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I Do Not Want What I Haven’t Got (Ensign/Chrysalis, 1990) |
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09.11.07: Leverkusen, Forum (Leverkusener Jazztage) | ![]() |
Für alle, die es noch nicht wissen: Sinéad O’Connor
ist zurück. „Wie bitte?“, werden jetzt gewiss manche sagen, hatte sie
doch 2003 ihren Rückzug aus dem Musikgeschäft verkündet und an der
Endgültigkeit dieser Entscheidung seinerzeit keinen Zweifel gelassen -
sogar eine Abschieds-DVD gab’s für die Fans. Aber Sinéad O’Connor wäre
wohl nicht Sinéad O’Connor, wenn dies die letzte Überraschung gewesen
wäre, die sie der Öffentlichkeit zu bieten hatte. Legte sie doch 2005
mit Collaborations und dem in der Fachwelt mit viel Beifall
bedachten Reggae-Album Throw Down Your Arms
bereits wieder zwei neue Longplayer vor. Wenn das nicht jeder
mitbekommen hat, dann liegt es nicht zuletzt daran, dass es insgesamt
deutlich ruhiger um die mittlerweile 40-jährige Musikerin geworden
ist, deren Auftritte in der Vergangenheit stets ein gefundenes Fressen
für die Medien waren. Das öffentliche Ausbreiten ihrer schwierigen
Kindheit, das Zerreißen eines Papstphotos während einer
Fernsehtalkshow in den USA, die Weigerung, bei einem Konzert
aufzutreten, das mit der US-amerikanischen Nationalhymne eröffnet
werden sollte (Frank Sinatra wollte ihr deshalb in den Körperteil
treten, an dem Männer gewöhnlich ihr Portemonnaie tragen), die
Berufung zur Priesterin einer unabhängigen Glaubensgemeinschaft
innerhalb der katholischen Kirche und, und, und ... Die Reihe der
Provokationen und Wunderlichkeiten ließe sich beliebig fortsetzen.
Allerdings läuft man dabei Gefahr, jene Sinéad O’Connor in den
Hintergrund zu drängen, die eigentlich im Vordergrund stehen sollte:
die außergewöhnliche Musikerin.
Von Markus Dehm
Sinéad O’Connor ist noch immer ein Star, wenngleich die
Verkaufszahlen und Chartplatzierungen ihrer letzten Alben dies nicht
unbedingt unterstreichen, dafür waren diese Arbeiten wohl zu wenig dem
Mainstream zugeneigt. Aber reden möchten dennoch alle mit ihr - seien
es US-amerikanische Topentertainer, der bekannteste Talkmaster des
irischen Fernsehens oder auch das deutsche ZDF. Sie alle laden
O’Connor ein, um mit ihr über ihr jeweils neuestes Album und ihre
Musik zu sprechen. In Wirklichkeit hoffen sie allerdings wohl
hauptsächlich auf die nächste Grobschlächtigkeit der Irin gegenüber
Politikern, Musikerkollegen oder einfach nur auf eine Schlagzeile, die
sich aus einer ihrer Äußerungen heraustrennen lässt. Denn mit
spektakulären Äußerungen und Verlautbarungen hat sie vor allem
Journalisten immer wieder gut zugearbeitet, und sie sagt deshalb nicht
zu Unrecht, aber auch mit einem Hauch von Verbitterung, dass mit ihr
doch immer ganz gut Geld zu verdienen war. Dabei tat Sinéad O’Connor
selbst fast alles, um in der Öffentlichkeit ein Bild von sich zu
zeichnen, das sie stets angreifbar machte, das sie zuweilen sogar zum
Gespött werden ließ. Die Irin hatte immer ein Problem damit, ihre sehr
ernst gemeinten Thesen, Spekulationen, Meinungen, An- und Einsichten
einer Öffentlichkeit zu vermitteln, die in ihr nur den Popstar sah und
sehen wollte. Zu wirr, zu unstrukturiert und häufig auch zu impulsiv
trug sie das vor, was ihr zum jeweiligen Zeitpunkt wichtig war.
Ungeschminkt und ohne je wirklich auf PR-Berater zu hören, hat sie ein
Publikum mit gesellschaftspolitischen Aussagen konfrontiert, das doch
eigentlich nur „Nothing Compares 2 U“ hören wollte, ihren Megahit aus
dem Jahre 1990, der ihr auf ewig einen Spitzenplatz innerhalb einer
Musikrichtung sicherte, die eigentlich nie die ihre war. Denn, so
betont sie immer wieder, als Popstar habe sie sich zu keiner Zeit
ihrer Karriere gesehen und das wollte sie auch nie sein. Und dennoch
war sie einer.
Es ist schon spannend, einer Persönlichkeit zu begegnen, die es im Laufe einer über 20-jährigen öffentlichen Karriere verstanden hat, Freund wie Feind vor den Kopf zu stoßen, die an sich selbst vermutlich ebenso oft zerbrochen ist, wie an der öffentlichen Meinung über sie. In den Medien wird sie häufig als sprunghaft dargestellt, als jemand, der selbst nicht so recht weiß, was er will. Und sie bestätigt dieses Bild natürlich, in dem sie nach außen hin ein Leben führt, das „Lieschen Müller“ mindestens ein verständnisloses Kopfschütteln abverlangt. Vier Kinder von vier verschiedenen Männern - da wird die bürgerliche Moral natürlich auf das Empfindlichste gereizt.
In München machte die Musikerin für einen Tag im Rahmen einer
Promotiontour Station, um der Presse ihr neues Album vorzustellen, das
den programmatischen Titel Theology trägt. Auch dem
Folker! wurde Audienz gewährt, und verfolgt man O’Connors
Karriere, so kann man allerspätestens seit der CD Sean-Nós Nua
aus dem Jahre 2002 sagen, dass genau in diesem Magazin auch der
richtige Platz für ihre Musik ist.
Man hat Sinead O’Connor einen Raum in einem noblen Hotel reserviert, der aussieht, als sei er für die irische Staatspräsidentin hergerichtet. Barfüßig sitzt sie auf dem edlen Sofa, vor sich eine Schachtel Zigaretten und eine Tasse Kaffee. Das Ganze hat durchaus etwas Unwirkliches. Die Szenekneipe um die Ecke wäre der wohl passendere Ort gewesen, allerdings lassen sich dort Interviews, schon wegen der Geräuschkulisse, meist schwieriger führen. Bei der Begrüßung hatte man zunächst das Gefühl, sie wirke etwas abwesend, vielleicht sogar desinteressiert. Allerdings täuschte dieser Eindruck, denn die Irin entpuppte sich als sehr angenehme und aufmerksame Gesprächspartnerin.
Würdest du dich als eine von der irischen Musiktradition geprägte Musikerin bezeichnen oder war da einfach nur die Liebe zur Musik, ganz egal welcher Art?
Die Liebe zur Musik ganz allgemein, denn, ob du es glaubst oder nicht, mir war irische Musik eigentlich bis zu meinem 14. Lebensjahr gänzlich fremd, ich hatte überhaupt keine Berührung damit. Als ich aufwuchs, war es absolut uncool, irische Musik zu hören, es war sogar uncool mit einem irischen Akzent zu singen. Mit 14 hörte ich dann bei einem Konzert die Fureys spielen. Und dieser Konzertabend veränderte wohl mein Leben für immer. An diesem Abend hörte ich den Song „The Lonesome Boatman“ und war total überwältigt von diesem Lied.
Wurden die Fureys dann so etwas wie musikalische Idole für dich?
Nein, es war nicht die Band, es war dieser spezielle Song, der mein Interesse an traditionellen irischen Liedern weckte. Wenngleich ich nicht wirklich an dieser Musik interessiert bin, es sind einfach nur einzelne Songs. In der irischen Musik gibt es Lieder von unglaublicher Intensität und Kraft. Deshalb habe ich auch dieses Album mit irischer Musik gemacht [die Rede ist von Sean-Nós Nua; Anm. d. Autors].
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