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Victoria Williams: "Sings Some Ol' Songs" |
Mark Olson & The Creekdippers (mit Victoria Williams) unterwegs: ![]()
01.05.04 NL-Groningen, |
Zehn Jahre lang war es steil nach oben gegangen. Von einer Collegeband, die ihren ersten Auftritt 1985 vor weniger als einem Dutzend Zuhörer absolviert hatte, waren die Jayhawks unter dem Schlagwort "Alternative Country" in den neunziger Jahren zu einer der verheißungsvollsten Formationen der amerikanischen Rockszene aufgestiegen. Die Gruppe um den Gitarristen und Sänger Mark Olson war bei Rick Rubins Label American Recordings unter Vertrag (neben u.a. den Red Hot Chili Peppers) und gingen mit "Top Acts" wie den Black Crowes und Tom Petty auf Tournee. Die Zukunft sah mehr als rosig aus. Die Jayhawks wurden als die kommende Band am Rockfirmament gehandelt. Der Durchbruch schien unmittelbar bevorzustehen. Doch genau zu diesem Zeitpunkt geschah das Unerwartete: Bandleader Mark Olson warf das Handtuch. Er kehrte dem Rockbusiness den Rücken und stieg aus. Radikaler Bruch statt Durchbruch! "Auf Tour mit den Rockgiganten wurde mir klar, was es bedeutet, an der Spitze mitzumischen", umreißt er das Motiv für den Ausstieg. "Ich mochte den ganzen Rock'n'Roll-Zirkus nicht: in riesigen Stadien auftreten, Monate lang auf Tour in Hotels und auf Flughäfen leben, dabei immer nur ein Ziel vor Augen - Millionen Alben zu verkaufen. Das interessierte mich nicht. Ich fühlte mich eingesperrt und eingeengt, wollte musikalisch etwas anderes mit meinem Leben anfangen."
Von Christoph Wagner
Olson hatte weder klare Vorstellungen, wie es musikalisch weiter gehen sollte, noch hatte er große Pläne. Er wollte einfach eine Pause einlegen, tief durchatmen und wieder einen klaren Kopf gewinnen.
Ein paar Jahre zuvor hatte er die Sängerin Victoria Williams kennen gelernt. Sie hatten geheiratet und in der kalifornischen Wüste eine verwitterte Ranch erworben, deren Renovierung ihn eine Zeitlang in Anspruch nahm. "Der Rock'n'Roll-Lebensstil verträgt sich nicht besonders gut mit einem normalen Familienleben", beschreibt Olson den Interessenkonflikt. "Und dann fragst du dich, was wirklich im Leben zählt."
In der Auszeit begannen sich Mark Olson und
Victoria Williams intensiv mit älteren Formen der Countrymusik zu befassen,
wobei der Bluegrass-Stil der Louvin Brothers sowie Bands des Folkrevivals
wie die Holy Modal Rounders die beiden besonders in ihren Bann zogen. "Die
Louvin Brothers gehören schon lange zu meinen Helden", konstatiert Olson.
"In ihren Songs findet sich wirkliche Poesie. Ira Louvin, der die Lieder
schrieb, war schlicht ein Genie. Die Akkordwechsel, die Melodien und Harmonien
und dann die Texte machen einige seiner Songs zu wahren Meisterwerken -
unglaublich! Sie inspirierten mich auf vielfältige Weise." Olson und
Williams studierten die Kunst des Liederschreibens der Bluegrass-Pioniere
und nahmen ihren komplexen Harmoniegesang genauer unter die Lupe.
Allmählich begann sich ihr musikalisches Koordinatensystem zu verschieben.
"Uns schwebte eine andere Art von Musik vor: eine offene, experimentelle
Folkmusik. Wir wollten einfach nur Musik machen, mit Leuten, mit denen wir
gerne zusammen sind. Ganz entspannt, ganz natürlich und ohne Stress
miteinander musizieren und sehen, was dabei herauskommt", erläutert
Olson den Ansatz.
Ohne Victoria Williams hätte Olson den Kurswechsel nicht vollzogen.
Er war fasziniert von der brüchig-expressiven Stimme seiner Ehefrau,
die in der Lage war, mit ihrem Gesang Gefühle pur zu versprühen,
und am ehesten noch mit Iris de Ment oder Janis Joplin zu vergleichen wäre.
Darüber hinaus hatte sie Olson die Ohren dafür geöffnet, auf
was es als Musiker wirklich ankommt. Nicht die Musik marktgerecht nach
kommerziellen Kriterien auszurichten, sondern einen Stil zu entwickeln, der
einmalig und unverwechselbar ist. Eine individuelle Ausdrucksweise finden:
den "Self-Sound"! "Victoria hat diesen ganz persönlichen Stil, den man
sofort erkennt. Das ist eine Gabe, die nicht viele Leute haben", schwärmt
Olson. "Man kann hinkommen, wo man will, etwa in eine Bar.
Wenn sie eine Gitarre nimmt und singt, drehen sich sofort
alle um, so interessant und anders klingt ihr Gesang."
Musikalisch reduzierten die beiden nun ihre Songs auf das Allernötigste. Sie konzentrierten sich auf die Melodien im Harmoniegesang und versuchten durch unterschiedliche Instrumente (vom Dulcimer bis zum Wah-Wah-Banjo) und abwechslungsreiche Arrangements den verschiedenen Stücken jeweils einen anderen Klangcharakter zu geben. In den Liedern kam das neu gewonnene Gefühl von Freiheit beinahe emphatisch zum Ausdruck, dazu ein starker Sinn für die Besonderheiten eines Orts sowie ein fast kindliches Staunen über die Dinge der Natur. In den Texten wurde von kleinen Begebenheiten des Lebens erzählt und versucht, allgemeinere Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. "Wir beschreiben meistens Ereignisse, wie sie anderen Leuten oder uns passiert sind und welchen Gewinn man daraus ziehen kann", erläutert Olson. "Manchmal sind es schlimme Erfahrungen, die geschildert werden, wobei man versuchen sollte, nicht mit dem Schicksal zu hadern, sondern in der Zeit, die einem bleibt, das Beste aus seinem Leben zu machen."
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