Rezensionen INTERNATIONAL


EMRE & LÜTFÜ GÜLTEKIN
L’Exil, Refuge Du Barde

(Homerecords.be, go! www.homerecords.be , go! www.lutfugultekin.com , go! www.roza-enflorese.be , Booklet + Zugangscode zu HD-Download-Box: go! www.downloadbox.be/en/presentation )
12 Tracks, 45:53, mit frz. u. fläm. Infos

Dies ist mehr als „nur“ ein Album großartiger türkischer Barden – Emre Gültekin und sein Vater Lütfü zählen zu den großen Sazspielern und Liedersängern. Der „Zufluchtsort Exil“ wurde vielmehr zum klingenden Beleg für die Inspirationskraft der Diaspora. Elf Gastmusiker der belgischen Szene aus dem Senegal, Belgien, Deutschland, der Türkei und Armenien lassen das Exil kunstvoll widerhallen. Da findet sich ein Dudukstück des armenischen Komponisten Komidas, Anklänge an Alte Musik und ein kasachisches Instrumentalstück. Das Album ist eine klingende Hommage an das Zusammenwirken von Musikern unterschiedlicher Herkunft. Kritisch angemerkt werden muss: Wer derart wohltuend konsequent auftritt, der sollte „Das Exil als Zufluchtsort der Barden“ auch einem möglichst breiten Publikum vermitteln, das die Sprache der Emigranten oft nicht versteht. Es fehlen Übersetzungen der Lieder, wie etwa des Klageliedes für Hrant Dink, den 2007 ermordeten Herausgeber der armenischen Zeitung Agos. Das Digipak, das ohne CD, aber mit Zugangscode zum Download vertrieben wird, enthält zwar ein zwölfseitiges Booklet mit vielen bunten Fotos, aber keine Informationen. Chance vertan.

Birger Gesthuisen

 

EMRE & LÜTFÜ GÜLTEKIN – L’Exil, Refuge Du Barde


INTERZONE 3ÈME JOUR
Waiting For Spring

(Intervalle Triton/L’Autre Distribution, go! www.sergeteyssot-gay.net , go! www.davidbyrne.com )
7 Tracks, 43:59, mit engl., frz. u. arab. Infos

Dieser ungewöhnliche Dialog zwischen einer E-Gitarre und einer Kurzhalslaute führt durch intensive musikalische Stimmungen. Vor elf Jahren lernten sich der französische Rockgitarrist Serge Teyssot-Gay und der syrische Udspieler Khaled Aljaramani in Damaskus kennen. Ihr drittes gemeinsames Album reflektiert musikalisch auch den Krieg in Syrien, wovon der Albumtitel, Liedtitel wie „Invasion“ und „Evasion“ und deren instrumentale Klangbilder zeugen. Expressionistische Melodieverläufe mit lyrischer Weite werden von kraftvoll-rockigen Einschüben unterbrochen, die Stimmung schwankt zwischen federleichter Freude und abgrundtiefer Trauer. Teyssot-Gay zeigt ein äußerst feinsinniges Zusammenspiel mit Aljaramani, der mit seinem ungemein ästhetischen Lautenspiel überzeugt. Besonders inspiriert wurden die Musiker vom Taktreichtum des Orients: In jedem Stück verwenden sie eine andere Taktart, manchmal spielen sie polyrhythmisch. Am Ende geht eine Rockballade bruchlos in ein erschütterndes, arabisches Lied über. Es wurde vor 820 Jahren in Aleppo geschrieben, der Dichter Sohrawardi sagte darin seinen gewaltsamen Tod voraus: „Meine Seele ist ein Vogel und dieser Körper war sein Käfig. / Ich flog fort und der Käfig blieb leer.“

Birger Gesthuisen

 

INTERZONE 3ÈME JOUR – Waiting For Spring

Update vom
30.08.2013
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