Mitglieder der Band auf der Bühne sieht, könnte man denken, Darrell wäre ein HipHopper, Alan ein Rock-Musiker, Séan ein Soul- oder Pop-Sänger, während du wie ein Heavy-Metal-Musiker oder auch wie ein klassischer Geiger aussiehst ein bisschen wie Nigel Kennedy ...
... Ich bin ganz bestimmt kein klassischer Geiger! Aber es stimmt auf alle Fälle, dass wir sehr verschieden voneinander sind.
* Nur wenige Wochen nach Ende der Kanada-Tournee
erklärte Darrell Power, dass er die Band verlässt, um mehr Zeit
mit seiner Familie verbringen zu können. Die Trennung sei in aller
Freundschaft erfolgt und für ihn zu diesem Zeitpunkt die richtige
Entscheidung. Sein Nachfolger am Bass, Murray Foster, Ex-Moxy
Früvous aus Toronto, ist für die deutschen GBS-Fans kein
Unbekannter: Er war bereits bei der Deutschland-Tournee der Band im Jahre
2001 für Darrell Power eingesprungen.
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