Rezensionen BÜCHER


EBERHARDT BORT [Hrsg.]:
At Hame Wi’ Freedom : Essays on Hamish Henderson and the Scottish Folk Revival. Ed. by Eberhard Bort. – Ochtertyre : Grace Note Publications, 2012. – 219 S. : mit s/w-Fotos
ISBN 078-1-907676-17-8 – 12,99 schott. Pfd.

So richtig hat sich das politische und kulturelle Schottland nie mit diesem unbequemen, streitbaren Folkloristen und Poeten anfreunden können. Die Folkszene liebte ihn zumeist umso mehr, und sie tut es noch heute, denn Henderson gab dem Revival den akademischen Hintergrund. Neben den jährlichen Carrying Stream Festivals des Edinburgh Folk Clubs, die ganz im Zeichen Hamish Hendersons Schaffen stehen, gab es bereits in den Jahren 2010 und 2011 zwei Bücher mit Artikeln, Analysen und Abhandlungen zu seinen Werken (siehe Folker 2/2012 und 6/2012) und At Hame Wi’ Freedom macht die Trilogie komplett. Treibende Kraft hinter diesem Projekt ist erneut der Deutsche in Edinburgh, Eberhard „Paddy“ Bort, der für den Einstieg und den Abschluss sorgt. Die zehn Beiträge dazwischen – zum Beispiel über Hendersons frühe Folkloristentage, über sein Verhältnis zu Irland und speziell Nordirland oder über die Blairgowrie Festivals der späten 1960er – sind alles andere als akademisch trocken, aber ab und an ist eine Vorliebe für theoretische Ausführungen zumindest hilfreich. Für Schottlandfreunde und Folkloristen generell auf jeden Fall erneut nachdrücklich zu empfehlen.

Mike Kamp

Bezug: go! www.gracenotepublications.co.uk

 

EBERHARDT BORT [Hrsg.]


MAIK HERFURTH:
Das Akkord-Buch für Anfänger-Gitarristen : leicht & verständlich, alle wichtigen Akkorde, Titelvorschläge u. v. m. – kompl. aktual. Neuaufl. – Osnabrück: Fingerprint, 2014. – 53 S. : mit zahlr. Abb. – (Gitarrenworkshops von Fingerprint ; FP 8153)
ISBN 978-3-945190-02-9 – 16,80 EUR

Auf den ersten Blick sieht alles klar und übersichtlich aus: Griffdiagramme und Fotos für ein und denselben Akkord, leicht verständliche, knapp gehaltene Erklärungen und alles in großem Maßstab abgebildet. Doch anstatt nach dem Erlernen der ersten Akkorde (A, D und E) entsprechende Songs zum Üben anzubieten, sind erst einmal die Mollakkorde dran (E-Moll, A-Moll, D-Moll). Wieder keine Übungslieder. Dann weiter mit C-Dur und G-Dur. Hat der Lernwillige die drauf – richtig: noch immer keine praktischen Übungen, stattdessen, ganz wichtig, die Septakkorde. Anschließend keine Übungen, vielmehr heißt es: „Auf in die Welt der ‚gefürchteten‘ Barré-Akkorde!“ Der zunehmend genervte und abnehmend motivierte Gitarrenschüler erfährt: „Auf den nächsten Seiten widmen wir uns einem Barré-Akkord.“ Ein nahezu seitenfüllendes Foto nebst Griffdiagramm zeigt F-Barrée. Dazu zwölf Zeilen Text. Das war’s. Das also ist Herfurths Welt der Barré-Akkorde. Es folgen ein paar Seiten mit Schlagmustervorschlägen (Patterns), einige Sätze zum Gebrauch eines Kapos, und dann kommen – unbedingt nötig für Anfänger – Akkorde wie Asus4, Dsus2 und E7sus4; immer grade mal zwei auf einer Seite, ohne Text wohlgemerkt. Ganz nett das Kapitel mit den Powerchords, dann „haben wir fertig“ (steht wirklich so im Heft). Aber, stimmt auch nicht, denn es folgen ja noch neun [!] Seiten mit Songtiteln und entsprechenden Akkorden, fast ausnahmslos zu begleiten mit A, D und E sowie G, C und D beziehungsweise E, A und H7. Keine Texte, keine Noten, keine Tabulaturen und, was wirklich wichtig für den Anfänger gewesen wäre: keinerlei Hinweise, an welcher Stelle welcher Griff zu spielen ist (Akkordwechsel). Apropos Tabulaturen: Zwar wird auf dem Heftumschlag (U4) versprochen, „Wir lernen unter anderem, wie man eine Tabulatur liest und versteht“, doch im Heft findet sich nicht eine einzige Tabulatur, geschweige denn eine entsprechende Erklärung. Diese Veröffentlichung ist eine platzverschwendende, überteuerte Mogelpackung.

Kai Engelke

Bezug: go! www.acoustic-music.de

 

MAIK HERFURTH


ANDREAS GEBESMAIR, ANJA BRUNNER, REGINA SPERLICH:
Balkanboom! : e. Geschichte der Balkanmusik in Österreich. – Frankfurt a. M. : Lang, 2014. – 329 Seiten. – (Musik und Gesellschaft ; 34)
ISBN 978-3-631-64526-0 – 61,95 EUR

Das waren noch Zeiten, als eine sich geschmäcklerisch atomisierende Gesellschaft musikalisch auf einen Nenner gebracht wurde. Zuletzt gelang das einer Musik, die unter dem Oberbegriff „Balkan“ firmiert. Von den Niederungen der Clubs hin zu Glamourwelt Madonnas, sie alle wurden Anfang des Jahrtausends von den schrägen Rhythmen und Harmonien des Balkans dominiert. Nach einigen Jahren war allerdings alles vorbei. Moden kommen und gehen, was bleibt? Diese Frage haben sich Andreas Gebesmair, Anja Brunner und Regina Sperlich in ihrer Studie zum Balkanboom! gestellt. Methodisch sauber, leider weitestgehend ohne Auswertung deutscher Quellen, arbeiten sie heraus, welcher Bedingungen es für den Hype bedurfte und warum Wien zum Hotspot wurde. Vorausgeschickt wird, dass es zuvor zu einer Umwertung des Folklorebegriffs kam: Der war etwas für Sammler und nostalgische gesonnene „Gastarbeiter“; mit der neuen Bezeichnung „World Music“ ließ sich die Chose besser vermarkten. Und die neue Weltmusik hörte sich auch anders, moderner an, denn ihre Protagonisten suchten nicht Heimatpflege, sondern Nähe zu Jazz, Rock oder Dance Music. Dem österreichischen Balkanhype kam zugute, dass die Flüchtlinge aus den Balkankriegen, die ihre Instrumente im Gepäck hatten, jung, akademisch gebildet und weltoffen waren. Das half ihnen, tonangebend den Hype zu reiten – und sich von ihm zu distanzieren, als es mit ihm zu Ende ging. Während der Bauer im Karpatendorf immer noch seine Fiedel streicht, hat sich der hippe, urbane „Balkanboom“-Musiker längst vom Genre abgewendet und musiziert anderswo. Was also ist geblieben? Laut Rolling Stone eine „Frischzellenkur“ für die globale Musik, eine Zunahme der personellen Musikerdichte in Wien und eine Zunahme der Livespielstätten. Denn nicht zuletzt half der Balkanboom ein Publikum zur Musik zu führen, das sich altersmäßig zwar von dem des Gypsy Swing und Klezmerrevivals unterschied, nun aber eine neue Gemeinsamkeit herstellte, in der man sich wesensgleich mit Freunden des abenteuerlichen Lebens wähnte. Kein schlechtes Fazit, oder?

Harald Justin

Bezug: go! www.peterlang.com

 

ANDREAS GEBESMAIR, ANJA BRUNNER, REGINA SPERLICH


GERHARD HILDNER [Zsgest.]:
Kreuz und quer auf dem Akkordeon : 100 Schlager, Oldies, Stimmungslieder, Seemannslieder, pop. Volksmusik ; leicht gesetzt / Songauswahl: Gerhard Hildner. – o.O. : Bosworth, 2014. – 262 S. : nur Noten, Akk., u. Texte. – (MH Songs)
ISBN 978-3-86543-854-6 – 29,95 EUR

Eigentlich ist schon fast alles gesagt durch den Untertitel, denn tatsächlich sind von Traditionals über Freddy Quinn, Helene Fischer, die Beatles und Scott Joplins „Entertainer“ oder „Scarborough Fair“ Stücke aller genannten Genres vertreten, ein wenig Folk noch dazu. Zu allen Stücken gibt es neben Melodie- und Bassbegleitung auch Akkord- und Tempoangaben sowie die vollständigen Texte. Praktisch an dieser Sammlung: Neben der Spiralheftung finden sich auch ausklappbare Seiten, sollte ein Stück mal umfangreicher sein, was ein Umblättern von Noten unnötig macht. Alles in allem aber eher eine Sammlung für den Alleinunterhalter mit Akkordeon als für den Folkie …

Doris Joosten

Bezug: go! www.bosworth.de , go! www.musikverlag-hildner.de

 

GERHARD HILDNER [Zsgest.]

Update vom
27.04.2015
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