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Amparo Sánchez

Band’s End

Amparanoia

„Interviews können sehr interessant sein und dir helfen, etwas über dich selbst zu lernen. Du sprichst mit Menschen, die häufig deine Ideen und Vorstellungen teilen, oft diskutierst du auch dabei, und das macht dich nicht nur zur Befragten, sondern auch zur Fragenden.“

Der Schlusspunkt ist gesetzt, doch zum Abschied gibt es noch mal ein großes Ausrufezeichen: Mit einem Dreifachalbum, zwei CDs und einer DVD schickt Amparo Sánchez ihre Band Amparanoia nach zwölf Jahren in den Ruhestand. Dass es nicht das Ende ihres musikalischen Schaffens ist, verrät der Albumtitel: Seguire Caminando – „Ich werde weitergehen“. Aber eben: ich. Nicht: wir. In einem kleinen Kellerklub in der Altstadt Madrids namens La Boca del Lobo („Das Maul des Wolfes“) begann der Ernst des Lebens für die Straßenmusikerin. Das war 1996, die Mestizoszene hatte sich noch nicht auf Barcelona als Stammsitz geeinigt, auch Manu Chao wohnte in Madrid. Und der war es auch, der als Hebammerich am Bett stand, als Amparo Sánchez mit ihrer Bandidee in den Wehen lag. Amparanoia ist jetzt Geschichte, und hier steht sie.

Von Luigi Lauer

Diskografie:
El Poder De Machín
(Edel, 1997)
Feria Furiosa
(Face Down, 1999)
Somos Viento
(EMI, 2002)
Enchilao
(EMI, 2003)
Rebeldía Con Alegría

  (Compilation; EMI, 2004)
La Vida Te Da
(Wrasse, 2006)
Seguire Caminando
(Via Lactea, 2008)
Seguire Caminando

Amparanoia unterwegs:
26.07.08: Berlin, Popdeurope

go! www.amparanoia.com

Reggae und Ska, Punk und Balkan, Flamenco und Rock, Rumba und HipHop – wer mit so vielen Ingredienzen hantiert, der hat rasch eine Soße zusammen, die man nur noch runternudeln kann. Bei Amparanoia hat das Biss, mehr noch, die Band hat daraus trotz der Vielfalt einen Sound kreiert, der unverwechselbar ist. Das liegt vor allem an Amparo Sánchez selbst, ihre Stimme und ihr Gesang sind sehr eindringlich, und die Refrains sind dank ihres unbeirrbaren Gefühls für kurze, griffige Melodien wahre Ohrwürmer. Man muss nicht nach Spanien, um dreiviertel des Publikums mitsingen zu hören, das geht auch in Köln, Berlin oder Bad Tölz. Es darf bezweifelt werden, dass alle verstehen, was sie da singen, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Die Texte sind zwar eindeutig aus dem linken Milieu, doch Amparo Sánchez hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie nicht an die Veränderung der Welt durch gesungene Kommentare glaubt. Bislang hat sie damit ja auch Recht behalten. Und dass in dieser Welt das Glück des kleinen Mannes gelegentlich eben darin besteht, sich auch mal die Kante zu geben, zu singen und loszutanzen, hat Amparo Sánchez auch nie bestritten, schließlich heißt eines ihrer Alben übersetzt „Rebellin mit Freude“. Und damit soll jetzt Schluss sein?

Amparo Sánchez

„Darüber fing ich 2006 an, nachzudenken, wir waren da mit dem Album La Vida Te Da unterwegs. Einen Auftritt in Barcelona hatten wir gefilmt, ich wollte das auf einer DVD festhalten, und Anfang 2007 nahm ich eine Auszeit, um all das Material, das sich in den gut zehn Jahren angesammelt hatte, durchzuhören für eine CD. Dabei ging mir immer öfter durch den Kopf, dass dies ein guter Schlusspunkt wäre – irgendwann ist man es auch leid, immer dieselben Lieder und dasselbe Programm zu spielen. Amparanoia war ja von Anfang an als Projekt angelegt, das irgendwann einmal enden würde, und jetzt kam all dies zusammen und ich dachte: Ja, dies ist der richtige Moment. Natürlich mache ich weiter Musik, aber ich will neue Wege gehen, dem Publikum etwas Neues präsentieren. Es ist also nicht wirklich ein Schlusspunkt, eher einer der Veränderung, ich arbeite auch schon an neuen Liedern.“ Und in welche Richtung führen die neuen Wege? „Das ist schon in Arbeit. Ich habe schon Sachen aufgenommen in Tucson, Arizona, aber es sind noch zu viele Fragen offen, wie und wohin es gehen soll. Amparanoia hatte eine ganz typische Art von Musik und Präsentation, auch von Kommunikation mit dem Publikum. Da suche ich noch nach neuen, natürlich anderen Wegen. Wir arbeiten daran.“


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im Folker! 4/2008