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![]() "Music Of Persian Woman" (Laika, 2004) |
Maryam Akhondy & Banu unterwegs:
23.05.04 53... Bonn, Int. Bonn-Festival |
Eigentlich bedeutet das persische Wort "Banu" vornehme Dame. Aber es sind nicht nur die feinen Damen der Gesellschaft, denen der Chor Banu eine Stimme gibt. Im Gegenteil: Es sind vor allem jene Frauen, die im heimischen Umfeld vor sich hin trällern, damit ihnen die täglichen Haushaltspflichten leichter von der Hand gehen. Insofern versteht sich das Ensemble nicht als reine Folkloregruppe. Die Frauen sehen sich viel eher als musikalische Forscherinnen, die die Gesangskultur verschiedener Ethnien des Iran mit neuem Leben füllen.
Von Suzanne Cords
Irgendwo in einem kleinen Dorf im Nordiran sitzen ein paar Frauen zusammen am Fluss und tauchen die Wäschestücke immer wieder in die kalte Flut. Die Arbeit ist anstrengend, die Berge schmutziger Gewänder scheinen kein Ende zu nehmen und doch sind die Frauen gut gelaunt. "Lasst uns eine Pause machen", sagt eine, dreht ihre Waschschüssel um und fängt an, auf den Blechboden zu trommeln. "Oh ja", sagt ihre Freundin und beginnt zu singen: "Ich gehe in den Garten und pflücke Pflaumen. Sie sehen so lecker aus, mir läuft das Wasser im Munde zusammen." "Ischalleh - Gott soll es mögen", antworten die anderen Wäscherinnen im Chor. "Da geht ein schöner Mann, der hat eine Schüssel Joghurt in der Hand, wenn er mich nicht heiratet, soll die Schüssel runterfallen und brechen", setzt die Vorsängerin wieder an. Und wieder lautet die Antwort: "Ischalleh - Gott soll es mögen."
Die
Lyrik solcher Lieder ist alles andere als ausgefeilt und die Texte sind auch
nicht immer logisch, aber darauf kommt es den Sängerinnen auch gar nicht
an. Sie singen, weil es ihnen Freude macht und weil es sie ablenkt von der
monotonen Arbeit. Meist erfinden sie spontan irgendwelche Liedzeilen oder
sie intonieren Lieder, die ihnen schon die Großmutter beibrachte. Diese
Alltagslieder möglichst authentisch wiederzugeben ist das Anliegen der
Exil-Iranerin Maryam Akhondy, die den Chor Banu vor zwei Jahren ins Leben
gerufen hat. "Musikalisch gesehen sind unsere Lieder keine Meisterwerke",
weiß
sie, "aber sie zeigen die weibliche Stimme meiner Heimat. Sie sind echt."
Die 46-jährige Sängerin hat im Teheran der siebziger Jahre u.a.
bei dem im Iran sehr berühmten Ostad Esmail Mehrtasch eine klassische
Gesangsausbildung
absolviert und war auf dem besten Wege, eine berühmte Sängerin
zu werden, als 1979 die Revolution ausbrach. "Danach", erinnert sie sich,
"wurde alles anders. Die neue Regierung verbot uns einfach die
Unterhaltungsmusik. Ich glaube, die Fundamentalisten hatten Angst, dass die
Musik vom Glauben ablenken könnte, so wie eine schöne Frau einen
Mann auf dumme Gedanken bringen kann.
Im
Radio gab es nur noch Lieder über Märtyrer der Revolution und
über Heilige. Aber Musik im Sinne von Kunst wurde gänzlich untersagt."
Seit 1986 lebt Maryam Akhondy in Köln und frönt hier ihrer großen Liebe Musik. "Es ist nicht leicht, im Exil die Musik der Heimat zu machen", sagt die sympathische Perserin und schafft es doch immer wieder. Sie arbeitete mit dem Weltmusikensemble Schäl Sick Brass Band zusammen und gründete das Ensemble Barbad, das sich der jahrhundertealten hohen Kunst des traditionellen orientalischen Liedes widmet.
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