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Kutché (Sony, 1988) |
Mit "Didi" katapultierte Khaled als erster Sänger ein arabischsprachiges Lied in die europäischen Charts, und mit dem Ohrwurm "Aïcha" schuf er einen Welthit, der rund um den Globus mitgesummt wurde. Seiner Heimat hatte er da schon lange den Rücken gekehrt, denn ein Rebell wie er war nicht gern gesehen bei den algerischen Machthabern. Doch den musikalischen Wurzeln seiner Vorfahren ist er stets treu geblieben, wenn er auch ein Meister darin ist, die unterschiedlichen Geschmäcker der Kontinente auf einen Nenner zu bringen.
Von Suzanne Cords
"Ya-rayi bedeutet soviel wie 'meiner Meinung nach'", übersetzt
Khaled den Titel seines aktuellen Albums. "Und meiner Meinung nach gibt es
viel zu viel Elend auf dieser Welt. Kriege, Terrorismus, Hunger, Seuchen,
wohin man auch schaut, es ist zum Heulen. Deshalb habe ich Lieder
geschrieben, in denen es um die schönen Dinge des Lebens geht.
Ya-Rayi ist wie ein Garten voller Blumen, deren Duft betört. Wir
können die schrecklichen Dinge nicht vergessen, aber wir müssen einen
Schritt nach vorne machen und uns auf Werte wie Wärme, Liebe und Schönheit
besinnen." Khaled gerät ins Schwärmen, wenn er die angenehmen Seiten des
Daseins aufzählt. Die Geburt seines dritten Kindes zum Beispiel vor zwei
Jahren oder die Freuden, die er im Kreis der Familie empfindet.
Musikalisch wagt Khaled auf Ya-Rayi erneut den Spagat zwischen Orient
und Okzident, ein Rezept, das ihn schon mehrmals auf den Erfolgspfad geführt
hat. Flamenco, lateinamerikanische und afrikanische Phrasen, Funk und
Elektrobeat lockern den arabischen Grundrhythmus auf; gekonnt wirbelt Khaled
diverse Musikstile durcheinander und huldigt mit einigen eher traditionell
gehaltenen Stücken wie "El Ghira" dem Raï seiner Heimat. Mit kindlicher
Freude erzählt er, wie er zwei musikalische Heroen seiner Kindheit bei dem
Stück "H-Mama" wieder vereinte, die sich seit 40 Jahren nicht gesehen
hatten: den Pianisten Maurice El Medioni, der im Oran der 50er Jahre die
Stadt zum Swingen brachte, und Blaoui El Houari, den Vater des Raï. Und
Cheb - "der Junge" - saß zwischen den beiden Altmeistern und spielte
hingebungsvoll die Percussion. Cheb ist der respektlose Titel, mit
dem sich Khaleds Generation von den traditionellen Musikern,
den Cheikhs, abgrenzt. Bei diesem Stück haben die Generationen
zusammengefunden. Ein Verdienst Khaleds, der mit 43 Jahren eigentlich gar
kein Cheb mehr ist, auch wenn er sich tief drinnen immer noch wie ein
jugendlicher Rebell fühlt.
Der Mann hat sich Zeit gelassen mit seinem neuesten Werk: Über vier Jahre mussten die Fans warten, bis Khaled nach Kenza ein neues Album auf den Markt brachte. "Diese Auszeit habe ich gebraucht", sagt er. "Ich mache diese Musik seit vielen, vielen Jahren und habe mir nie eine Ruhepause gegönnt. Im Ernst, in den letzten 20 Jahren hatte ich nicht ein einziges Mal einen Monat in Folge Urlaub." Jetzt hat er sich 14 Tage Andalusien verordnet, nur durch die Meeresenge zwischen Afrika und Europa von der quirligen Hafenmetropole Oran getrennt, seiner Heimatstadt, wo er am 29. Februar 1960 als Khaled Hadj-Brahim das Licht der Welt erblickte.
So lange er denken kann, war Khaled besessen von der Musik,
schon als Sechsjähriger schwatzte er seinen Schulkameraden ein Ohr ab, wenn diese ein
neues Instrument geschenkt bekamen - bis er es endlich behalten durfte. Dann
trat er bei den Geburtstagen seiner Freunde als Alleinunterhalter auf, sang
und spielte auf irgendeinem Instrument. "Ich war verrückt danach, Musik zu
machen. Ich habe keine Ahnung, woher dieser Drang kommt, denn in meiner
Familie gab es keine Künstler. Es ist wohl ein Geschenk Gottes, und ich bin
sehr dankbar dafür", sagt er mit unwiderstehlich breitem Lächeln.
Gern erzählt Khaled die Geschichte, wie sein Vater von Freunden ein Akkordeon geschenkt bekam, ein japanisches Modell aus schwarzem Ebenholz. "Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf vor lauter Bewunderung", erinnert er sich. "Mein Vater hat es im Schrank weggesperrt, und natürlich habe ich es gleich am nächsten Tag heimlich rausgeholt. Ich bin vier Kilometer weit bis in eine Gegend gelaufen, wo mich keiner kannte, und habe den ganzen Tag auf dem Teil gespielt. Am Abend, bevor mein Vater von der Arbeit kam, habe ich es an seinen Platz zurückgelegt, aber er hat es natürlich trotzdem gemerkt und es gab ziemlichen Ärger."
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