LABELPORTRÄT |
NR. 31 |
Nach Erfolgen en masse bei den internationalen Multis haben sich die beiden Holländer Evert Wilbrink und Bert de Ruiter den Allroundslogan für die bessere Erdung in jeder Beziehung nicht nur in künstlerischer Hinsicht zum Credo gemacht, sondern auch in geschäftlicher. „From Small Things (Big Things One Day Come)“ nannte es Bruce Springsteen im gleichnamigen Song 1979: Am Anfang steht die kleine Lösung für ein begrenztes Problem. Nicht lange hin, und die Plattenwelt ist um ein aufstrebendes Label mit einem klaren Roster von unterdessen 52 Acts reicher. Und was dereinst einmal am Ende der Geschichte stehen wird? Wenn die skeptischen Marktprognosen seiner beiden Chefs auch auf das holländische Singer/Songwriter-Label CoraZong zutreffen sollten, werden wir’s noch persönlich erleben. Wenn’s ein bisschen besser läuft aber möglicherweise auch nicht - dann ist ein Ende der Erfolgsgeschichte vorläufig nicht abzusehen.
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Von Christian Beck
Die unternehmerische Keimzelle, der mit CoraZong - offiziell gegründet im Dezember 2003 - in kürzester Zeit eines der profiliertesten Americana-Labels entsprang, die in Europa heute aktiv sind, war Ende der Neunzigerjahre das überschaubare Anliegen, die Veröffentlichungen ihres holländischen Landsmanns Julian Sas möglichst effektiv auf dem Markt zu platzieren. Die tatsächlichen Ursprünge der Firmengruppe CoraZong Music Management mit der gleichnamigen Bookingagentur, dem Label CoraZong Records und dem Verlag CoraSongs aber reichen viel weiter zurück - nämlich zumindest bis in die frühen Jahre der beiden Besitzer der Firma, Bert de Ruiter und Evert Wilbrink.
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Die beiden Holländer als alte Hasen in ihrem Metier zu bezeichnen, wäre eine charmante Untertreibung - die Liste ihrer jeweiligen Karrierestationen ist so lang, man muss sie, um im Bild zu bleiben, wohl zumindest uralte Hasen nennen, wenn nicht ururalte. CoraZong-Präsident Evert Wilbrinks Geschichte im Musikgeschäft reicht zurück bis in die frühen Sechzigerjahre: Als freier Print-, Radio- und TV-Journalist aktiv seit er sechzehn war bis Ende der Siebziger, schmiss er Mitte der Sechziger sein Studium der Soziologie und Politikwissenschaften, um in der Presseabteilung der damals noch existierenden CBS Holland Meldungen über Tony Bennett oder persönliche Lieblinge wie Bob Dylan und die Byrds zu schreiben.
„Also ran an die Buletten, aus der Not eine Tugend gemacht und mit einer unabhängigen kleinen Firma noch einmal ganz von vorn angefangen.“ |
Von da an ging es Schlag auf Schlag: Wechselnde Firmen, wechselnde Positionen, wechselnde Erdteile und wechselnde Nummer-Eins-Hits sowie Goldene und Platinschallplatten mit Stars der Sechziger, Siebziger und Achtziger, von Frank Zappa und den Doors über Roxy Music und Bob Marley bis Joan Jett und Herman Brood & His Wild Romance, die er zudem acht Jahre managte, zeugen von einer Topkarriere unter Volldampf.
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Gleichermaßen nicht faul währenddessen CoraZong-Manager Bert de Ruiter,
der es über die Marketing-, Produktions- und Vertriebsabteilungen
verschiedener Firmen zunächst bis zum International Marketing Manager und
Senior European Marketing Director von Herb Alperts und Jerry Moss’ Label
A&M brachte und daran anschließend zum Director of International
Marketing des A&M-Schwesterlabels PolyGram. In diesen Funktionen
zeichnete er weitgehend verantwortlich für die europäischen Erfolge solcher
Popgrößen wie Sting, Bryan Adams oder Suzanne Vega, die bereits Stars waren.
Aber auch vergleichsweise unbeschriebene Blätter wie Jann Arden und die noch
am Beginn ihrer Karriere stehende Sheryl Crow, von deren Debütalbum mit
seiner Marketinghilfe - noch bevor sie mit „All I Wanna Do“ ihren ersten Hit
hatte - 100.000 Einheiten abgesetzt wurden, profitierten unmittelbar von
seiner Erfahrung und Klasse und tun dies bis heute.
Eine Liste aller erschienenen Labelporträts findest Du im Archiv!
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