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Tony McManus (Greentrax, 1995) |
unterwegs: Für Oktober ist eine Deutschlandtour geplant, Infos demnächst unter ![]() |
Die keltische Musik ist an sich immer ganz gut ohne
Gitarristen ausgekommen. Fiddle- und Pipetunes, reich an Ornamentik,
kraftvolle Tanzweisen, Jigs, Reels und beseligende Balladen. Wozu da die
typische Akkordbegleitung auf der Gitarre? Lenkt diese doch häufig vom
Wesentlichen, der Seele der Musik, der Melodie ab. Solistisch wurde die
Gitarre von jeher mitleidig belächelt, war doch keiner der
Sechssaitenvirtuosen in der Lage, die unabdingbaren Bläser- und
Streicherverzierungen zu spielen. Das hat sich mit dem Erscheinen eines
Mannes aus dem nahe Glasgow gelegenen Paisley bedenklich geändert.
Von Rolf Beydemüller
Er liebt die traditionelle Musik seines Landes, er liebt die Gitarre und
es ist ihm auf beeindruckende Weise gelungen, technische Undenkbarkeiten mit
scheinbar größter Leichtigkeit auf die Stahlsaiten seines Instrumentes zu
übersetzen. Wenn man mal ans lateinische manus - „Hand“ - denkt, ist
der Name eigentlich Programm: Tony McManus, bereits jetzt ein
Saitenkünstler, der von Kollegen verschiedenster musikalischer Lager hoch
angesehen wird. Seine Selbsteinschätzung fällt da sehr viel bescheidener
aus: „Ich denke, dass mein Spiel ganz der Tradition entstammt, und es
enthält die Elemente der Verzierung, die diese Musik definieren. Die
Spieltechniken, die ich benutze, wurden schon oft kommentiert, aber meine
einzige wirklich originelle Errungenschaft ist doch das Triplet mit dem
Daumen, den ich ganz ähnlich wie ein Plektrum benutze.“
1995 machte der Autodidakt Tony McManus mit seinem Debütalbum bei
Greentrax Recordings, das schlicht seinen Namen trägt, viele Musiker
hellhörig. Eine frische, innovative und doch ganz klar der Tradition
verpflichtete Stimme. Kraftvoll, virtuos und enorme Spiellaune verbreitend,
betrat McManus die internationale Szene gewissermaßen mit einem
Paukenschlag. So folgte 1999 Pourquoi Quebec?, im frankokanadischen
Québec aufgenommen, in Koproduktion mit dem Bassisten Alain Genty. McManus
ist hier an akustischer Gitarre, ihrer tiefen Schwester, der Baritongitarre,
sowie an der Mandoline zu hören. Alain Genty spielt den eher im Jazz
angesiedelten bundlosen Bass und ergänzt McManus in kongenialer Weise.
Musikalisch sind die beiden bis heute in enger Verbindung geblieben.
Singing Sands (2005) ist die „aktuelle“ Einspielung der
schottisch-bretonischen Tangente.
Das 2002 auf Compass Records veröffentlichte Album Ceol More machte den Schotten mit einem Schlag in Nordamerika bekannt. Der musikalische Rahmen ist weiter gefasst als beim Debütalbum. Besondere Aufmerksamkeit erfuhr z. B. seine hinreißende Interpretation des Charlie-Mingus-Titels „Goodbye Pork Pie Hat“, ein Klassiker des Standardjazzrepertoires. McManus betrachtet sich selbst als einen klar in der Tradition verwurzelten Musiker. So erklärt sich seine persönliche Herangehensweise an Musik jeglicher Art. „Wenn ich eine langsame irische Weise spiele, klingt es so wie ein traditioneller Musiker eben eine langsame irische Weise spielt. Aber auch bei ‚Goodbye Pork Pie Hat‘ klingt es im Endeffekt so, als wenn ein traditioneller Musiker eine langsame Weise spielt! Ich hoffe, dass der Begriff Traditionalist eine positive Bedeutung hat. Es bedeutet ja nicht, Musik für alle Zeiten einzufrieren, denn dann wäre sie so gut wie tot.“
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