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Rainald Grebe & |
Radiokulturhaus Wien, irgendwann Anfang Mai 2007. Ein Mann mit einem stark juckenden Bart betritt den spärlich ausgeleuchteten Raum, sich ständig kratzend und kaum Hörbares murmelnd. Wortfetzen wie „Hm, ganz ordentlich“, „Ist doch schön hier“ und dergleichen dringen an die Oberfläche seines (freilich falschen) Bartes. Minuten verstreichen, in denen dieser komische Kauz nicht viel mehr tut und dennoch die volle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Irgendwann erreicht er dann doch die Bühne, setzt sich vor das Klavier, macht große Augen und Halbsätze. Und dann, quasi aus dem Nichts die Ankündigung eines Liedes: „Meine lieben Schlagerfreunde, ich möchte jetzt meinen Gassenhauer singen mit dem Titel ‚Bei Stromausfall ist die Gelegenheit günstig, mit ihrem Fön zu baden‘.“ Ein Phänomen geht um in Deutschland. Das Phänomen Rainald Grebe.
Von Manfred Horak
Zeitenwechsel. Rückblende ins Jahr 2006. Als Juror der Liederbestenliste erhält man sehr viele Tonträger mit deutschsprachigen Texten zugesandt (danke!), eines Tages landete denn auch bereits eine vom Cover her sehr auffällige CD im Briefkasten. Darauf sieht man einen leicht irritierend streng dreinblickenden Mann mit der Kopfbedeckung eines Indianerhäuptlings. Abgesehen davon wirkte das Photo auf irgendeine Art und Weise teuer - und tatsächlich war der legendäre Starphotograph Jim Rakete dafür verantwortlich. Das Beste aber war, dass die darauf enthaltene Musik hielt, was die Abbildungen versprachen, denn was der Sänger und Pianist Rainald Grebe gemeinsam mit seiner Kapelle der Versöhnung, den zwei Musikerkollegen an diversen Schlag- und Zupfinstrumenten, abliefert, ist mehr als bemerkenswert. Derart bemerkenswert, dass sein Lied „Es ist gut“ im März 2006 bis auf Platz zwei der Liederbestenliste kletterte. Fragen drängten sich auf: Wer ist Rainald Grebe, wie kommt er - der bis dahin hauptsächlich im Comedy- und Kabarettbereich wirkte - zu diesen mehrfachen liedtauglichen Textsalti innerhalb eines Liedes, und vor allem, wo nimmt er bloß all diese feinen Melodien her?
Also wieder zurück in die Gegenwart und nach Wien, wo er erstmals auftrat (wenn auch „nur“ solo) und dabei gewissermaßen seine neue CD Volksmusik insofern präsentierte, dass er auch einige Lieder daraus spielte sowie nach der Vorstellung für ein Interview bereit war. „Deutsche Sprache und Musik“, so Grebe, „das ist so ein Zauberding, würde jetzt der André Heller sagen, also: so schwer auch ... Ich weiß ja selber, wenn man Lieder schreibt, manche haut man weg, weil, die werden nicht gut. Ich bewege mich beim Hören immer zwischen den Liedermachern alter Tradition, wie Degenhardt, Ulrich Roski, Süverkrüp oder Hüsch, der mich eigentlich überhaupt auf diesen Weg gebracht hat bis hin zu Funny van Dannen und Peter Licht. Und dann gibt es diese Popsachen wie Element of Crime. Man ist ja immer auf der Suche. Ich bin auf der Suche nach der Kante zwischen Humor, Ironie und tiefstem Ernst - je nach Stimmung -, dass man eigentlich immer denkt, es kippt. Wenn ich manchmal alleine für mich singe, muss ich hoppeln, dann ist es gut, und wenn ich vor Publikum spiele, kicken die oft. Ich könnte nie einen Text wie Christina Stürmers ‚Engel fliegen einsam‘ schreiben - Mannomann - der vollkommen sinnentleert ist, wo Gefühle geheuchelt werden.“
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