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"Daara J" (Déclic, 1997) |
Daara J unterwegs: 20.10.04: Karlsruhe, Tollhaus 21.10.04: München, Völkerkundemuseum 22.10.04: Erlangen, E-Werk 23.10.04: Köln, Stadtgarten 24.10.04: Hamburg, Fabrik 25.10.04: Berlin, Kulturbrauerei - Kesselhaus 26.10.04: Oldenburg, Kulturetage 27.10.04: Bremen, KUZ Schlachthof 28.10.04: Hannover, FAUST 29.10.04: Essen, WOMEX |
Rap ist mega-in auf dem afrikanischen Kontinent. Rund dreitausend Combos tummeln sich allein in Senegals Hauptstadt Dakar, allen voran Daara J. Doch im Gegensatz zum US-amerikanischen Gangsta-Rap, der Gewalt und Resignation thematisiert, sind die drei Rapper von Daara J angetreten, um der Jugend Mut zu machen. Nicht umsonst bedeutet der Name der Band in der Landessprache Wolof frei übersetzt soviel wie "Schule des Lebens".
Von Suzanne Cords
"Als der Rap aus den USA nach Afrika rüberschwappte, klang er sehr gewalttätig. Es ging um Rivalität, um Überfälle und Bandenkriege, um Mord und Totschlag. Aus diesem Grund stand die Regierung dem Rap auch sehr ablehnend gegenüber. Doch unser Rap hat eine ganz eigene Identität entwickelt. Auch wir begehren gegen die Gesellschaft auf, aber wir wollen Hoffnung wecken und Lösungen suchen. Wenn man sich in Afrika umschaut, ist es doch überall das Gleiche: Bürgerkrieg, Hungersnöte, Armut, Aids. Die Welt hat Afrika doch längst als rückständig und zurückgeblieben abgeschrieben. Schaut man in Europa Nachrichten, dann wird Afrika von seiner schlechtesten Seite gezeigt. Uns ist klar, dass all diese politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Missstände unsere Realität prägen, aber verdammt, es gibt noch ein anderes Afrika. Und wir haben die Hoffnung, dass die Jugend es wieder auferstehen lässt. Unsere Musik soll dazu beitragen. Und bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt."
Faada
Freddy spricht mit eindringlicher Stimme, damit auch jeder seine Botschaft
mitbekommt. Und als Botschafter ihres Landes, wenn nicht sogar des ganzen
schwarzen Kontinents, fühlen er und seine zwei musikalischen Mitstreiter
von Daara J sich auch. "Politiker verhandeln über Jahre und oft kommt
nichts dabei heraus, aber Musik verbindet Menschen unterschiedlichster Rassen
und Gesellschaftsschichten", stellt Lord Aladji Man fest. "Wenn Musiker Konzerte
geben, stehen alle einträchtig beisammen und sind vom gleichen Wunsch
beseelt, eine bessere Zukunft zu schaffen. Da entsteht ein
Gemeinschaftsgefühl, das auf politischem Wege so nie zustande käme.
Wer sind also die besseren Botschafter, wir oder die Politiker?"
Trotz allen politischen Bewusstseins klingt die Musik von Daara J alles andere als pathetisch, vergebens sucht man den erhobenen Zeigefinger. Die drei Endzwanziger Mamadou Seck, Mansour Sagna und Abdou Seck mit den klingenden Künstlernamen Faada Freddy, N'Dongo D und Lord Aladji Man betreiben keine Selbstbeweihräucherung, sondern singen von Armut, Entwurzelung, Spiritualität und natürlich auch von der Liebe. Dabei haben sie ein sensibles Gespür für den Puls der Zeit und sprechen die Nöte und Sorgen einer Generation junger Senegalesen an, die in einem freien und modernen Land aufwachsen. Vorbei die Tage der Unabhängigkeitskämpfe und des dreißigjährigen Regimes der sozialistischen Regierungspartei. "Der Rap hat bei den letzten Wahlen eine sehr wichtige Rolle gespielt", erklärt Faada Freddy. "Er war das politische Instrument der Opposition und hat den jungen Leuten klar gemacht, wie wichtig ihre Stimme ist."
Und als Instrument versteht Daara J auch seinen Rap auf der Suche nach der eigenen afrikanischen Identität: "Man sollte nicht die im Fernsehen propagierten Leitbilder des Westens imitieren, sondern sich auf seine eigenen Wurzeln besinnen", betont Faada Freddy. Immer wieder fallen die Schlagworte "Bewusstwerdung" und "erzieherischer Rap", was wiederum an den Namen der Band anknüpft: Daara J - die Schule des Lebens.
In mancher Hinsicht hat der senegalesische Rap von Daara J nur noch den Namen
mit dem US-amerikanischen Vorbild gemein. Denn musikalisch klingt das Ganze
viel melodiöser als der Ghetto-Rap aus den Häuserschluchten New
Yorks,
was
nicht zuletzt daran liegt, dass traditionelle afrikanische Rhythmen der Peuls,
der Zulus und der Griots in die Musik einfließen und das Ganze
außerdem durch Reggae, Soul, HipHop, Dancehall, Funk und kubanischen
Son angereichert wird. "Wir lassen uns musikalisch nicht hinter Gitter sperren",
sagt Lord Aladji Man. "Und erst recht setzen wir uns selbst keine dogmatischen
Grenzen, dass Rap so und nicht anders klingen sollte. Unser Rap hat alle
Freiheiten und ist offen nach allen Seiten. Hauptsache, er spricht die
Gefühle an. Es ist schön, mit anderen Musikern und ihren Stilen
zu kommunizieren." Als Ehre bezeichnen die drei HipHoper den Gastauftritt
der Weltmusik-Ikone Rokia Traoré aus Mali, die auf dem Stück
"Le Cycle" des aktuellen Albums "Boomerang" zu hören ist - ein Track
übrigens, der eindrucksvoll beweist, dass sich traditionelle
Mandingo-Melodie und moderne Elektronik nicht unbedingt widersprechen
müssen. Auch der französische Hansdampf-in-allen-Gassen Sergent
Garcia ist mit von der Partie - bei dem kubanisch angehauchten "Esperanza"
(Hoffnung) -, und auf "Hip Hop Civilization" schaut die Soul-Entdeckung Chine,
die Tochter der bekannten Jazzinterpretin Dee Dee Bridgewaters, vorbei.
Überhaupt brilliert Rap à la Afrika mit erfrischender
Originalität und klingt m Gegensatz zu herkömmlichem HipHop
überraschend melodiös und absolut nicht elektroniklastig. Neben
den klassisch westlichen Instrumenten wie Gitarre und Keyboard kommen
traditionelle afrikanische Trommeln, Balafon oder Kora zum Einsatz, die Daara
Js Musik nicht nur für HipHop-Fans interessant machen.
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