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Ist es nur ein semantisches Problem? Oder doch ein Fehler im System? Die Newcomer-RUTH fördert vor allem gestandene Musiker mit ihren neuen Projekten. Nachwuchsförderung findet dabei kaum noch statt. Der Lobbyverband PROFOLK, Verband für Lied, Folk und Weltmusik in Deutschland und Mitauslober des deutschen Weltmusikpreises RUTH, hat jetzt die Debatte eröffnet.
Von Christian Rath
„Die deutsche Folkszene wird bald vergreisen, wenn wir nicht gegensteuern“, warnt Florian Fürst, Geschäftsführer von PROFOLK. Er will deshalb die Gewinner des von ihm so genannten „RUTH-Nachwuchspreises“ besser fördern - stößt dabei aber auf unerwartete Probleme. Denn die Newcomer-RUTH, die jährlich mit den anderen Preiskategorien (Deutsche RUTH, Globale RUTH und Ehren-RUTH) beim Tanz- und Folkfest (TFF) Rudolstadt vergeben wird, ist gar kein Nachwuchspreis mehr.
Newcomer oder Nachwuchs - das ist doch dasselbe, sollte man meinen. Doch Vorsicht: Der feine Unterschied kann wichtig werden. Der Nachwuchs ist jung, Newcomer sind lediglich neu. Bei einem Newcomer ist das Alter des Künstlers/der Künstlerin also egal. Und mit neuen Bands und neuen Projekten können sogar bekannte Künstlerinnen und Künstler wieder zu Newcomern werden.
Ein Blick in die offiziellen Verlautbarungen der von PROFOLK, TFF.Rudolstadt und MDR-Rundfunk ausgelobten RUTH hilft allerdings nur bedingt weiter. So ist zwar in der Ausschreibung zur Newcomer-RUTH von Künstlern und Künstlerinnen die Rede, die „noch am Beginn ihrer Karriere“ stehen. Doch auf der RUTH-Homepage (www.folkpreis.de) wird erläutert, dass damit auch junge, aufstrebende „Projekte“ gemeint sein können. In der Praxis wird auf das Alter der Künstlerinnen und Künstler nicht geachtet. Es wird nur kontrolliert, ob das Debütalbum in den letzten drei Jahren veröffentlicht wurde. Deshalb räumen den Newcomer-Preis derzeit vor allem gestandene Musiker und Musikerinnen ab, die für neue Projekte ausgezeichnet werden.
Mehr Infos — auch zu einer Bewerbung — im Heft.
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Was macht ein Mensch, der weder über Abitur noch eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügt? Musik. Bei Maik Wolter funktioniert auch der Umkehrschluss: Wer es so ernst meint mit dem Musikmachen wie der 52-Jährige, der hat keine Zeit für Abi oder Berufsschule. Wo sollte er sie auch hernehmen - als Berufsmusiker, dazu in mindestens einem halben Dutzend weiterer Projekte aktiv und seit vergangenem Jahr nun auch noch 2. Vorsitzender von PROFOLK.
Von Luigi Lauer
Ein Blick auf die Homepage des Folk-Interessenverbandes gibt Aufschluss. Damit man weiß, für welche Ecke sie boxen, hat man für die Vorstandsmitglieder dort die Rubrik „Institutionen“ ingerichtet -bei Maik Wolter findet man dort unter anderem den Eintrag „Maik Wolter“. Vermutlich unbeabsichtigt sagt dies alles über den Mann mit dem wallenden weißen Zopf: Maik Wolter ist - in der Tat - eine Institution. Anfang der 70er Jahre fängt es mit dem Duo Achim und Maik an, doch die Richtung wird sich bald ändern. Der Berliner Sänger und Gitarrist landet in Schottland, verknallt sich in die Musik und tritt, wieder zu Hause, in die schottisch-irische Band Pied Pipers ein, die 1979 ihr Debütalbum einspielt. Maik Wolter wird als Solokünstler Stammgast in den Berliner Folkclubs - ja, so was gab es damals noch, Folkclubs.
Bevor er später dafür sorgen kann, dass es diese Plätze für Folk in Berlin wieder gibt, kommen Kollaborationen mit Dónal Lunny und Paddy Keenan von der irischen Bothy Band hinzu, mit Olaf Block als Eleven Strings, zwei Jahre bei Chromlach, mit Micky Malten als Lionheart, mit Kerstin Blodig und Ian Melrose als Kelpie und mit vielen anderen mehr, darunter einige amerikanische Künstler. Und auch als Vertretung für Willie Nelson ist er zu hören, in der deutschen Synchronisation des grandiosen Films Wag The Dog (zu dt. etwa: „Schwanz wackelt mit Hund“) mit Robert de Niro und Dustin Hoffman (Nelson: „Mist, nichts reimt sich auf Albanien. Albanien ... Albanien ...“ - Hoffman: „Na also, geht doch!“). Selbstredend ist Wolter auch auf etlichen Platten zu hören - und Jamestown Ferry, das Duo mit seiner Frau Doreen, darf natürlich auch nicht vergessen werden.
1997 gründet er zusammen mit Doreen die Veranstaltungsreihe „Bluebird Café Berlin“, die nationalen wie internationalen Künstlern aus Folk und verwandten Bereichen wieder eine Plattform in Berlin bietet. Gespielt wird im Artenschutz Theater in Tiergarten, jeden ersten Montag für (heute) acht Euro, ein willkommener Anfang, die offenbar vorhandene große Nachfrage der Berliner zu befriedigen. Und nicht nur deren: „Jedes Jahr zählt Berlin zehn Millionen Übernachtungen!", sagt Wolter, man müsse diese Touristen nur erreichen. Da Stadtblätter wie Zitty oder Tip die Folkszene ebenso ignorieren wie das „Regierungsorgan“ taz (Tourneeveranstalter Berthold Seliger), zieht Maik Wolter gar in Erwägung, eine eigene Zeitung herauszubringen: „Es mangelt nicht nur an Lokalitäten, sondern auch an Kommunikation.“
Mehr Infos im Heft.
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