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Cantadora (Discos MTM, Bogotá; |
Totó la Momposina beim Stimmen Festival: 01.-03.07.05 Basel, Kaserne (Urban Village - Stimmen in Basel) |
Mompox oder Mompós liegt in einer der Gegenden in
Kolumbien, wo Guerilla, Paramilitärs und Armee die Zivilbevölkerung
zermürben und ins Exil treiben. In einem Ort, wo moralische und kulturelle
Werte zerfallen, stiftet Totó la Momposina mit ihrer traditionellen Musik
Identität. Sie singt, tanzt und lässt ihre Trommeln für den Frieden wirbeln.
„Mompox existiert nicht. Manchmal träumen wir davon, aber es existiert
nicht“, schreibt Gabriel García Márquez in Der General in seinem
Labyrinth. „Natürlich existiert Mompox“, gibt die Sängerin zu verstehen.
„Er meint damit nur, dass die Stadt weit weg vom Zentrum des Landes liegt.
Nur wer unbedingt muss, fährt mit dem Schiff den Magdalena-Fluss hinauf, um
auf die Insel Mompox zu gelangen.“ Genau dort, in den Sümpfen am Ende der
Welt, ist Gabriel Garcías Roman Hundert Jahre Einsamkeit angesiedelt.
1982 erhielt er für dieses Buch den Literatur-Nobelpreis und lud Totó la
Momposina nach Schweden ein, um bei der Vergabe des Preises das
Rahmenprogramm zu bestreiten.
Von Martin Steiner
Totó la Momposina wurde in Talaigua, auf der Insel Mompox, am Oberlauf des Río Magdalena geboren. In diesem karibischen Teil Kolumbiens haben verschiedenste Volksgruppen ihre Spuren hinterlassen. Im 16. Jahrhundert mussten die Eingeborenen der Insel sich vor den spanischen Eroberern im Urwald verstecken. Dort trafen sie auf afrikanische Sklaven, die früher ebenfalls vor ihren Unterdrückern geflohen waren. Fortan lebten die beiden Volksstämme zusammen und vermischten sich. Dieses Aufeinandertreffen dürfte auch der Ursprung für Tóto la Momposinas Tänze und Rhythmen sein.
„In Kolumbien gibt es eine Vielzahl musikalischer Sprachen und Kulturen.
Die kolumbianische Karibikküste ist besonders reich an kulturellen
Einflüssen, sie hat eine große Bedeutung für das ganze Land“, betont Totó la
Momposina. „Das ganze Volk kann sich mit meinen Liedern identifizieren, da
sie indigene, europäische und schwarze Einflüsse aufweisen.“ Die Schwarzen
trommelten ihre hypnotischen Polyrhythmen. Die Ureinwohner begleiteten sie
auf ihren Kaktusflöten, den Gaitas. Den Namen erhielten die Flöten von den
Spaniern. Der Klang der Gaitas erinnerte sie an die gleichnamigen
galicischen Dudelsäcke. Viel später kam mit der Gitarre noch die europäische
Komponente hinzu, wobei Totó la Momposina betont, dass diese ja „eigentlich
ein arabisches Instrument“ sei.
Die spanischen Missionare gingen mit religiösen Festen und christlichen
Gesängen auf Seelenfang. Die weltlichen europäischen Einwanderer hatten es
eher darauf abgesehen, die Sinne der jungen Damen mit Walzern, Kontertänzen,
Quadrillen, Jotas, Mazurkas und Fandangos zu erobern. Im 19. Jahrhundert
strandete eine Welle kubanischer Ex-Sklaven an der Karibikküste Kolumbiens,
die den Sexteto-Rhythmus, einen Vorläufer des Son mitbrachten. So entstanden
neben der Cumbia Rhythmen mit so exotischen Namen wie Chandé, Chalupa,
Garabato, Mapalé, Bullerengue, Puya oder Porro. „Die Musik, die ich
interpretiere, ist in den verschiedensten Ethnien verwurzelt. Die Basis
bilden aber schwarze und indigene Einflüsse. Das Herz dieser Musik ist
deshalb die Percussion.“
Totó la Momposina stammt aus einer Musikerfamilie, die fast im Sinne westafrikanischer Griots ihre Tradition von Generation zu Generation weiterreicht. Der Vater war Percussionist, die Mutter sang und tanzte. Ihre Tochter, eine Zahnärztin, steigt in der Freizeit als Tänzerin aufs Parkett.
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