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Auf halbem Weg zwischen Island, Schottland und Norwegen
liegen die Färöerinseln im Nordostatlantik. Sie bestehen im Wesentlichen aus
imposanten Steilfelsen und riesigen Wiesenflächen. Von keiner Stelle der 18
Inseln ist das allgegenwärtige Meer weiter als fünf Kilometer entfernt. Es
handelt sich um einen Ministaat, der unter schwierigen Bedingungen ein
faszinierendes Musikleben verwirklicht. Schon ein paar Zahlen lassen ahnen,
dass sich das Leben in dieser nordeuropäischen Inselwelt unter
ungewöhnlichen Bedingungen vollzieht: 48.000 Menschen leben auf 17 der 18
Inseln. Dieser Staat erreicht also die Einwohnerzahl von Städten wie Coburg,
Suhl oder Soest, aber er will seinen Färingern ein Leben ermöglichen wie in
jedem mitteleuropäischen Land, um den Fortzug seiner Bewohner zu
minimieren.
Von Birger Gesthuisen
Die Hauptstadt Tórshavn mit ihren 18.000 Einwohnern wirkt wie die
Miniaturausgabe einer europäischen Metropole: mit Hotels, Kinos, Diskotheken
und Bars, mit einem Parlament, einem Kunstmuseum, mehreren Galerien und
einer grasbedeckten Philharmonie. Kári Bæk, der Vorsitzende des färöischen
Komponistenverbandes hat dafür folgende Erklärung: „Unsere Gemeinschaft ist
sehr klein. Dennoch soll hier den Menschen all das geboten werden, was es
auch in anderen europäischen Ländern gibt. Das hat auch mit unserer
Identität zu tun, mit unserer Kultur. Unsere Sprache wird von nur 48.000
Menschen gesprochen. Wir müssen viele Energien aufbringen, damit wir nicht
in dieser globalisierten Welt untergehen.“
Auch ein ansprechendes Musikleben erfordert einen hohen Einsatz: Der
eigene Nachwuchs geht in die Musikschule. Seit ihrer Gründung im Jahre 1981
erlebt das Musikleben einen Boom: Heute lernen dort 1.000 Schüler. (Zum
Studium müssen die angehenden Musiker dann allerdings wieder ins Ausland,
meistens gehen sie nach Kopenhagen.) In der Hauptstadt gibt es sogar ein
kleines Symphonieorchester, für besondere Aufführungen wird es durch
auswärtige Musiker komplettiert, um den Menschen auch hier symphonische
Musikkonzerte bieten zu können. Und dieses Engagement trägt Früchte ...
Obwohl hier erst vor etwa 1.200 Jahren Menschen siedelten, überdauerte im Nordostatlanik eine alte Musikform die Zeiten, die vor allem im 12. und 13. Jahrhundert in Deutschland und Frankreich sehr beliebt war: der so genannte „Balladentanz“. Früher war ein solches Wort tautologisch, denn die Ballade wurde immer getanzt. Darauf verweist die italienische Herkunft des Worts: Ballare heißt „tanzen“! Im 14. Jahrhundert mutierte die Ballade zum strophischen und vorgetragenen Gedicht; nur auf den Färöerinseln blieb die Geschichte lebendig.
Manche dieser kvæði sind mehrere hundert Strophen lang. Die
besungenen Heldentaten sind die Marksteine der Geschichte und wurden
mündlich überliefert - in diesen langen getanzten Balladen. Sie hielten sich
700 bis 800 Jahre, weil diese Lieder die Geschichte und eine kulturelle
Eigenart der Färinger widerspiegelten, die jahrhundertelang von fremden
Mächten beherrscht wurden. Vor allem die Dänen regierten die Inseln lange
Zeit und vertreten sie heute noch außenpolitisch. Der Sänger und Forscher
Kári Sverrisson erklärt: „Die Färöerinseln verfügten über keine
Schriftsprache und Dänisch war lange Zeit die Amtssprache. Da sie keine
eigenen Bücher hatten, konzentrierten sich die Färinger auf den Kettentanz,
der sich durch eine ungeheure Reichhaltigkeit auszeichnet.“ Heute ist er an
den Schulen Unterrichtsfach. Jazz-, Folk- und Heavy-Metal-Musiker und Chöre
greifen ihn auf.
Bis vor etwa 300 Jahren fanden sich hier keine Musikinstrumente, der
Gesang war das alleinige musikalische Ausdrucksmittel. Diese Tradition
belegen noch heute allein 20 weltliche Chöre und zahlreiche Kirchenchöre,
von denen manche eine weitere lokale Eigenart pflegen: Kingo heißt
der ornamentreiche Kirchengesang, der nach Thomas Kingo benannt ist. 1699
stellte dieser das Kirchenpsalmbuch zusammen. Erst nach der Auflösung des
dänischen Handelsmonopols im Jahre 1856 entwickelten die Färöerinseln eine
eigene Ökonomie. Händler und Fischer brachten nun verstärkt auch
Musikinstrumente mit.
Die Färöer: In einer baumlosen Landschaft vollzieht sich ein Wechselspiel zwischen einem grünen Teppich, der manchmal auch über die Häuser gleitet, und einer schroffen Felsenlandschaft, die sich z. T. in markanten Fjorden und Felsskulpturen niederschlägt. In dem feuchten, nebligen Klima wächst kaum Gemüse, gedeihen noch nicht einmal Kartoffeln. Wer hier lebt, muss vielseitig sein. Das gilt für alltägliche Reparaturen, aber auch für das Musikleben.
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