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Herz und Verrat (Intercord, 1997) |
unterwegs: 01.11.06: Kassel, Schlachthof 03.11.06: Fulda, Kulturzentrum Kreuz 04.11.06: Bad Neustadt, Bildhäuser Hof 11.11.06: Brackenheim, Kapelle am Schloss 16.11.06: Köln, Kantine Yardclub 17.11.06: Oberhausen, Ebertbad 18.11.06: Kirchheim-Bolanden, Weißes Ross 24.11.06: Marburg, Waggonhalle 30.11.06: Bad Nenndorf, Locomotive 01.12.06: Bremen, Meisenfrei 02.12.06: Rheda-Wiedenbrück, Roadhouse 04.12.06: Gabersee, Festssal BZK* 05.12.06. Ebersber, Altes Kino* 06.12.06: Mühldorf, Haberkasten* 07.12.06: Fürstenfeldbruck, Veranstaltungsforum* 08.12.06: Augsburg, Kresslesmühle 09.12.06: Bad Reichenhall, Magazin 4 10.12.06: München, Tief-im-Wald-Bar (Tollwood Festival) 21.12.06: Stuttgart, Laboratorium 23.12.06: Reichenbach, Die Halle 25.12.06: Meßkirch, Schlosskeller 26.12.06: Ludwigsburg, Scala-Theater 28.12.06: Wolfach-Ippichen, Klausenbauernhof 29.12.06: Markdorf, Theaterstadl 06.01.07: Aalen, Café Podium 12.01.07: Schelklingen, Stellwerk 13.01.07: Schelklingen, Stellwerk 19.01.07: Freiburg, Jazzhaus 20.01.07: Nördlingen, Café Radlos 16.02.07: Heilbronn, Ebene 3 17.02.07: Karlsruhe, JuBeZ *Kurzauftritte im Rahmen der Bayern-Brettl-Tour mit Michael Altinger |
Koteletten lang wie Kojotenschwänze, Stiefel so spitz wie ein Kaktusdorn - und Drive ohne Ende. Dass mit den fünf schneidigen Herren von HISS ein Haufen schillernder Showhasen unterwegs ist, dürfte sich in der hiesigen Folkrockszene herumgesprochen haben. Im zwölften Jahr zelebriert die Combo aus dem Stuttgarter Hinterland nun ihre einzigartige Mischung zwischen Powerpolka, Bluesrock, Texmex und Zydeco, garniert diese Stile mit deutschen Texten voll derber Poesie und politisch völlig unkorrektem Witz und schafft es auch noch, die ganze Chose mit so ausgefuchstem Entertainment unters Volk zu bringen, als wäre die Schwabenmetropole ein Vorort von Las Vegas. Wie sehr die Kapelle seit 1995 der Renovierung deutscher Volksmusik ganz eigene Dimensionen beibrachte, lässt sich auf fünf CDs voller eigener Lieder und ausgesuchter Folklore der Welt sowie der Jubiläums-Live-DVD anlässlich des zehnjährigen Bandbestehens im vergangenen Jahr eindrücklich nachvollziehen.
Von Michael Borrasch
Egal ob „Folkbrettl“, Blueskneipe, Großfestival oder Kleinkunstbühne: Wo immer Thomas Grollmus (Gitarre, Mandoline), Patch Pacher (Standschlagzeug), Michael Roth (Mundharmonika), Volker Schuh (Bass) und Stefan Hiss (Akkordeon, Gesang) mit ihrer Show loslegen, bleibt akkuratdeutsches Denken in Kategorien schnell auf der Strecke. Noch ehe die schneidig gekleideten Musikanten eitlen Gecken gleich auf die Bühne schlurfen, schwadroniert ins Dunkle hinein eine salbungsvolle Frauenstimme über die so großen Erfolge der Kapelle, überstandene Gefahren in aller Welt, die Gnade eines neuerlichen HISS-Auftritts. Affiger Kram, klar! Doch wer nicht lachen kann über solche und ähnliche Albernheiten, hat es schwer mit dieser Band. Schnell scheiden sich bei dieser Radikalunterhaltung die Geister.
Zählen viele das Quintett zu den besten Liveelebnissen, die man derzeit in deutschen Clubs haben kann, scheitern andere entweder gleich an ihrer Abneigung gegenüber akkordeongesättigter Tanzmusik oder an den schmierig-überdrehten Ansagen. „Wir brechen eben gerne noch die Brechung“, umschreibt Sänger, Akkordeonist und Songschreiber Stefan Hiss den permanenten Akt wider den tierischen Ernst. „Lustige Ansagen für traurige Lieder und so. Mir macht es schon Spaß, Verunsicherung zu hinterlassen. Widerliche Anmache im Stil von ‚Let me hear you say Yeah‘ konnte ich noch nie leiden. Dagegen wollen wir was unternehmen.“ Hiss verweist auf seine Vorliebe für feine sarkastische Kommentare, sieht in Leuten wie Lyle Lovett, Willy DeVille oder Screamin’ Jay Hawkins Brüder im Geiste.
Tatsächlich gelingt dieser bis an den Rand der Perfektion eingespielten
Liveband auf der Bühne ständig die hohe Kunst, Sound, Tempo und Witz zu
einer Performance der Sonderklasse zu verschmelzen. Entertainment, wie es in
Deutschland selten entsteht. Stefan Hiss sorgt mit seinem weiß glänzenden
Beltuna-Akkordeon ebenso für klare Folkelemente wie Michael Roth mit seiner
Mundharmonikasammlung und die Mandolineneinsätze von Thomas Grollmus. Dessen
rockende E-Gitarre wiederum übernimmt gemeinsam mit dem stets nach vorne
treibenden Bass Volker Schuhs und Patch Pachers drückendem Standschlagzeug
die Arbeit, jede Menge Tempo und Tanzanimation zu kreieren.
Dabei schaffen es die selbsternannten „herzensguten Drecksäcke“ immer
wieder, Erwartungen in unerwartete Erfahrungen umzukehren. Wenn das kein
weltmusikalischer Geist ist, was dann? Entführten sie dich gerade noch in
die Weite der texanischen Wüste, indem Hiss flirrende
Flaco-Jimenez-Reminiszenzen setzt, landest du wenige Minuten darauf schon in
Mexiko, gelangst einige rastlose Atemzüge später nach Rumänien, von dort
über Louisiana nach Uruguay und zwischendurch ohne Probleme auf deutsche
Dorffriedhöfe. Stets treibt der Dienst an der Kunst die fünf Vagabunden
hinaus in die Ferne.
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