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unterwegs: 15.07.06: Kaustinen (Finnland), EBU-Festival 20.08.06: Essen, Burgkonzert im Haus Heisingen 07.09.06: Dortmund, Domicil (Finale des Creole - Preis für Weltmusik NRW) 08.09.06: Essen, Bürgerhaus Oststadt 13.09.06: Köln, Domforum 14.10.06: Köln, Großer Sendesaal des WDR (Nachtmusik, 22:00 live auf WDR 3) 21.10.06: Duisburg, Christuskirche 19.11.06: Bielefeld-Bethel, Zionskirche |
Ein Trio mit jiddischen Liedern wird in diesem Jahr im finnischen Kaustinen als deutscher Beitrag beim Folkfestival der europäischen Rundfunkanstalten (EBU - European Broadcasting Union) auftreten. Eine mutige Entscheidung, denn die eigenwilligen Bearbeitungen des Ensembles DRAj bedeuten sicherlich eine Herausforderung für das Publikum. Doch sie öffnen zugleich einen ungewohnten und kunstvollen Zugang zu jiddischen Liedern. Obwohl das Trio regelmäßig in Kirchen- und Studentengemeinden auftritt, ist es in Folk- und Weltmusikkreisen trotz bereits neunjähriger Beschäftigung mit dem jiddischen Lied allerdings fast völlig unbekannt.
Von Birger Gesthuisen
Seit Anfang der 90er Jahren verarbeiten unzählige Künstler regionale
Musiken zu einem eigenständigen und facettenreichen Jazz, in dem viele
Farben Europas erklingen. Diese Strömung brachte(n) Musiker wie Jan
Garbarek, Louis Sclavis, Gianluigi Trovesi, Rabih Abou-Khalil und Renaud
Garcia-Fons hervor. Deutschland blieb ein weißer Fleck auf diesem bunten
musikalischen Notenblatt. Zur gleichen Zeit schwappte mit einer Verzögerung
von 15 Jahren das amerikanische Klezmerrevival über Deutschland und nahm
schon bald ungeahnte Ausmaße an. Ende der 90er Jahre gab es im
deutschsprachigen Raum über 70 Klezmerensembles, mehr als in jedem anderen
Land. Die Musik der Ostjuden wurde zu einer wahren Fundgrube für Musiker,
die ihren künstlerischen Freiraum ausloten wollten und ihren Hunger an den
lokalen Musiken in Deutschland nicht stillen konnten. Das Spektrum von
„Klezmermusik“ wurde mit dem Repertoire dieser Ensembles breiter, die neben
der instrumentalen Festtagsmusik zunehmend auch jüdische Theaterlieder,
Swing, jiddische Lieder bis hin zur Vertonung von Gedichten jiddischer
Autoren einfließen ließen.
Dass gerade die jüdische Musikkultur zum Ausdrucksmittel einer neuen
Musikergeneration wurde, ist vielleicht auch als Reaktion auf die wachsende
Fremdenfeindlichkeit und den Antisemitismus in den 90er Jahren zu verstehen
- als eine Form von musikalischer Stellungnahme. Mehrere Jahre lang wurde
damals durchschnittlich in jedem Monat ein Ausländer auf deutschen Straßen
umgebracht. Auch die Auseinandersetzung mit der Geschichte zeigte damals
bedenkliche Tendenzen: Der DRAj-Cellist Ludger Schmidt empfindet die
damalige „Historikerdebatte“ als geradezu zynisch, die jedem Land seinen
Faschismus zubilligte, also den Franzosen „ihr“ Algerien, den Spaniern die
Francozeit und den Deutschen „ihre“ Nazizeit. Der Faschismus erschien als
Naturkatastrophe, dessen Bedingungen kaum noch hinterfragt wurden.
Im Frühjahr 1997 hatte die Jazzsängerin Annette Krüger die Nase voll von den Nachrichten über die Übergriffe gegen Ausländer und den marschierenden Neonazigruppen. Sie bat den Essener Akkordeonisten Ralf Kaupenjohann zu einem Konzert mit jiddischen Liedern. Er ist auch Akkordeonlehrer und sein Augemus-Verlag konzentriert sich auf Kammermusik für Akkordeon. Wenig später kam der besagte Cellist und begeisterte Musiklehrer Ludger Schmidt hinzu, mit dem er schon in der Gruppe Collage gespielt hatte. Zusammen gründeten sie das Ensemble DRAj.
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