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Tellu (Kansanmusiikki-Instituutti, 1997) |
unterwegs: 07.-09.07.06: Rudolstadt, TFF 28.07.06: Sohrschied, Frauenmusikfestival Hunsrück 29.07.06: Nürnberg, Bardentreffen |
„Wir möchten, dass unsere Seelen zusammen singen. Wir öffnen uns und lassen es geschehen. Suden Aika bedeutet ‚Zeit der Wölfe‘. Der Wolf ist für viele Menschen eine teuflische Figur, aber für mich steht er für Freiheit, Wahrheit und etwas Wildes. Das ist Suden Aika.“ So beschreibt Tellu Turkka das Gesangsquartett knapp und zutreffend - und genau so treten die vier Finninnen dem Publikum entgegen: Zart, aber wild, frei, aber musikalisch diszipliniert. Mit den Wölfen zu heulen war allerdings nie die Art der Suden-Aika-Sängerinnen. Sie suchten sich - jede für sich - ihren eigenen musikalischen Weg, der über Rockbands und Kirchenchöre, Musikakademie und Balladensingen zu einem einzigartigen Stimm- und Stilgeflecht führte.
Von Ulrike Zöller
Tellu Turkka war Mitglied der finnischen Frauenband Värttinä und der
rockorientierten schwedischen Band Hedningarna, aber auch Schülerin von
Liisa Matveinen an der Sibelius-Akademie in Helsinki. Turkka und Matveinen
können als die Mütter von Suden Aika angesehen werden, die eine lange
Freundschaft miteinander verbindet - basierend auf ihrer Gegensätzlichkeit.
Die unterschiedlichen Wesenzüge der beiden Künstlerinnen werden auch im
Interview deutlich: Während sich Liisa nach dem Auftritt ruhig und besonnen
auf meine Fragen konzentriert, schallt Tellus Lachen durch die Garderobe,
sie amüsiert sich mit den beiden anderen Suden-Aika-„Schwestern“ über deren
Grimassen vor der Filmkamera. Arbeitsteilung auf Finnisch. Liisa lässt sich
trotz Aftershow-Partystimmung nicht aus der Ruhe bringen und erzählt: „Wir
stammen aus verschiedenen Teilen Finnlands. Und ich glaube, ein Grund für
unsere fruchtbare Arbeit ist, dass wir verschieden sind, uns aber
miteinander verbunden fühlen. Tellu ist Geigerin, und deswegen klingen ihre
Kompositionen ganz anders als meine. Weil die Kantele [die Kastenzither ist
das finnische Nationalinstrument; Anm. d. Red.] diatonisch ist, muss
ich mich innerhalb vorgegebener Harmonien bewegen. Meine Kompositionen sind
irgendwie statisch, auf der Geige kann man dagegen jede Melodie, jede
Harmonie spielen. Sicher hört man unseren Stücken an, wer was komponiert
hat, aber bei aller Verschiedenheit zielen wir doch beide in die gleiche
Richtung.“
Zusammen mit Katariina Airas und Nora Vaura bilden die beiden Freundinnen
das neue Wölfinnenrudel Suden Aika. Deutlich spürt man bei den Auftritten
die Rolle der Alphaweibchen Liisa und Tellu, was nicht bedeutet, dass
Katariina und Nora musikalisch abfallen. Sie ordnen sich stimmlich ein,
bilden einen lupenreinen Kontrast zu den gestandenen Stimmen der beiden
Älteren. Letztlich macht gerade dieser Kontrast den Charakter von Suden Aika
aus, zumal alle vier Sängerinnen glaubhaft beweisen, dass sie nicht nur die
Glashaube über die alten finnischen Epen stülpen, sondern den alten Liedern
aus dem Kanteletar [1840 zusammengestellte Sammlung finnischer
Volksdichtung; Anm. d. Red.] neue Qualitäten abgewinnen. Die
finnische Volkslyrik gibt ihnen auch heute noch Lebensweisheit und
Lebensinhalte mit auf den Weg. Wie kann das funktionieren, frage ich Liisa,
die ihre Antwort heraussprudelt, als hätte sie schon lange auf die Frage
gewartet.
„Die finnische Sprache ist reich an Synonymen, es können also in einem Gedicht Dinge immer wieder und wieder mit anderen Worten gesagt werden, ohne dass man sich wiederholt. Dadurch können auch für verschiedene Personen verschiedene Inhalte ausgedrückt werden. Manchmal entdeckt man nach Jahren, in denen man ein Lied gesungen hat, auf einmal einen anderen, neuen Aspekt, je nachdem, was man in der Zwischenzeit erlebt hat. Für jede Person in Finnland hat das Lied eine andere, spezielle Bedeutung, die davon abhängt, wie sich ihr Leben abgespielt hat. In der alten Dichtung finden wir die größte Weisheit. Wenn Traditionen über Generationen hinweg weitergegeben werden, halten sich nur die essenziellen Dinge, die uns so viel geben können.“
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