website | ||||
![]() |
![]() |
![]() | ||
discographie | ||||
![]() |
Pretty (1980) |
![]() | ||
unterwegs | ||||
![]() |
02.07.07: Freiburg, Zeltmusikfestival | ![]() |
Eine Frau wie ein Tornado. Sie zieht alles an sich,
saugt es auf und lässt es kräftig durchgewirbelt zurück. Eine Frau wie
eine Bombe. Eine Bühne genügt zum Zünden, und nichts ist vor der
Druckwelle sicher, die sie verbreitet. Eine Frau wie ein Mahnmal. Sie
will nicht missionieren, doch die ständige Konfrontation mit dummen
Vorurteilen oder gezielter Propaganda gegen Afrika bekämpft sie mit
ebensolcher Beständigkeit. Die Argumente hat sie auf ihrer Seite. Die
Politik und die Medien nicht. Angélique Kidjo - eine starke Stimme für
Afrika.
Von Luigi Lauer
„Sister Soul Summit“ hieß die Veranstaltung Ende Mai in Berlin, mit
der die Organisation Oxfam dazu aufrief, die G8-Teilnehmer an ihre
Versprechen bezüglich Afrika zu erinnern. Im schottischen Gleneagles
wurde 2005 ein umfangreicher Katalog beschlossen - nur kann man
bislang noch nichts daraus bestellen. „Deine Stimme gegen Armut“ war
das Protestival von Oxfam in Berlin überschrieben, das nur den Anfang
bundesweiter Aktionen darstellte. Neben Angélique Kidjo als
Hauptattraktion waren auch Diane Weigmann, Laura Lopez Castro und Pink
Martini zu hören. Doch wer hier das Heft in der Hand hatte, war nach
wenigen Takten klar, eine energiegeladene Band, deren Hallensound
leider erst nach der Hälfte erträglich wurde, reagierte in
Sekundenbruchteilen auf Kidjos Kommandos. Plötzlich ist sie
verschwunden, mischt sich singend und tanzend unters Publikum und holt
für das nächste Lied gleich 20 Leute zum Tanzen mit auf die Bühne.
Ein Star zum Anfassen, kein Zaun, keine Bannmeile. Kaum zu
verstehen, dass Angélique Kidjo in kleinen bis mittleren Clubs
auftritt, während weit weniger fähige, aber nach
Marketinggesichtspunkten formbare Musikerinnen ganze Hallen bevölkern.
Dabei ist das durchaus eingängig, was die 46-jährige Ausnahmesängerin
aus Benin seit 20 Jahren international präsentiert, tanzbare Popmusik
der intelligenteren Sorte, mit Refrains, die auch dann leicht
mitzusingen sind, wenn man nicht in ihrer Muttersprache Fon fit ist.
Bewiesen hat sie das mit den Hits „Agolo“ (1994) und „Wombo Lombo“
(1996), mit denen sie sich aufs internationale Parkett katapultierte.
Mit ihrem Mann ist sie 1995 eigens für mehrere Monate nach Benin
gereist, um ihre Kenntnisse in traditioneller Musik aufzufrischen und
zu erweitern, die rhythmische Vielfalt ihrer Musik zeugt davon. Doch
Angélique Kidjo hat nicht nur was zu singen, sondern auch etwas zu
sagen, und das fließend in gut einem halben Dutzend Sprachen. Deutsch
übrigens auch, aber sie ist etwas aus der Übung und traut sich nicht
so recht.
Als hätte Angélique Kidjo nicht genug damit zu tun, Karriere und
Kind unter ihrer blondierten Kurzhaarfrisur zu vereinen, kämpft sie
beständig gegen die kleinen und großen Vorurteile gegenüber Afrika,
klärt Missverständnisse bezüglich ihrer Voodooreligion auf, macht auf
die Umweltzerstörung aufmerksam und engagiert sich in mehreren
Organisationen. Seit 2002 ist sie UNICEF-Botschafterin - eben diese
Organisation sorgte dafür, dass sie als Kind die nötigen Impfungen
erhielt. Kidjo war die erste, die UNICEF und Oxfam zur Zusammenarbeit
animierte, anlässlich einer Hungersnot in Kenia. Darüber hinaus ist
sie für amnesty international aktiv und unterstützt noch ein paar
andere Organisationen, zum Beispiel eine, die Patenschaften für
afrikanische Kinder vermittelt, um deren Schulbildung zu sichern. Sie
selbst hatte das Glück, aus der oberen Mittelschicht zu stammen, zur
Schule gehen und studieren zu können, was keineswegs
selbstverständlich ist in Benin. Deshalb ist sie Projekten besonders
zugeneigt, die sich um die Schulbildung bemühen, die der Mädchen
zumal. Aber: Kein Engagement ohne ausführliche Prüfung, Angélique
Kidjo klopft sehr genau ab, für wen sie ihre Zeit, ihren Namen und
auch ihr Geld hergibt.
Die Biographie sei hier nur überflogen, die Eckpunkte lassen sich überall nachlesen: Schon als kleines Mädchen beweist die am 14. Juli 1960 in Cotonou geborene und in der Küstenstadt Ouidah aufgewachsene Angélique Kidjo großes Geschick und rasche Auffassungsgabe beim Singen, Tanzen und Trommeln. Die Mutter ist Choreographin und Theaterleiterin, Angélique steht schon als Kind mit auf der Bühne. Die elfköpfige Familie gehört zum Volk der Pedah, eine von 60 Sprachgruppen in Benin. Was „kämpfen“ bedeutet, lernt Angélique Kidjo früh. In der Coverband ihrer Brüder, den Kidjo Brothers, fängt sie an, bald wechselt sie zur Gruppe Alafia, mit der sie durch das Land tourt. Das wird nicht gerne gesehen, sie muss sich gegen allerlei Anfeindungen wehren. Einen ersten Frankreichbesuch 1980 nutzt sie, um das Debütalbum Pretty aufzunehmen, das sehr beliebt wird in Afrika. Sie siedelt 1983 nach Paris über, erlangt erste Bekanntheit aber durch ihre Mitarbeit in Jasper van’t Hofs Ethnojazzband Pili Pili aus Holland, wo sie 1984 einsteigt und auf zwei Alben singt. Dann stellt sie sich endgültig auf eigene Füße, 1985 wird das Album Ewa Ka Djo in den USA aufgenommen, das Titelstück taucht als Remix später auf dem Album Logozo wieder auf.
|
|
|
|
Interesse? Dann brauchst Du die
Zeitschrift! |
Mehr über Angélique Kidjo
|