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Musik und Politik

Johnny Clegg

Ein Rebell muss neue Ziele finden

website
go! www.johnnyclegg.com
 
auswahldiscographie

Juluka (Johnny Clegg & Sipho Mchunu)
Universal Men
(CBS, 1979)
Ubuhle Bemvelo
(Minc/EMI, 1982)
Scatterlings
(Minc, 1982; Warner, 1983)
A Johnny Clegg and Juluka Collection
(Putumayo, 1996)
Crocodile Love - Ya Vuka Inkunzi
(Sony/Mambo, 1997)

Johnny Clegg & Savuka
Third World Child
(EMI, 1987)
Shadow Man
(EMI, 1988)
Cruel, Crazy, Beautiful World
(EMI/Capitol, 1989)
Heat, Dust & Dreams
(EMI, 1993)
In My African Dream - The Best Of
(EMI, 1994)

Duo Juluka & Ladysmith Black Mamabazo
Cologne Zulu Festival
(Network Medien, 1992)

Johnny Clegg
One Life
(Marabi/harmonia mundi, 2006)

 
unterwegs

(leider nicht in Deutschland,
dafür im benachbarten Ausland):
12.05.07: Hoerdt (F)
16.05.07: Angoulême (F), Musiques Metisses
17.05.07: Laas (F), Festival Transhumances
18.05.07: Benquet (F), Festival
19.05.07: Brétignolles-sur-Mer (F), La 7ème Vague
22.05.07: Toulouse (F), Habana Café
24.05.07: Winterthur (CH)
25.05.07: Nîmes (F)
30.05.07: Lyon (F), Transbordeur
31.05.07: Genf (CH), Victoria Hall
26.06.07: Trélazé (F)
28.06.07: Rouen (F), Archo-Jazz
29.06.07: Sens (F), Festival
30.06.07: Gardanne (F)
01.07.07: Brüssel (B), Couleur Café
06.07.07: Bourg-en-Bresse (F)
07.07.07: Tours (F), Festival
08.07.07: Luxembourg (L), Rock Um Knuedler
12.07.07: Landernau (F), Kann ar Loar
14.07.07: Chartres (F)
15.07.07: Pamiers (F)
03.08.07: Paimpol (F) tbc
06.08.07: Gordes (F) tbc
07.08.07: Sète (F), Fiesta tbc
13.09.07: Paris Saint-Denis (F), Rugby World Cup
14.09.07: Paris (F), Fête de l’Humanité
15.09.07: Noisy-le-Grand (F)
21.09.07: Saint-Germain-en-Laye (F)
22.09.07: Lens (F)
23.09.07: Villebon-sur-Yvette (F)


Johnny Clegg ist eine Ikone, eine Musik-, Stil- und Politikikone, die zunächst Südafrika und später der ganzen Welt gezeigt hat, dass das Eintauchen in eine andere Kultur keinen Verlust der eigenen Identität bedeutet, sondern sie im Gegenteil bereichert. Johnny Clegg Er steht exemplarisch für die Vermischung der Musik der Zulu mit westlichen Pop-, Folk- und Rocksounds, und mit seiner ebenso gemischten Band gelang ihm Anfang der 80er Jahre trotz der herrschenden Apartheid in Südafrika der Sprung in die europäischen Charts. Die genaue Kenntnis der Zulukultur, die er schon früh unter Beweis stellte, trug ihm folgerichtig den Spitznamen „Weißer Zulu“ ein, und bei seinen Konzerten beeindruckt der Gitarrist und Sänger Johnny Clegg auch mit den perfekt einstudierten energetischen Tänzen seiner schwarzen Brüder. Wie kam es zu dieser berühmtesten interkulturellen Begegnung zu Zeiten der Apartheid? Und was ist heute davon geblieben?

Von Sabine Froese

Bis auf die ersten sechs Monate in seinem Geburtsland Großbritannien, so erzählt der im Juni 54 werdende Johnny Clegg, verbringt er seine frühen Lebensjahre in Südrhodesien, dem heutigen Simbabwe. Dann geht die Familie für zwei Jahre nach Südafrika und anschließend, als Johnny Clegg neun Jahre alt ist, nach Sambia. Dort bekommt er einen Kulturschock: Die schwarzen Schüler und Lehrer sind in der Überzahl, die Apartheid gilt nicht mehr. Er passt sich schnell an, findet viele schwarze Freunde und kommt, als er zwei Jahre später nach Südafrika zurückkehrt, dort nicht mehr klar. Er zieht sich zurück, denn die gleichaltrigen weißen Kids haben für ihn inakzeptable Vorstellungen von Schwarzen - solche Freunde will er nicht haben. Drei Jahre später, 1967, lernt er den Straßenmusiker Charlie Mzila kennen, von dem er lernt, wie die Zulu Gitarre zu spielen. Johnny Clegg Johnny Clegg erinnert sich: „Am Anfang war es die technische Faszination, denn ich entdeckte, dass die Zulu die Gitarre afrikanisiert haben. Sie spielten keine Harmonien, sie änderten die Reihenfolge der Saiten, sie stimmten die Gitarre anders und spielten sie anders. Und ich dachte: Das ist einzigartig, keiner in meiner Kultur kennt das - ich will es lernen!“

Als Johnny Clegg die Zulukultur entdeckt, ist er in einem Alter, in dem Idole eine große Rolle spielen. Er wächst ohne den eigenen Vater auf, die Mutter ist bereits wieder geschieden, es fehlt ihm das männliche Vorbild. Er ist fasziniert von der Energie und Ausstrahlung der Männer bei den Zulus. Ihre Kultur bietet ihm, was er sucht: Kraft, die Erfahrung einer stark körperbetonten, männlichen Präsenz, Identifikation und die Verbindung zu einer Tradition. „Die Zulukultur hat eine ausgeprägte mündliche Überlieferung, eine Tradition, die auch deine Lebensgeschichte einbindet. Ich habe das ganz stark gespürt, denn in meinem weißen Leben fühlte ich mich sehr anonym, unsichtbar.“ Zu dieser Intensität gehört für Johnny Clegg auch die Kraft, mit der die Instrumente gespielt werden: „Sie packen die Konzertina bei der Gurgel und bringen jeden Ton zum Schreien, es ist ein leidenschaftlicher Ausdruck für: ‚Ich lebe! Wir sind lebendig!‘“ Für das Musizieren mit seinen schwarzen Vorbildern wird Johnny Clegg immer wieder verhaftet. Trotzdem gibt er nicht auf, sondern es gelingt ihm im Gegenteil, Kontakt zu der für Weiße eigentlich nicht zugänglichen Welt der Zulu-Wanderarbeiter aufzubauen, und er erarbeitet sich den Ruf eines kompetenten Zulugitarristen.

Juluka und Savuka

Mit dem Gitarristen und Wanderarbeiter Sipho Mchunu gründet Johnny Clegg zunächst das Duo Johnny & Sipho, 1979 dann Juluka. Diese Zusammenarbeit stößt nicht nur bei den Zulu auf Interesse: „Viele Weiße waren neugierig und wollten den schwarzen und den weißen Mann spielen sehen.“ Juluka ist die erste gemischte Popgruppe des Landes Juluka and Savuka und spielt mit ihrem schwarz-weißen Stilmix mehrere Gold- und Platinalben in Südafrika ein, denn trotz Apartheid dürfen die Platten verkauft werden. Bemerkenswert sind diese Verkaufszahlen ebenso vor dem Hintergrund, dass ihre Lieder nicht im Rundfunk gespielt werden dürfen. Auch die Radiolandschaft ist nach Apartheid-Grundsätzen strukturiert: Jede Welle ist auf nur eine Sprache festgelegt. Juluka-Texte allerdings sind immer in Englisch und Zulu und finden deshalb keinen Sender, der sie ausstrahlen darf.


DIE BESONDERE - AFRIKA
JOHNNY CLEGG
One Life

(Marabi 46817-2/harmonia mundi, www.marabi.det)
16 Tracks, mit engl./frz. Infos, Texte engl./zulu

„Ich sitze nicht zwischen zwei Stühlen, sondern auf zweien!“ So hat es der in Frankreich lebende algerische Musiker Rachid Taha treffend ausgedrückt. Auf den „weißen Zulu“ Johnny Clegg, Südafrikaner britischer Herkunft, trifft das nicht minder zu. Obwohl schon als Kleinkind ins südliche Afrika verbracht, hat er eine fette Portion britischen Rock exportiert und mit den Rhythmen und Chorgesängen der Zulu verbunden. Nicht nur deren Tänze, über die er als Anthropologe wissenschaftlich arbeitete, haben den jungen Clegg fasziniert. Es war auch die zupackende Art der Zulu, mit westlichen Instrumenten zu hantieren, die ihm so passend erschien für eine Synthese mit britischer Rockmusik. Ob Akkordeon, Flöte oder Gitarre, die Zulu fieselten nicht mit Angst vor Hornhaut an aristokratischen Fingerlein daran herum, sondern „packten die Instrumente beim Hals“, wie Clegg sich ausdrückt. So setzte er sich auf zwei Stühle, die gar nicht weit auseinander standen. Es war das politische System, das die Lücke schuf, die Apartheid. Die ist nun zumindest formal aus der Welt, und so hat Clegg auf One Life zum ersten Mal auch einen Song auf Afrikaans gesungen, der Sprache der Rassisten, die diese in den Schulen Südafrikas 1976 durchsetzen wollten, was zu den Protesten und dem Massaker von Soweto führte. Mandela hat Versöhnung gepredigt, Wahrheit statt Waffen, Regenbogen statt Rache, und auch Clegg hat diesen Weg eingeschlagen. Es ehrt ihn, denn seine kompromisslose Farbenblindheit hat ihn nicht nur berühmt und wohlhabend gemacht, sie hätte ihn auch leicht das Leben kosten können, Dutzende Male. One Life ist seine fulminante Rückkehr: Erst der Kulturboykott in den 80ern, dann das Ende der Apartheid haben ihn, Ironie der Geschichte, ausgegrenzt, er konnte seine Geschichte nicht unterbringen, als es wichtig wahr, und als er durfte, war die Geschichte selbst unwichtig geworden, der Regenbogen stand 1994 am Himmel, die Wolken verzogen sich. Cleggs Rolle hat sich gewandelt und er beginnt, sich mit ihr anzufreunden: Er ist der Mahner geworden, er sitzt heute auf zwei anderen Stühlen: dem der Perspektive und dem der Retrospektive. Südafrika braucht beides.

Luigi Lauer

 

JOHNNY CLEGG - One Life


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im Folker! 3/2007