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Stirb mit mir ein Stück (Amiga, 1986) |
Als Sänger, Musiker, Komponist, Autor und Clown ist er
seit 1976 unterwegs. Seine DaDaeR-Programme mit Steffen Mensching wurden als
subversive Attacken auf den realsozialistischen Alltag aufgefasst. Seit 1994
bekommt er regelmäßig den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Er
schreibt Bücher und führt Regie. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er
gleich drei CDs plus eine Sonderedition zu seinem 50. Geburtstag. Jetzt hat
er zum zweiten Mal Gedichte von Theodor Kramer vertont und geht mit Arlo
Guthrie auf Tour.
Von Gerd Dehnel
Wenn am 1. September Hans-Eckardt Wenzel, Arlo Guthrie und Billy Bragg im
Berliner Schillertheater auftreten, schließt sich ein Kreis. Denn bei einem
Konzert von Wenzel und Bragg wurde Nora Guthrie beim Festival Musik und
Politik in Berlin auf den Deutschen aufmerksam. Der erste Eindruck muss so
stark gewesen sein, dass sie ihn fragte, ob er nicht das Archiv ihres Vaters
Woody sichten wolle. Dort lagern an die 3.000 unveröffentlichte Liedtexte.
Wenzel, der nach eigenem Bekunden Woody Guthrie wenig kannte und nicht
sonderlich mochte, sagte zu. Ging nach New York und hatte fortan nicht nur
mit Recherchieren zu tun, sondern auch mit Komponieren. Denn Woody Guthrie
beherrschte keine Notenschrift. So weiß bei den meisten Texten kein Mensch,
wie sie hätten klingen sollen.
Erstes hörbares Ergebnis war 2003 die CD Ticky Tock - Wenzel singt Woody Guthrie. Doch die Wirkung ging tiefer. „Es ist jetzt nicht unbedingt jedem meiner Songs anzuhören, aber ich habe durch Woody Guthrie zu neuen Melodien gefunden“, beschreibt Wenzel. „Weil die englischen Texte andere Melodien möglich machen, durch andere Vokaldehnungen, durch kürzere Wörter und Sätze. Dadurch ergeben sich andere rhythmische Strukturen, größere Melodiebögen. Das verringert das Risiko, dass man beim Komponieren immer wieder dasselbe macht, das Gewohnte.“ Zudem zwinge der Umgang mit fremden Texten zu größerer Präzision beim Komponieren, fügt Wenzel hinzu. „Wenn ein eigener Text nicht recht zusammenpassen will mit der Melodie, dann bau’ ich halt den Text um. Diesen Kunstgriff kann ich bei einem Text von Woody Guthrie nicht anwenden. Meine Melodie muss sich also seinen Worten anpassen.“
Diese Mühe hätte sich Wenzel sicher gespart, hätten ihn die Texte nicht
angesprochen. Dann wäre dem Vielbeschäftigten anderes eingefallen, als sich
monatelang in Woody-Guthrie-Werken zu vergraben auf der Suche nach dem
richtigen Ton für fremde Worte. „Woody Guthrie hat einfach gute Texte
geschrieben, das ist das für mich einzige Qualitätskriterium“, sagt Wenzel
und präzisiert: „Er hatte eine besondere Art, die Welt zu umkreisen. Darin
ist er mir nahe, so wie Theodor Kramer oder Bertolt Brecht. Er hat seine
Songs stets für andere geschrieben, damit die etwas damit anfangen können.
Nicht, um möglichst viele CDs zu verkaufen. Woody Guthrie hat keine eitlen
Texte geschrieben.“
Von Kindlichkeit und Naivität spricht Wenzel außerdem, wenn er erklären soll, was ihn an Woody Guthrie reizt. „Es heißt ja ein Instrument spielen - nicht ernsten. Das Spielerische ist ihm so wichtig wie mir.“ Unüberhörbar ist die Freude an einer neuen Art zu spielen zum Beispiel bei Wenzels CD Himmelfahrt aus dem vergangenen Jahr. Auslöser war ein Geschenk, das sich Wenzel zum Abschluss seiner letzten US-Konzertreise selbst gemacht hatte: eine alte Gibson-Gitarre. Und die dominiert das Album deutlich, auf Himmelfahrt rockt Wenzel wie nie zuvor.
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