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Barbès (Universal, 1990) |
Mit seiner Coverversion des arabischen Songs „Ya Rayah“ aus den 70er Jahren
gelang es Rachid Taha 1997, den ersten Platz der französischen Charts zu
erobern. Spätestens seitdem gehört er auch bei uns zu den Kultmusikern der
Weltmusikszene. Doch auch schon davor fiel der algerische Musikrebell auf:
Ende der 80er Jahre erregte er mit seiner Band Carte de Séjour Aufsehen.
Mittlerweile ist Rachid Taha seit gut 20 Jahren dafür bekannt, hemmungslos
Traditionelles aus der arabischen Welt mit herbem Rock zu mischen. Zudem
experimentiert er immer wieder mit anderen Stilen, sei es elektronische
Musik, HipHop oder ethnisch-populäre Musik anderer Länder. Ob mit
wasserstoffblond gefärbtem Haar oder völlig berauscht auf der Bühne - der
Sohn algerischer Immigranten, der seit seinem zehnten Lebensjahr in
Frankreich zu Hause ist, weiß auch als Typ stets von sich reden zu machen.
Mit seinem neuen Album setzt sich Rachid Taha erneut groß in Szene. Im
Januar, nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung von Tékitoi,
führt der Algerier wieder einmal die Worldmusic Charts Europe an.
Von Antje Hollunder
„Wer zum Teufel bist du?“ So heißt im übertragenen Sinn das aktuelle Album
von Rachid Taha. Dabei hat der 46-Jährige ganz bestimmt keine
Identitätsprobleme. Ganz im Gegenteil: Rachid Taha weiß genau, wer er ist
und was er will. Wenn er sich im Booklet seiner neuen CD unrasiert und mit
struppigem Haar zeigt, ist das kein Zeichen von Vernachlässigung; vielmehr
gehört das inszenierte Erscheinungsbild zum wohlüberlegten Konzept der
Platte. Das erklärt Rachid Taha im Interview, zu dem er gut gekleidet im
Mantel und mit elegantem Hut erscheint. Der Albumtitel setze sich damit
auseinander, wie man seinem Nächsten begegne, erläutert der Musiker, schwer
verschnupft aber milde gestimmt, mit rauer Stimme, aber in sanftmütiger
Laune. Trotz Erkältung raucht er eine Zigarette nach der anderen. Taha
erzählt, dass er durch seinen Bart, mit dem er das Cover von Tékitoi ziert, einige
Leute an Jesus Christus erinnere - während andere meinen, er sähe wie ein
arabischer Terrorist aus. Der Albumtitel nimmt diese Verwirrung nicht nur
auf, er provoziert sie: „Wer bist du?“ Sieht man es einem
Gesicht, einem Bart an? Sind wir immer noch, oder wieder, da, wo rassische
Merkmale Gut von Böse trennen sollen? Und: War Jesus zu seiner Zeit
vielleicht auch eine Art Terrorist? Die Absurdität, das Aussehen zur
Definitionsmasse zu machen, das ist das große Thema von Tékitoi. Ganz
direkt lenkt Rachid Taha auf Tékitoi mehrfach die Aufmerksamkeit auf
die Menschen und Zustände in der arabischen Welt. Er spreche die Dinge so
unvermittelt an wie nie zuvor. Bisher habe er seine Texte eher in Metaphern
gekleidet, wogegen seine Sprache auf dem aktuellen Album geradezu roh sei.
„Damit es keine Missverständnisse mehr gibt, wie sie in der
Vergangenheit vorgekommen sind“, sagt er. Im intellektuellen
arabischen Milieu sei er früher mitunter gefragt worden, was er mit
bestimmten Texten eigentlich genau habe sagen wollen. Um sicher zu gehen,
dass er sich jetzt unmissverständlich ausdrückt, „habe ich meine Texte
diesmal sogar von jemandem in Frankreich gegenlesen lassen“.
Rachid Taha spricht von der Politik, der Demokratie und der Kultur in den arabischen Ländern. Er zeigt mit dem Finger auf die Einparteienregierung in Algerien, auf die Diktatoren in seinem muslimischen Heimatland, und benennt die Ursachen für den herrschenden Radikalismus auf. „Keine ungefährliche Sache“, betont der Algerier, „ich gehe mit meinen Texten gewisse Risiken ein.“ Namentlich redet er dabei von Songs wie „Safi“. In diesem Lied beklagt Rachid Taha unverblümt die Unterdrückung und Gesetzlosigkeit in Algerien.
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