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Storm Warning (Single; Rex, 1957) |
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Dr. John beim Stimmen Festival | ![]() |
Fiebrig und bigott wie die amerikanischen Südstaaten
selbst - lange bevor er es endlich zum elder statesman des
„N’Awlinz Fonk“ gebracht hatte, war Dr. John bereits der Inbegriff der
in allen nur erdenklichen Farben und Formen schillernden Musik der
Region. Und eine unerschütterliche Statur, an der sich die vom
Hurrikan geschundene Stadt aufrichten und auf den beschwerlichen Weg
durch den Wiederaufbau machen kann. Beim diesjährigen Stimmen-Festival
singt er das Lied der Heimat nun auch in Lörrach.
Von Christian Beck
Voodoo! Wer an so etwas glaubt, der ist womöglich auch der Meinung,
Malcolm John Rebennack Jr., genannt Mac Rebennack, genannt Dr. John,
habe schon immer gewusst, dass Katrina eines Tages kommen würde. Schon
seine erste Single überhaupt hieß Anfang der 60er „Storm Warning“,
2004 bekam auch die Wiederveröffentlichung der frühen Aufnahmen
denselben Titel - und ein Jahr später war der Hurrikan da. Oder warum
nicht gleich: Er sei vermutlich sogar schuld an dem
Jahrhunderthurrikan, der zwischen dem 23. und dem 31. August 2005 New
Orleans dem Erdboden, um nicht zu sagen dem Meeresboden gleich
machte!? „To jinx“ nennt der Amerikaner derart magisches Tun, „jinxen“
gleich „verhexen“ - in einem Falle wie dem vorliegenden etwa, indem
man das Unaussprechliche einfach ausplaudert, damit erst ermöglicht,
heraufbeschwört, verursacht, verschuldet. Der amerikanische Süden ist
voll von dergleichem Glauben an Geister, guten wie bösen, Louisiana
ist das Kernland der Bewegung, New Orleans das pulsierende Herz. Und
Dr. John, der allerschrägsten Vögel einer, nicht nur in Sachen
„N’Awlinz“, wie er die Mutter aller afroamerikanischen Musikzentren
nennt, ist am Abend einer ereignisreichen Karriere die Stimme dieses
Schmelztiegels der Rassen, Kulturen, Obsessionen in der Welt.
New Orleans - wer dort aufgewachsen ist, den lässt dieses in allen
erdenklichen Farben leuchtende Feuerwerk der Musik nicht mehr los,
auch nicht wenn er wie Zeremonienmeister Rebennack längst in die
gesetzteren Residenzen von Long Island verzogen ist und gerade in
Minneapolis auf der Bühne steht. „Das war die
Auge-des-Sturms-Version“, sagte der Dr. laut Minneapolis Star
Tribune über eine besonders aggressive Darbietung des
Instrumentals „Honeydripper“, während Katrina seine Heimatstadt im
Würgegriff hatte. „Der Hurrikan hat sich in meinem Bewusstsein
eingenistet, also entschuldigt bitte, wenn es auf Sturmbetrieb
weiterläuft. Ich werde versuchen, es nicht zu übertreiben.“
Öfter mal was Neues! Es nicht zu übertreiben, wäre im Leben des
amtierenden Weltbotschafters des N’Awlinz Fonk auch früher schon
gelegentlich eine gute Idee gewesen - aber was bleibt einem
infizierten jungen Mann schon übrig, wenn ihm Drogen, Sex und Rock ’n’
Roll im Genick sitzen, ihn locken, ihn rocken, als über die Stränge zu
schlagen, so hoch es nur geht? Der angehende Dr. der New-Orleans-Musik
gab den Verlockungen nach - von dem Moment an, als er rund um den
Laden seines Vaters, der in der Nachbarschaft der Dillard-Universität,
des ältesten „black college“ in Louisiana, Schallplatten verkaufte,
mit all den hippen Race Records und dem, was sie ihm zu bieten hatten,
in erste jungfräuliche Berührung kam: Blues und R ’n’ B, Gospel und
Jazz, Bebop wie Traditional Jazz, Hillbilly.
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