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Hia-hia (Xource, 1994) |
Manch einer mag bei Schweden vielleicht zuerst an Wikinger und bei schwedischer Musik zuerst an ABBA, Roxette oder die Cardigans denken, aber das Land im Norden Europas hat mehr als das zu bieten, vor allem im Bereich der Folkmusik. Garmarna, Triakel, Groupa, Väsen oder Hedningarna stehen vorn an in Sachen Swedish Folk, aber auch neuere Bands wie beispielsweise Kalabra machen inzwischen außerhalb heimischer Konzerthallen von sich reden. Bereits seit 1990 begeistern Hoven Droven mit ihrer eigentümlichen Mischung aus Folk und Rock die Fans innerhalb und außerhalb Europas. Die fünf Schweden haben inzwischen ihr fünftes Album veröffentlicht und frönen mehr und mehr auch dem ganz normalen Familienleben.
Von Claudia Frenzel
„Stellt euch vor, Metallica und die Chieftains gehen zusammen auf die
Bühne - dann wisst ihr ungefähr, was Hoven Droven macht.“ So versucht
Westpark, das Kölner Label der Band, zu beschreiben, was sich schwer
beschreiben lässt. Bereits 1989 gründete sich die Band mit dem Namen, der
Konzept ist. Hoven droven, ein schwedischer Slangbegriff, bedeutet so
viel wie „hier und da“, „Holterdipolter“ oder „was auch immer“ und steht
übertragen für „Musikmix“. Die Mixtur, die die fünf Schweden bevorzugen,
besteht aus schwedischer Folkmusik, härteren Rockklängen und modernen
Soundeinflüssen. Im Programm haben sie Polskas, Walzer und Polkas, die sie
in ganz unkonventioneller Weise mit E-Gitarren und schwerem Schlagwerk rein
instrumental auf die Bühne bringen. Lediglich auf einer CD, dem 2000
erschienenen Album Hoven Droven, hat die Band sich an Gesangsparts
versucht, die die beiden Gastsängerinnen Sofia Sandén und Ulrika Bodén
beisteuerten.
Nach nunmehr 15 Jahren im Geschäft können sich die Herren schon nicht mehr
erinnern, ob zuerst das Konzept da war oder der Name. „Wir haben den Namen
von irgendwoher geklaut ...“, geben Schlagzeuger Björn Höglund und
Saxophonist Jens Comén lachend zu. „Als wir uns den Namen gegeben hatten,
stellten wir fest, dass es schon eine alte schwedische Folkplatte mit diesem
Namen gab, aber das macht nichts“, erzählt Jens Comén. Und das macht
wahrscheinlich in der Tat nichts, denn Hoven Droven haben dieser
schwedischen Folkaufnahme in gewisser Weise zu neuen Ehren verholfen. Mit
ihrer modernen Adaption der Folkmusik des Nordens haben sie es geschafft,
sowohl von den älteren Folkfans akzeptiert zu werden als auch junge Menschen
an die alte Musiktradition Schwedens heranzuführen. „Die meisten Reaktionen
auf unsere Musik sind sehr positiv, auch von älteren Leuten“, erzählt
Höglund. „Auch alte Folkmusiker finden das, was wir machen, sehr gut. Sie
sehen, dass wir etwas für sie tun, dass junge Leute vielleicht über uns oder
Bands wie Hedningarna erste Tuchfühlung mit der Folkmusik aufnehmen und sich
nach einiger Zeit vielleicht auch für das interessieren, was hinter unserer
Musik steht.“ Wahrscheinlich ist an dieser Beobachtung etwas dran, denn
Bands wie Hoven Droven haben ein treues Publikum quer durch alle
Altersgruppen, und auch in den letzten Jahren hat sich weiterer
Folknachwuchs in Schweden formiert - wie beispielsweise die junge Band
Kalabra. Glaubt man den Erzählungen der Band, so haben im Zuge der
gewachsenen Popularität der Musik von Hoven Droven immer mehr junge Menschen
in Schweden Geige spielen gelernt.
Wie manch andere Band im Crossoverbereich von Folk und Rock kommt es auch
auf den Konzerten dieser Band zur Symbiose von Folkies und Rockfans, und in
gewisser Weise scheint ihre Musik zudem generationsübergreifend zu sein. Auf
ihren Konzerten scheint von sechs bis sechzig jeder zu tanzen oder zumindest
mit dem Fuß zu wippen. Letztlich spiegelt ihre eigene Musik aber wohl vor
allem die musikalischen Vorlieben der Musiker selbst wider; denn die kommen
im Einzelnen aus recht unterschiedlichen Richtungen. Diese reichen von
Charlie Parker bis KISS, versuchen es die Schweden grob einzugrenzen. So
sammelte Gitarrist Bo Lindberg neben Hoven Droven auch mit der
Avantgarde-Rockband Myrbein musikalische Erfahrungen und wirkte gar bei der
im letzten Jahr erschienenen Iron-Maiden-Tribute-CD Food For Thought
mit. Schlagzeuger Jens Comén verdingt sich nebenbei in etlichen Bands, egal
ob sie Rock, Pop, Jazz, BigBeat oder gar Punk machen, während sich Bassist
Pedro Blom offen zu AC/DC und Motörhead bekennt, die doch so gar nichts mit
Folk zu tun haben. Lediglich Geiger Kjell-Erik Eriksson war bereits von
klein auf ein Folkmusikfan. Bereits in jungen Jahren lernte er Geige und
trat somit in die Fußstapfen des Vaters, der das Instrument ebenfalls
beherrschte.
Diese unterschiedlichen musikalischen Hintergründe fließen letztlich alle in das gemeinsame Projekt Hoven Droven ein. Daher steuert jeder der Musiker eigene Titel zu den Alben bei. Die jahrelange Beschäftigung mit Folk hat selbst bei bekennenden Rockfans - wie dem Gitarristen Bo Lindberg - dazu geführt, dass sie inzwischen richtige Folktunes komponieren. Mit Hippa, dem vorletzten Album, haben Hoven Droven gar den Versuch gewagt, ein viel folklastigeres Album auf den Markt zu bringen, als man das bisher von ihnen gewohnt war. Mit Turbo, der nunmehr fünften und aktuellen Veröffentlichung der Schweden, begeben sich Hoven Droven wieder zurück zu Altbewährtem, mischen gekonnt Folk mit rockigen Attitüden und lassen es mit einer Prise Turbo(-Beats) ordentlich krachen.
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