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Wu Xing, Wu Xing |
Das Jahr 2006 startete für die chinesische Sängerin Gong
Linna furios: Sie drang mit ihrem Album Zou Shengming De Lu - Walking The
Path Of Life bis auf die vorderen Plätze der europäischen World Music
Charts vor. Anerkennende Worte allenthalben: Johannes Theurer von RBB
radiomultikulti und Manfred Wagenbreth von MDR FIGARO hoben den Reiz und die
Qualität der Produktion aus Fernost hervor. Das Interesse an Chinas
Stimme(n) in der Welt- und Kunstmusik ist also in unseren Breiten durchaus
vorhanden. Was bisher fehlte, war eine innovative musikalische Aufbereitung
durch Künstler, die sowohl in den östlichen als auch den westlichen
Klangwelten zu Hause sind. Gong Linna und der Komponist und Zitherspieler
Robert Zollitsch, ein ausgewiesener Kenner der chinesischen Musik, wollen
diese Lücke schließen.
Von Christian Henke
China kann auf eine über 3.000-jährige und äußerst vielfältige Musikkultur
zurückblicken. Das weltweit älteste vollständig erhaltene Musikinstrument
ist ein Glockensatz, der vor 2.500 Jahren in China geschaffen wurde. Für die
traditionelle chinesische Zither Qin, deren ruhig-heiterer Klang und
Disziplin abfordernde Spieltechnik nicht zuletzt der Meditation dienten,
existieren Tablaturen (Griffschriften), die mehr als 1.000 Jahre
zurückreichen. Das Zwölftonsystem in Gruppen von sechs Tönen repräsentiert
die entgegengesetzten Yin- und Yang-Prinzipien und existierte bereits 1.000
Jahre vor seiner Entwicklung in Europa.
Chinesische Musikinstrumente: |
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Qin, Guqin, |
Chinesische Zithern |
Yangqin |
Hackbrett |
Erhu, Zhonghu, |
zweisaitige chinesische |
Pipa |
viersaitige Laute |
Ruan |
Rundkörpersaiteninstrument |
Xiao, Dizi, Holuse, |
Bambusflöten |
Sheng, Lusheng |
Bambusmundorgeln |
Suona |
Oboe |
Jahrhundertelang wurde eine Kultur der Repetition und der Traditionspflege betrieben, die wenig Raum ließ für musikalische Innovationen. Die wechselvolle chinesische Geschichte, die Dekade der kulturfeindlichen so genannten „Kulturrevolution“ und die rasanten Veränderungen nach der Reform- und Öffnungspolitik ab 1980 wirkten sich auf den heutigen Stand der chinesischen Musik aus. Vor diesem Hintergrund ist vielleicht nachvollziehbar, dass allerorten Karaokebars eine hohe Anziehungskraft entwickeln und den Sprung in die Moderne begleiten. Typisch sind gegenwärtig eine (zu) schnelle und unkritisch kopierende Übernahme westlicher Musizierstile und die durchgängige Kommerzialisierung des Musikbetriebes. Die omnipräsente Rock- und Popmusik schwimmt voll auf der Mainstreamwelle mit wenig Experimentier- und Risikobereitschaft.
„So ist Musik die große Gleichstimmerin der Welt, der Leitfaden zu Maß und Harmonie, und darum auch ist sie unumgänglich für das Gefühlsleben der Menschen.“ (Hsün Dse, 286-238 v. u. Z.) |
Auch in der traditionellen Musik gilt eher der Grundsatz „big is
beautiful“ hinsichtlich der orchestralen Besetzung und des Klangbilds.
Beispiel hierfür ist das renommierte Zentrale Orchester für traditionelle
Musik (ZMY), besetzt mit 90 Musikern und 30 Sängern - allesamt exzellent
ausgebildet. Das Ensemble folgt aber - trotz chinesischer Instrumente - im
Wesentlichen einem westlichen Orchesterstil mit überladenen Arrangements.
Eine spezifische Musikliteratur für diese Form der Darbietung existiert nur
in Ansätzen. Momentan geht die Anbiederung an den „Zeitgeist“ noch weiter:
Es wurde eine Gruppe aus diesem Orchester formiert, die auf „populäre“ Art
musiziert, mit elektronischen Klangteppichen, Loops, Glitzer und
aufgeblasenen Bühnenshows. China verfügt über viele ausgezeichnete
Instrumentalisten und Vokalisten, aber der Mut und das Umfeld für wirkliche
Innovation und echten Fortschritt entwickeln sich nur sehr langsam.
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Mehr über Gong Linna und Robert Zollitsch
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