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Das Abschiedskonzert (WortArt, 2004) |
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Rainald Grebe & | ![]() |
Radiokulturhaus Wien, irgendwann Anfang Mai 2007.
Ein Mann mit einem stark juckenden Bart betritt den spärlich
ausgeleuchteten Raum, sich ständig kratzend und kaum Hörbares
murmelnd. Wortfetzen wie „Hm, ganz ordentlich“, „Ist doch schön hier“
und dergleichen dringen an die Oberfläche seines (freilich falschen)
Bartes. Minuten verstreichen, in denen dieser komische Kauz nicht viel
mehr tut und dennoch die volle Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Irgendwann erreicht er dann doch die Bühne, setzt sich vor das
Klavier, macht große Augen und Halbsätze. Und dann, quasi aus dem
Nichts die Ankündigung eines Liedes: „Meine lieben Schlagerfreunde,
ich möchte jetzt meinen Gassenhauer singen mit dem Titel ‚Bei
Stromausfall ist die Gelegenheit günstig, mit ihrem Fön zu baden‘.“
Ein Phänomen geht um in Deutschland. Das Phänomen Rainald
Grebe.
Von Manfred Horak
Zeitenwechsel. Rückblende ins Jahr 2006. Als Juror der
Liederbestenliste erhält man sehr viele Tonträger mit
deutschsprachigen Texten zugesandt (danke!), eines Tages landete denn
auch bereits eine vom Cover her sehr auffällige CD im Briefkasten.
Darauf sieht man einen leicht irritierend streng dreinblickenden Mann
mit der Kopfbedeckung eines Indianerhäuptlings. Abgesehen davon wirkte
das Photo auf irgendeine Art und Weise teuer - und tatsächlich war der
legendäre Starphotograph Jim Rakete dafür verantwortlich. Das Beste
aber war, dass die darauf enthaltene Musik hielt, was die Abbildungen
versprachen, denn was der Sänger und Pianist Rainald Grebe gemeinsam
mit seiner Kapelle der Versöhnung, den zwei Musikerkollegen an
diversen Schlag- und Zupfinstrumenten, abliefert, ist mehr als
bemerkenswert. Derart bemerkenswert, dass sein Lied „Es ist gut“ im
März 2006 bis auf Platz zwei der Liederbestenliste kletterte. Fragen
drängten sich auf: Wer ist Rainald Grebe, wie kommt er - der bis dahin
hauptsächlich im Comedy- und Kabarettbereich wirkte - zu diesen
mehrfachen liedtauglichen Textsalti innerhalb eines Liedes, und vor
allem, wo nimmt er bloß all diese feinen Melodien her?
Also wieder zurück in die Gegenwart und nach Wien, wo er erstmals
auftrat (wenn auch „nur“ solo) und dabei gewissermaßen seine neue CD
Volksmusik insofern präsentierte, dass er auch einige Lieder
daraus spielte sowie nach der Vorstellung für ein Interview bereit
war. „Deutsche Sprache und Musik“, so Grebe, „das ist so ein
Zauberding, würde jetzt der André Heller sagen, also: so schwer auch ...
Ich weiß ja selber, wenn man Lieder schreibt, manche haut man weg,
weil, die werden nicht gut. Ich bewege mich beim Hören immer zwischen
den Liedermachern alter Tradition, wie Degenhardt, Ulrich Roski,
Süverkrüp oder Hüsch, der mich eigentlich überhaupt auf diesen Weg
gebracht hat bis hin zu Funny van Dannen und Peter Licht. Und dann
gibt es diese Popsachen wie Element of Crime. Man ist ja immer auf der
Suche. Ich bin auf der Suche nach der Kante zwischen Humor, Ironie und
tiefstem Ernst - je nach Stimmung -, dass man eigentlich immer denkt,
es kippt. Wenn ich manchmal alleine für mich singe, muss ich hoppeln,
dann ist es gut, und wenn ich vor Publikum spiele, kicken die oft. Ich
könnte nie einen Text wie Christina Stürmers ‚Engel fliegen einsam‘
schreiben - Mannomann - der vollkommen sinnentleert ist, wo Gefühle
geheuchelt werden.“
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