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Talking Timbuktu (World Circuit/Indigo, |
Bereits vor fünf Jahren kündigte Ali Farka Touré an, keine Konzerte mehr im Ausland geben zu wollen. Zu stressig seien ihm die Fliegerei, die ständig wechselnden Hotelzimmer, das ungewohnte Essen, die Interviews. Und eine - inzwischen überwundene - Prostataerkrankung habe ein Übriges getan. Ein Konzert in der Sahara Malis im Januar 2004 zeigte einen auch in der Heimat nicht sonderlich lustvoll agierenden Musiker. Als neuer Bürgermeister seines Heimatstädtchens Niafunke kümmert er sich lieber um die Geschicke im Allgemeinen und die Landwirtschaft im Besonderen, schließlich hat er viel Geld - sein Geld - hineingesteckt. Allein: Er will ... er kann es nicht lassen.
Von Luigi Lauer
In Brüssel war es, Ende Januar, anlässlich der Ausstellung „Mali,
Mississippi ... Blues“ im Palais des Beaux-Arts: Ali Farka Touré gab ein
Konzert mit dem Koravirtuosen Toumani Diabaté. Das war nicht nur der
freundliche Bruch
seines Versprechens, im Ausland nicht mehr aufzutreten. Touré vermittelte
auch erste Eindrücke des gemeinsamen Albums In The Heart Of The Moon,
seinem ersten nach fünf Jahren. Und das ist erst der Anfang der reuigen
Wiederkehr, denn die CD ist Teil eins einer Trilogie, die von Ali Farka
Touré und Toumani Diabaté in verschiedenen Besetzungen präsentiert und
sukzessive noch in diesem Jahr veröffentlicht wird. Ob er sich dann in die
übliche Maschinerie einspannen lässt, also Interviews und Konzerte gibt, um
den Alben die nötige Aufmerksamkeit zu bescheren, wird man sehen. Doch
selbst wenn: Ein Konzert wie das in Essakane (Mali) oder in Brüssel
(Belgien) ist die beste Werbung nicht. Es gibt allerdings ein paar
Betonpfeiler in Tourés Geschichte, die so leicht nicht bröckeln.
Nach außerafrikanischer Zeitrechnung beginnt die Geschichte Ali Farka
Tourés 1994, als er mit Ry Cooder - oder Cooder mit ihm - das Album
Talking Timbuktu herausbrachte. Dafür gab es einen Grammy, der ebenso
sehr oder ebenso wenig schon
20 Jahre vorher ohne Cooder fällig gewesen wäre. Denn nach afrikanischer
Zeitrechnung gibt es Ali Farka Touré - 65 - schon seit den frühen 70ern, und
wesentlich geändert hat sich seine Musik seit den ersten Platten nicht.
Zeugnis davon legt das Doppelalbum Red & Green ab, eine
Wiederveröffentlichung zweier LPs aus den Jahren 1984 und 1988, die auch
zeigt, dass Touré nicht der Mode nachging, kubanisch beeinflusste Musik zu
spielen. Doch Ali Farka Touré war und ist eine Institution in Mali, und dass
der im Westen unbekannte, einfache Farmer plötzlich in aller Munde war,
geschah zu Recht. Seine sparsame, prägnant kullernde Art, Gitarre zu
spielen, die zahlreichen Verzierungen mit Bluenote sein Gesang, der
Emotionen auch abseits der Texte transportieren kann, haben zumindest den
Charme eines Ur-Blues, den die Welt seit Touré in Mali beheimatet glaubt.
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