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Maljarkiza - Klänge aus Europa (Unicornio, 1996) |
unterwegs: 07.07.06: Falkensee-Finkenkrug, Ev. Kirche 15.07.06: Hannover, Kanapee 21.07.06: Beelitz, Alte Feuerwache 22.07.06: Weinböhla, Zentralgasthof 18.08.06: Monsheim, Annhäuser Mühle 19.08.06: Wittenberg, Leucorea 01.09.06: Magdeburg, Pauluskirche 08.09.06: Dresden, Tzschoner Mühle 09.09.06: Kölleda, Ev. Kirche 10.09.06: Salzgitter, Kirche Heilige Dreifaltigkeit 12.09.06: Leipzig, Moritzbastei 16.09:06: Freiberg, Dom 21.09.06: Halle, Objekt 5 22.09.06: Erfurt, Michaeliskirche 23.09.06: Wolfenbüttel, KKK 24.09.06: Heiligenstadt, Ev. Kirche 30.09.06: Densow, Galshütte Annenwalde e. V. 13.10.06: Fürstenwalde, Kulturfabrik 14.10.06: Chemnitz, Friedenskirche 20.10.06: Rostock, Compagnie de Comédie, Bühne 602 21.10.06: Putbus, Theater 25.10.06: Bremen, Weserterassen 27.10.06: Kassel, Kulturzentrum Schlachthof 05.11.06: München, Theater Blaue Maus 11.11.06: Bochum-Gerthe, Bochumer Kulturrat 18.11.06: Dresden, Club Passage 24.11.06: Bremen, Radio Bremen 28.11.06: München, Tollwood Festival 29.11.06: Fürth, Kulturforum Schlachthof 30.11.06: Regensburg, Alte Mälzerei 01.12.06: Würzburg, Trinitatiskirche Paul Hoorn & Andreas Zöllner 14.07.06: Dresden, Societaetstheater 20.07.06: Dresden, Societaetstheater |
In unserer heutigen Informationsgesellschaft funktioniert Wahrnehmung über Effekthascherei, ein irgendwie auffallendes Schneller, Greller, Lauter. Folgerichtig wird im medienüberfrachteten Alltagsrummel unserer Zeit oft ein bizarrer Werbeaufwand betrieben, um die Aufmerksamkeit potentieller Kunden, Klienten, Interessenten zu erheischen. Für die Kulturindustrie und den Musikmarkt gelten im Prinzip die gleichen Regeln. Aufdringliche Inszenierungen bürgen jedoch noch lange nicht für tatsächliche Qualität. In Umkehrung der Dinge lassen sich jenseits des Mainstreams, unterhalb der Modewellen und außerhalb einseitig engstirniger kommerzieller Konzepte, sozusagen an der Peripherie gängiger Szenenkreise fabelhafte Phänomene entdecken.
Von Cathrin Alisch
Das Blaue Einhorn ist ein solches Phänomen. Vier Musiker aus Dresden
bewegen sich mit ihrem Repertoire virtuell quer durch Europa und darüber
hinaus. Sie wagen Anleihen bei der Mystik des Ostens ebenso wie in Richtung
Westen, weit nach Übersee. Eine solche Aufzählung mag auf den ersten Blick
beinahe beliebig scheinen. Lässt man jedoch einen zweiten zu, wird schnell
das filigrane Raster der Auswahl deutlich, ein fein gesponnenes Netz, mit
dem die Lieder und Legenden, die Tänze und Träume zwischen den Zeilen
eingefangen werden. Nur wenige Eindrücke der unmittelbaren Präsentation des
Quartetts machen ebenso wie die mittelbare Dokumentation einer Entwicklung
über 15 Jahre - nämlich die kontinuierlich begleitende Tonträgerproduktion -
die Dichte des Konzepts deutlich.
Die Band spielt in Kirchen, Clubs und Konzerthäusern, auf großen und auf kleinen Bühnen, traditionelle Musik in eigenen Arrangements. Dabei fügen sich Klezmertänze, Rembetiko und Sinti- Swing zu argentinischem Tango und portugiesischem Fado, Lieder und Legenden in der Summe zu der Suche hinter den Kulissen, nach den Fabeln jenseits der Fassaden, nach den Träumen im Dickicht der Städte. Man könnte von Randgruppen sprechen, von Minderheiten, die da per Lied besungen, jeweils in einer Geschichte aus einem nie gesehenen oder noch nie beachteten Blickwinkel beleuchtet werden, oder von den Schatten, die sich im Zwielicht der Dämmerung ganz anders gebärden als bei hellem Tag oder dunkler Nacht; Grenzgänger, Übergänge, Zwischenwelten ...
Die besagte Dichte entsteht durch das enge Verweben von Musik und Sprache
ebenso wie durch das Konglomerat an musikalischer Stilistik und den Einsatz
spezifischen Instrumentariums. Neben Akkordeon (Paul Hoorn), Gitarre
(Andreas Zöllner), Geige (Dietrich Zöllner) und Bass (Florian Mayer)
verweisen diverse Flöten, Oud, Bouzouki und die portugiesische Gitarre
bereits in sich auf die Herkunft einzelner Lieder. Werden zudem darüber,
davor und damit Geschichten erzählt, Anekdoten, Fabeln und Parabeln, wird
das Publikum dadurch auch mit Geschichte konfrontiert, mit historischen
Zusammenhängen in Miniaturform - Fragen an das Gestern, Heute, Morgen, hier
und anderswo. Für wenige Momente gelingt dabei die Illusion so perfekt, dass
die rumänische Hochzeit ebenso real Gestalt annimmt wie die Nacht in Buenos
Aires oder die Vorstadt von Krakau und dass neben den Farben, Formen und
Klängen die dazugehörigen Gerüche durch das Forum zu ziehen scheinen.
Kreativer Kopf der Band ist Paul Hoorn, ein Mann, der, 1960 geboren, eigentlich Maler werden wollte, sich dann aber über das Studium von Waldhorn, Orgel und Chorleitung über Jahre hinweg der Kirchenmusik zuwendet. Später agiert er als Theatermusiker, ohne sich tatsächlich aus der nach wie vor empfundenen geistigen Enge befreien zu können - ob politisch motiviert durch die nur langsam einsetzenden Prozesse des Umdenkens im heimatlichen Dresden während und nach der Wendezeit oder die Begrenzung der eigenen künstlerischen Ausdrucksfähigkeit im Rahmen der Kirchenmusikpraxis. 1991 gründet er zusammen mit Andreas Zöllner Das Blaue Einhorn und lebt inzwischen freischaffend als Musiker und Komponist.
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