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Juluka (Johnny Clegg & Sipho Mchunu) |
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(leider nicht in Deutschland, | ![]() |
Johnny Clegg ist eine Ikone, eine Musik-, Stil- und
Politikikone, die zunächst Südafrika und später der ganzen Welt
gezeigt hat, dass das Eintauchen in eine andere Kultur keinen Verlust
der eigenen Identität bedeutet, sondern sie im Gegenteil bereichert.
Er steht exemplarisch für die Vermischung der Musik der Zulu mit
westlichen Pop-, Folk- und Rocksounds, und mit seiner ebenso
gemischten Band gelang ihm Anfang der 80er Jahre trotz der
herrschenden Apartheid in Südafrika der Sprung in die europäischen
Charts. Die genaue Kenntnis der Zulukultur, die er schon früh unter
Beweis stellte, trug ihm folgerichtig den Spitznamen „Weißer Zulu“
ein, und bei seinen Konzerten beeindruckt der Gitarrist und Sänger
Johnny Clegg auch mit den perfekt einstudierten energetischen Tänzen
seiner schwarzen Brüder. Wie kam es zu dieser berühmtesten
interkulturellen Begegnung zu Zeiten der Apartheid? Und was ist heute
davon geblieben?
Von Sabine Froese
Bis auf die ersten sechs Monate in seinem Geburtsland
Großbritannien, so erzählt der im Juni 54 werdende Johnny Clegg,
verbringt er seine frühen Lebensjahre in Südrhodesien, dem heutigen
Simbabwe. Dann geht die Familie für zwei Jahre nach Südafrika und
anschließend, als Johnny Clegg neun Jahre alt ist, nach Sambia. Dort
bekommt er einen Kulturschock: Die schwarzen Schüler und Lehrer sind
in der Überzahl, die Apartheid gilt nicht mehr. Er passt sich schnell
an, findet viele schwarze Freunde und kommt, als er zwei Jahre später
nach Südafrika zurückkehrt, dort nicht mehr klar. Er zieht sich
zurück, denn die gleichaltrigen weißen Kids haben für ihn inakzeptable
Vorstellungen von Schwarzen - solche Freunde will er nicht haben. Drei
Jahre später, 1967, lernt er den Straßenmusiker Charlie Mzila kennen,
von dem er lernt, wie die Zulu Gitarre zu spielen. Johnny Clegg
erinnert sich: „Am Anfang war es die technische Faszination, denn ich
entdeckte, dass die Zulu die Gitarre afrikanisiert haben. Sie spielten
keine Harmonien, sie änderten die Reihenfolge der Saiten, sie stimmten
die Gitarre anders und spielten sie anders. Und ich dachte: Das ist
einzigartig, keiner in meiner Kultur kennt das - ich will es
lernen!“
Als Johnny Clegg die Zulukultur entdeckt, ist er in einem Alter, in dem Idole eine große Rolle spielen. Er wächst ohne den eigenen Vater auf, die Mutter ist bereits wieder geschieden, es fehlt ihm das männliche Vorbild. Er ist fasziniert von der Energie und Ausstrahlung der Männer bei den Zulus. Ihre Kultur bietet ihm, was er sucht: Kraft, die Erfahrung einer stark körperbetonten, männlichen Präsenz, Identifikation und die Verbindung zu einer Tradition. „Die Zulukultur hat eine ausgeprägte mündliche Überlieferung, eine Tradition, die auch deine Lebensgeschichte einbindet. Ich habe das ganz stark gespürt, denn in meinem weißen Leben fühlte ich mich sehr anonym, unsichtbar.“ Zu dieser Intensität gehört für Johnny Clegg auch die Kraft, mit der die Instrumente gespielt werden: „Sie packen die Konzertina bei der Gurgel und bringen jeden Ton zum Schreien, es ist ein leidenschaftlicher Ausdruck für: ‚Ich lebe! Wir sind lebendig!‘“ Für das Musizieren mit seinen schwarzen Vorbildern wird Johnny Clegg immer wieder verhaftet. Trotzdem gibt er nicht auf, sondern es gelingt ihm im Gegenteil, Kontakt zu der für Weiße eigentlich nicht zugänglichen Welt der Zulu-Wanderarbeiter aufzubauen, und er erarbeitet sich den Ruf eines kompetenten Zulugitarristen.
Mit dem Gitarristen und Wanderarbeiter Sipho Mchunu gründet Johnny
Clegg zunächst das Duo Johnny & Sipho, 1979 dann Juluka. Diese
Zusammenarbeit stößt nicht nur bei den Zulu auf Interesse: „Viele
Weiße waren neugierig und wollten den schwarzen und den weißen Mann
spielen sehen.“ Juluka ist die erste gemischte Popgruppe des Landes
und spielt mit ihrem schwarz-weißen Stilmix mehrere Gold- und
Platinalben in Südafrika ein, denn trotz Apartheid dürfen die Platten
verkauft werden. Bemerkenswert sind diese Verkaufszahlen ebenso vor
dem Hintergrund, dass ihre Lieder nicht im Rundfunk gespielt werden
dürfen. Auch die Radiolandschaft ist nach Apartheid-Grundsätzen
strukturiert: Jede Welle ist auf nur eine Sprache festgelegt.
Juluka-Texte allerdings sind immer in Englisch und Zulu und finden
deshalb keinen Sender, der sie ausstrahlen darf.
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