Von Claudia Frenzel
Vor zwei Jahren entpuppten sich FunDaMental beim Rudolstädter Tanz- und Folkfest neben Sorten Muld als Highlight für die nicht so engstirnigen und cross-over-freudigen Folkies. Der krachende englische Asian Dub und der treibende dänische Folk Trip Hop fanden auf Anhieb eine neue Fangemeinde unter dem tanzenden deutschen Folk.
In diesem Jahr steht erneut ein außergewöhnliches Projekt auf den thüringischen Bühnenbrettern, das so manchen zum überstürzten CD-Kaufrausch verleiten dürfte.
Tourdaten:
2.7. Rudolstadt |
Hypnotix aus Prag spielen Dub mit Trip Hop und Drum´n´Bass-Anleihen sowie orientalischen und afrikanischen Klangteppichen. Elektronische Ethnoklänge verbinden das Ganze zu einem betörenden Schwebezustand, dem man kaum noch nachhelfen muß.
Nach zwei Alben bezeichnete man die Prager als die »Pink
Floyd des Reggae«, was aber nach dem diesjährigen Album »Witness
Of Our Time« (siehe CD-Besprechung in Folker! 2/99) schon wieder so
eine Schublade für sich ist. Zwar kommen hier und da noch einige
Reggaeklänge durch, aber mittlerweile sind psychedelische Klangebilde
mit treibenden Bässen und afrikanischer Sprechgesang das
vordergründige Element der Moldau-Schamanen.
Vergleiche zur Asian Dub Foundation und gar Massive Attack müssen herhalten und spiegeln nur einen Teil der hypnotischen Wirklichkeit wider. Aber Freunde der Asian Dub Foundation, deren Mischer auch beim dritten Album der Prager an den Reglern saß, und auch der Psycedellic-Worldmusiker Ole Lukkoye (St. Petersburg) werden an »Witness Of Our Time« gleichfalls ihre Freude haben.
Begonnen hat alles 1992 in einer Prager Kneipe, wo sich die
damals noch vier Hypnotix mit einem potentiellen neuen Sänger aus Senegal
trafen. Die Prager galten
damals in Fachkreisen als Vertreter echten postsozialistischen
Roots-Reggaes, was an sich schon ein Phänomen ist, verbindet man mit
der Europametropole doch eher Smetana und Karel Gott. Nach einigen
Gerstensäften beschloß man, sich zu Probeaufnahmen zu treffen,
wenngleich Bourama Badji (heute Sänger) damals noch beteuerte, nicht
singen zu können. »So geht das in Prag«, sagt er im Nachhinein,
»nach ein paar Bier waren wir uns einig«. Das fehlende Singtalent
wurde inzwischen mit einer weiblichen Stimme aus dem Jemen für die letzte
CD engagiert und Bourama ist in erster Linie für Toasting und Scatgesang
zuständig. Einzig den Drummer der Prager konnte man nicht vom künftig
reggaebereinigten Projekt überzeugen. Er wurde, so hart es klingt,
mittlerweile durch einen Drumcomputer ersetzt, was zur Folge hat, daß
Hypnotix manchmal doch etwas mechanisch klingen.
|
|
|
|
Mehr über HYPNOTIX im Folker! 4/99