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Es gibt DVDs, CDs und spezielle Serien, die sich den herkömmlichen Kriterien einer Rezension entziehen. Gerade in einer Zeit, in der Tonträger preiswert produziert werden können und die Menge an Veröffentlichungen inflationär ist, sind anspruchsvolle Serien besonders wichtig. Engagierte Vorhaben, ganz gleich ob tatsächliche oder angebliche, müssen sich mit strengeren Maßstäben messen lassen als z. B. eine ordinäre Kompilation. In diesem Heft schreibt Luigi Lauer über das CD-Buch

Rüdiger Oppermann,
Klangwelten - 20 Jahre Dialog der Kulturen

RÜDIGER OPPERMANN
Klangwelten -
   20 Jahre Dialog der Kulturen

(Klangwelten-Records KW 20030,
   EAN 4-041649200303,
   www.klangwelten.com)
6 CDs, 66 Tracks + Buch,
   215 S., reich bebildert

Klangwelten - 20 Jahre Dialog der Kulturen

Das Gewicht fällt zuerst auf. Bei einem zwar hohen, aber schmalen Büchlein hätte man das nicht vermutet. Es liegt an dem dicken Hochglanzpapier, das die zahlreichen Photos ins rechte Licht rückt. Tolle Photos, denen nur leider fast immer die Bildunterschriften fehlen. Wir sehen Musiker und Bands auf der Klangwelten-Bühne, seltene Instrumente in Großaufnahme, Menschen und Landschaften aus aller Welt, Tänzer und Tempel - optisch ist der Appetit jedenfalls schnell geweckt. Natürlich steht bei Oppermann die Harfe im Mittelpunkt, doch es wird auch lehrreich über viele andere Instrumente berichtet, wie sie gebaut sind, wie sie funktionieren, welchen kulturellen oder religiösen Hintergrund sie haben. Und immer wieder wird auf das KlangWelten Festival verwiesen, dessen 20-jähriges Bestehen der Grund für dieses wunderbare Jubiläumswerk ist.

Oppermann nimmt den Leser auf etliche seiner vielen Reisen mit - Türkei, Kongo, Madagaskar, Mongolei, China, Indonesien, Indien, Südsee. Verschiedene Kompositions- bzw. Interpretationsprinzipien und Spieltechniken anderer Kulturen werden vorgestellt. Er schildert kulturelle Unterschiede, Gemeinsamkeiten, Missverständnisse und so manche witzige Anekdote aus dem Tournee- und Konzertleben, von Freundschaften, die entstanden und teilweise ein Leben lang hielten. Auch Fehler oder Niederlagen spart er nicht aus, was in der Rückschau bekanntlich leichter fällt. Die Angabe der CD-Tracks, die das Beschriebene akustisch erläutern, ist zwar nett, aber da es quer durch die sechs CDs geht, wartet man am Besten den zweiten Teil des Buches ab, hier geht Oppermann auf die einzelnen Stücke ein. Querverweise auf den Haupttext, meinetwegen als Fußnoten, um bei Bedarf noch einmal in den theoretischen Hintergrund einzusteigen, fehlen leider, das wäre der optimale Service gewesen. Für Teil zwei nehme man sich ein paar Abende Zeit, es ist wunderbar, sich von der Lektüre in die Musik schleusen oder, umgekehrt, von der Musik zu weiterem Lesen antreiben zu lassen.


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im Folker! 2/2007